Typ-2-Diabetes, Fettarme

Typ-2-Diabetes: Fettarme vegane Kost senkt Leberfett in 16 Wochen um 33 Prozent

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach 16 Wochen sank das Leberfett um 33 Prozent; zugleich verbesserten sich Gewicht und mehrere Blutzuckerwerte.
Frisches, buntes Gemüse auf einem Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Untersuchung der Yale School of Medicine und des Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM) liefert neue Erkenntnisse zur diätetischen Behandlung von Typ-2-Diabetes. Eine im Fachjournal BMJ Open Diabetes Research & Care veröffentlichte Studie zeigt, dass eine fettarme vegane Kostform das Leberfett und das Körpergewicht bei Betroffenen spürbar reduzieren kann – selbst ohne Vorgaben zur Kalorienbeschränkung.

Deutlicher Rückgang von Leber- und Viszeralfett

Im Rahmen der 16-wöchigen Untersuchung ernährten sich 25 erwachsene Personen mit Typ-2-Diabetes rein pflanzlich und fettarm. Die Teilnehmenden wiesen zu Beginn ein Durchschnittsalter von 59 Jahren, ein mittleres Körpergewicht von 90,6 kg und einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 31,4 kg/m² auf. Insgesamt 24 Personen schlossen das Programm ab. Die Mahlzeiten wurden nach dem Prinzip „ad libitum“ ohne Kalorienzählen eingenommen.

Die Nährstoffverteilung der Kost setzte sich aus 75 % Kohlenhydraten, 15 % Protein und 10 % Fett zusammen. Nach 16 Wochen sank das Leberfett der Teilnehmenden um 33 %.

Zudem verringerte sich das Körpergewicht um 6,0 kg, was einem Verlust von 6,6 % des Ausgangsgewichts entsprach. Die Fettmasse reduzierte sich um 4,2 kg, während das viszerale Fett um 290 cm³ abnahm.

Neben den Veränderungen der Fettwerte verbesserte sich der Langzeitblutzuckerwert HbA1c um einen Prozentpunkt. Die Insulinresistenz sowie die Insulinempfindlichkeit verzeichneten Verbesserungen, und die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse reagierten empfindlicher auf Glukose.

Gleichzeitig gingen die Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte zurück, und im Gewebe wurden weniger fortgeschrittene Glykationsendprodukte (AGEs) nachgewiesen. Forscher der Yale School of Medicine führen den beschleunigten Fettabbau in der Leber unter anderem auf das Absinken gesättigter Fettsäuren im Blut zurück.

Hana Kahleova vom PCRM hob hervor, dass bereits eine Veränderung der Lebensmittelqualität das Leberfett verringern könne, ohne dass Kalorien gezählt werden müssten. Sie schränkte zugleich ein, dass es sich um eine kleine Studie handele und die Resultate nicht automatisch auf alle Diabetes-Patienten übertragbar seien. Ernährungsumstellungen sollten zudem mit medizinischem Fachpersonal abgesprochen werden.

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Methodische Grenzen und wissenschaftliche Einordnung

Die Studienautoren verwiesen auf mehrere Einschränkungen: So bleibe offen, wie groß der direkte Anteil der spezifischen Kostform im Verhältnis zum allgemeinen Gewichtsverlust sei.

Zudem lasse die Dauer von 16 Wochen keine belastbaren Aussagen über langfristige Effekte zu, und eine Überlegenheit gegenüber alternativen Interventionen sei durch die Daten nicht belegt. Auch könne nicht geschlossen werden, dass alle Betroffenen von einer fettarmen veganen Ernährung gleichermaßen profitierten.

Frühere Untersuchungen stützen die Beobachtungen der Arbeitsgruppe. Neal Barnard von der George Washington University verwies auf eigene Forschung aus dem Jahr 2006, wonach eine pflanzliche Ernährung dreimal wirksamer auf die Blutzuckerwerte wirke und binnen 16 Wochen rund ein Drittel des Leberfetts abbaue.

Weitere klinische Daten unterstreichen, dass eine fettarme pflanzliche Kost durch das Absenken von Lipiden in Muskel- und Leberzellen die Funktion der Insulinrezeptoren verbessere. Ballaststoffreiche Kostformen aus Vollkorn, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse könnten Blutzuckerspitzen verhindern und als Grundlage für Therapien bis hin zur Remission dienen.

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Differenzierte Befunde aus der Grundlagenforschung

Neben den klinischen Vorteilen verweisen Grundlagenforscher auf notwendige Vorsichtsmaßnahmen bei rein pflanzlicher Kost. Eine am 4. September 2026 online im Journal Molecular Metabolism publizierte Untersuchung der Universität Genf unter Pierre Maechler zeigte an Tiermodellen, dass Mäuse nach der Umstellung auf rein pflanzliche Kost nach zwei Tagen eine weniger effiziente Glukoseproduktion und eine verringerte Nüchternblutzuckerstabilität aufwiesen.

Ursache war eine verminderte Aktivität des Enzyms Glutamatdehydrogenase (GDH) in der Leber, was zu einer Ammoniakanreicherung führte. Diese Effekte waren durch die Gabe tierischer Proteine rasch reversibel.

Während Barnard betonte, dass sich die Enzymfunktion zwischen den Arten stark unterscheide und Mäusedaten nicht auf Menschen übertragbar seien, betonen Fachleute die Bedeutung einer ausgewogenen Nährstoffzufuhr.

Bei einer veganen Lebensweise sei insbesondere auf eine ausreichende Versorgung mit Protein, Eisen, Kalzium und Vitamin B12 zu achten, gegebenenfalls ergänzt durch gezielte Nährstoffpräparate und proteinreiche pflanzliche Quellen wie Tofu, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.

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