Typ-2-Diabetes: IcoSema senkt die Zahl der Spritzen von über 1.000 auf 52
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit der Zulassung des Kombinationspräparats IcoSema durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) steht eine veränderte Behandlungsoption für Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes bereit. Das Medikament wird als wöchentliche Injektion verabreicht und dient als Ergänzung zu Diät, Bewegung sowie oralen Antidiabetika, wie aus Berichten vom 26. Oktober 2026 hervorgeht.
Feste Kombination aus wöchentlichem Insulin und Semaglutid
IcoSema führt zwei Wirkstoffe in einer gemeinsamen Formulierung zusammen: das Basalinsulin Insulin Icodec und den GLP-1-Rezeptor-Agonisten Semaglutid. Es handelt sich um die weltweit erste Zulassung einer Kombination aus einem wöchentlich zu verabreichenden Insulin und Semaglutid zur Behandlung des Typ-2-Diabetes.
Der wesentliche praktische Unterschied zu bisherigen Regimen liegt im Anwendungsschema. Statt sieben Injektionen pro Woche ist lediglich eine einzige Injektion wöchentlich erforderlich. Auf das gesamte Jahr gerechnet reduziert sich die Belastung für Betroffene damit von über 1.000 auf 52 Injektionen. Das erklärte Ziel dieser Reduktion besteht darin, die Lebensqualität der Patienten sowie deren Therapietreue nachhaltig zu verbessern.
Erkenntnisse aus der klinischen Forschung
Die regulatorische Entscheidung stützt sich auf Ergebnisse aus den Phase-3-Studien des Entwicklungsprogramms, darunter die in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlichte Studie Combine 4. In diesen Untersuchungen zeigte IcoSema eine vergleichbare Blutzuckerkontrolle wie etablierte Standardtherapien.
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Über das gesamte Phase-3-Programm hinweg erzielte das Präparat eine bessere glykämische Kontrolle als die Gabe von Basalinsulin allein oder von Semaglutid allein.
Im direkten Vergleich mit einem intensivierten Basal-Bolus-Insulinregime erwies sich die wöchentliche Kombination als nicht unterlegen. Zudem dokumentierten die Studien signifikante Vorteile: Gegenüber herkömmlichen Insulinregimen ergab sich ein Vorteil beim Körpergewicht. Gleichzeitig traten klinisch signifikante oder schwere Hypoglykämien unter der Gabe von IcoSema im Vergleich zu den Referenz-Insulintherapien signifikant seltener auf.
Relevanz für die Adhärenz im Versorgungsalltag
Die Notwendigkeit täglicher oder mehrfach täglicher Injektionen stellt in der Diabetesversorgung seit Langem eine Hürde dar. Francesco Giorgino von der Universität Bari wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine geringere Injektionsfrequenz sowohl die Therapietreue als auch die Lebensqualität der Patienten verbessern könne.
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Welche Rolle die Akzeptanz von Injektionen spielt, verdeutlichen Versorgungsdaten aus Italien, wo italienische Diabetologen das Land als möglichen ersten europäischen Staat sehen, der die wöchentliche Kombination zur Verfügung stellt. In Italien leben über 4 Millionen Erwachsene mit Diabetes, von denen über 90 Prozent an Typ 2 erkrankt sind.
Rund 26 Prozent der insulinpflichtigen Typ-2-Patienten zögern den Beginn einer notwendigen Insulintherapie um mehr als zwei Jahre hinaus. Eine therapyform, die mit deutlich weniger Injektionen auskommt und zugleich Risiken wie schwere Unterzuckerungen mindert, könnte diese Hemmschwelle senken.
