Typ-2-Diabetes: Strenge Diät und Training führen bei 54 Prozent zur Remission
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine strukturierte Kombination aus rigoroser Kalorienrestriktion und gezieltem Bewegungstraining kann bei jungen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes zu einer Remission der Erkrankung führen. Das zeigt die RESET-for-Remission-Studie, die von Forschenden der McGill University und der University of Leicester durchgeführt, in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Americas publiziert und auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes vorgestellt wurde.
Die Untersuchung konzentrierte sich auf 96 Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren mit Adipositas und einer Diabetesdiagnose von maximal sechs Jahren, die weder Insulin noch neuere Abnehmmedikamente einnahmen.
In der randomisierten, offenen Studie mit verblindeter Endpunktbewertung an drei Zentren in Montreal, Edmonton und Leicester erreichten nach 24 Wochen 27 von 50 Teilnehmern (54 Prozent) im Intensivprogramm eine Remission. In der Kontrollgruppe unter Standardversorgung gelang dies lediglich 2 von 46 Personen (4 Prozent).
Als Remission galt ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent ohne glukosesenkende Medikamente über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen. Nach 12 Wochen lag dieser Anteil im Interventionsarm bereits bei 58 Prozent. Laut den Studienautoren war die Chance auf eine Remission in der Interventionsgruppe 21-fach höher als unter der Standardversorgung.
Kombination aus Formula-Diät und Krafttraining
Das Interventionsprogramm forderte den Teilnehmenden, deren Durchschnittsalter bei 38 Jahren und deren mittlerer Body-Mass-Index bei 35,2 kg/m² lag, erhebliche Umstellungen ab. In den ersten 12 Wochen nahmen sie täglich nur 800 bis 900 Kilokalorien zu sich.
Die ersten zwei Wochen bestanden aus einer vollständigen Mahlzeitenersetzung, danach war eine konventionelle Mahlzeit pro Tag erlaubt. Flankiert wurde die Diät von zwei überwachten Aerobic- und Kraft-Einheiten pro Woche sowie einer eigenständigen Trainingseinheit. Die Wochen 13 bis 24 dienten anschließend der Gewichtserhaltung.
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Der Gewichtsverlust betrug im Interventionsarm durchschnittlich 8,4 Kilogramm (von 100,7 Kilogramm auf 92,3 Kilogramm), verglichen mit 1,2 Kilogramm in der Kontrollgruppe. Die adjustierte Differenz lag bei 7,5 Kilogramm und betraf überwiegend Körperfett.
In einer kleinen Untergruppe von 14 Personen, die mindestens 10 Prozent ihres Körpergewichts verloren, erreichten ausnahmslos alle eine Remission. Relativ zur Kontrolle sank die Fettmasse um 16,5 Prozent, während das Muskelvolumen und die fettfreie Masse keine signifikanten Unterschiede aufwiesen.
Zugleich stiegen die Handkraft um 7,6 Prozent und die körpergewichtsbezogene Fitness um 10,3 Prozent. Auch kardiovaskuläre Parameter verbesserten sich: Der Blutdruck sank systolisch und diastolisch um 4 beziehungsweise 5 mmHg, der Ruhepuls um 5 Schläge pro Minute, und die Hypertonie-Remission lag bei 56 Prozent gegenüber 27 Prozent in der Kontrollgruppe.
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Begleitende Faktoren und methodische Grenzen
Trotz der Erfolge unterstreichen die Daten praktische Hürden. Lediglich 40 Prozent der Teilnehmenden hielten das Protokoll vollständig ein; im Median wurden 17 von 20 überwachten Trainingseinheiten absolviert.
Zudem meldeten 43 von 50 Personen im Interventionsarm unerwünschte Ereignisse wie Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit, wenngleich keine schwerwiegenden Zwischenfälle auftraten. In der Kontrollgruppe berichteten 6 von 46 Teilnehmern über Nebenwirkungen. Eine sehr kalorienarme Ernährung erfordert daher eine engmaschige medizinische Aufsicht.
Zudem betonen Fachleute, dass eine Remission keine dauerhafte Heilung bedeutet. Da der Nachbeobachtungszeitraum lediglich 24 Wochen betrug und keine reine Diätgruppe zum direkten Vergleich geführt wurde, bleibt die Dauerhaftigkeit der Effekte über diesen Zeitraum hinaus offen.
Ergänzende Lebensstilfaktoren wie der Schlaf rücken in der Forschung ebenfalls verstärkt in den Fokus. Eine Untersuchung des NYU Rory Meyers College of Nursing an 196 Erwachsenen mit Prädiabetes zeigte zwar keine Veränderung der Glukosewerte durch Schlafcoaching über acht Wochen, jedoch war jede Stunde früheres Einschlafen unabhängig von der Schlafdauer mit einem Gewichtsverlust von rund 1,3 Pfund (0,6 Kilogramm) verbunden.
Beobachtungsdaten des Brigham and Women's Hospital zu über 84.000 Personen der UK Biobank wiesen zudem darauf hin, dass eine unregelmäßige Schlafdauer mit Abweichungen von über 60 Minuten pro Nacht mit einem um 34 Prozent höheren Diabetesrisiko einhergeht.
Die RESET-Studie verdeutlicht jedoch, dass bei bereits manifestem Typ-2-Diabetes insbesondere die Kombination aus deutlicher Kalorienreduktion und Muskelerhalt den stärksten Hebel für eine Stoffwechselnormalisierung darstellt.
