Typ-2-Diabetes: SGLT2- und GLP-1-Therapien sollen früher beginnen
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie American Diabetes Association (ADA) und die European Association for the Study of Diabetes (EASD) haben aktualisierte Konsensusberichte zur Behandlung von adultem Typ-1- und Typ-2-Diabetes in den Fachjournalen Diabetologia und Diabetes Care vorgelegt.
Die Neufassungen markieren eine deutliche Weiterentwicklung bisheriger Versorgungsstrategien: Während in früheren Leitlinien vor allem die Senkung des Blutzuckerspiegels im Vordergrund stand, vollzieht das Gremium für den Typ-2-Diabetes nun einen umfassenden Fokuswechsel.
Statt einer isolierten Betrachtung der Hyperglykämie rückt ein ganzheitliches Management in das Zentrum, das Multimorbidität, Begleiterkrankungen und den Schutz von Organsystemen von Beginn an priorisiert.
Früher Einsatz von Organprotektiva bei Typ-2-Diabetes
Der Konsensus zur Behandlung des Typ-2-Diabetes, der in seinen Grundzügen seit 2006 besteht und zuletzt 2022 überarbeitet worden war, baut auf einem systematischen Review wissenschaftlicher Publikationen seit dem Jahr 2022 auf.
Erarbeitet wurden die Empfehlungen von einer 16-köpfigen Arbeitsgruppe unter dem gemeinsamen Vorsitz von Melanie Davies für die EASD und John Buse für die ADA. Erste Details dazu waren bereits auf dem 62. EASD-Kongress vorgestellt worden, der vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 in Mailand stattfand.
Neben der medikamentösen Einstellung spielt die aktive Unterstützung des Stoffwechsels eine entscheidende Rolle für den Therapieerfolg. Wie Sie mit speziellen 3-Minuten-Übungen Ihren Blutzucker auf natürlichem Weg positiv beeinflussen können, erfahren Sie in diesem kompakten E-Book. 7 einfache Übungen zur Blutzuckersenkung jetzt kostenlos herunterladen
Ein zentrales Element der Neuerungen ist die zeitliche Vorverlegung moderner Wirkstoffklassen. SGLT2-Inhibitoren sowie GLP-1-basierte Therapien – einschließlich dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten – sollen demnach früher eingesetzt werden, potenziell bereits unmittelbar ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung.
Ziel dieser Strategie ist die frühzeitige Organprotektion. Liegen bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung, eine chronische Nierenerkrankung oder eine Herzinsuffizienz vor, raten die Expertengremien dazu, eine frühzeitige Kombination aus SGLT2-Inhibitoren und einer GLP-1-Therapie in Betracht zu ziehen.
Lebensstil und der 24-Stunden-Bewegungsrahmen
Als unumstößliches Fundament jeder Therapie definieren ADA und EASD weiterhin eine gesunde Lebensführung, flankiert von psychologischer Unterstützung und strukturierter Gewichtskontrolle. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Tabak sowie ausreichende Erholung.
Neu integriert wurde ein strukturierter 24-Stunden-Bewegungsrahmen, der sich an den sogenannten „5 S“ orientiert: Stehen (Standing), Schritte im Alltag (Stepping), schweißtreibende Aktivität (Sweating), gezieltes Krafttraining (Strengthening) sowie Schlaf (Sleep). Dieser Ansatz soll verdeutlichen, dass Bewegung und Ruhephasen über den gesamten Tagesverlauf hinweg metabolische Prozesse beeinflussen.
Wer das Ziel verfolgt, Muskelschwund vorzubeugen und die Stoffwechselaktivität im Alltag gezielt zu erhöhen, kann dies oft schon mit minimalem Aufwand erreichen. Dieser Ratgeber stellt sechs effektive Kraftübungen vor, die sich ohne Fitnessstudio bequem zu Hause umsetzen lassen. Kostenlosen PDF-Ratgeber für effektives Heimtraining sichern
Technologie und Immuntherapie beim Typ-1-Diabetes
Auch der Konsensusbericht zum Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen, dessen Vorläuferversion aus dem Jahr 2021 stammt, wurde überarbeitet und legt einen Schwerpunkt auf moderne Technologien. Demnach gelten automatische Insulin-Dosierungssysteme (AID-Systeme) bei kontinuierlicher Nutzung als optimale Methode für die Insulinabgabe.
Zudem greift der Bericht neue medikamentöse Entwicklungen auf. So wird Teplizumab als die erste von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene krankheitsmodifizierende Therapie aufgeführt, mit der sich der Ausbruch eines klinisch manifesten Typ-1-Diabetes im Stadium 3 verzögern lässt.
Ein weiteres Augenmerk gilt dem Management von Adipositas bei Typ-1-Patienten: Hierfür sieht das Papier ein Spektrum aus Verhaltenstherapie, GLP-1-basierten Medikamenten der zweiten Generation und gegebenenfalls bariatrisch-chirurgischen Eingriffen vor.
