U10-Vorsorge: GBA beschließt Früherkennungsuntersuchung für alle Kinder
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat die Einführung der Vorsorgeuntersuchung U10 für alle Kinder im Alter von neun und zehn Jahren beschlossen. Damit sollen die gesetzlichen Krankenkassen künftig die Kosten für diese Früherkennungsmaßnahme flächendeckend übernehmen.
Bislang waren die zusätzlichen Untersuchungen U10 und U11 für Familien freiwillig und wurden von den Kassen nur teilweise erstattet. In Baden-Württemberg rechnete nach Angaben des Kinderarztes Till Reckert bisher lediglich rund die Hälfte der Praxen die U10 und U11 über Selektivverträge ab.
Künftig wird das gelbe Untersuchungsheft neben den bekannten frühen Kontrollen auch die U10 sowie die J1 ab einem Alter von zwölf Jahren umfassen. Der konkrete Starttermin der neuen Regelleistung ist allerdings noch offen: Die rechtliche Prüfung kann bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen, zudem stehen die Honorarverhandlungen zwischen den Vertragsparteien noch aus.
Schwerpunkte der Untersuchung: Psyche, Bewegung und Medienkonsum
Inhaltlich rückt die neue U10 zentrale Herausforderungen des späten Grundschulalters in den Mittelpunkt. Nach Angaben des GBA stehen vor allem die Themen Übergewicht, Bewegung, Medienkonsum und die psychische Gesundheit im Fokus der ärztlichen Erhebung.
Der Bedarf an einer strukturierten Vorsorge in dieser Altersgruppe wird durch aktuelle Erhebungen gestützt. Laut dem AOK-Kindergesundheitsatlas 2026, für den 5.000 Eltern im Rheinland und in Hamburg befragt wurden, erreichen 86 Prozent der Kinder die WHO-Bewegungsempfehlung von 60 Minuten pro Tag nicht.
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Elf Prozent der Kinder sind demnach laut Body-Mass-Index adipös, und zehn Prozent konsumieren ab dem ersten Lebensjahr täglich mindestens zwei zuckerhaltige Lebensmittel.
Zudem weisen 55 Prozent der Kinder mindestens eine diagnostizierte oder vermutete chronische Erkrankung auf, während 24 Prozent unter multiplen psychosomatischen Beschwerden leiden. Entsprechende Vermutungen bezüglich Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) stiegen laut dem Bericht seit 2024 um sieben Prozent.
Gesundheitliche Belastungen im Schulalltag
Ergebnisse des DAK-Präventionsradars des IFT-Nord unterstreichen die gesundheitlichen Hürden bei Heranwachsenden. Demnach weisen knapp 90 Prozent der Schulkinder der Klassen 5 bis 10 in 15 Bundesländern eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf.
Fast die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler (46 Prozent) leidet unter Schlafproblemen, nachdem dieser Anteil 2019/20 noch bei 36 Prozent gelegen hatte. Zudem gaben 69 Prozent an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein – vor drei Jahren lag dieser Wert bei 52 Prozent. DAK-Vorstand Storm betonte dazu, dass Bildungserfolg und Gesundheit eng miteinander verknüpft seien.
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Neben psychosomatischen Beschwerden bleibt der Förderbedarf bei Entwicklungsverzögerungen im Schulalter hoch. Im Jahr 2025 erhielten 19,2 Prozent der Sechsjährigen – 9.872 von 51.300 untersuchten Kindern – rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie, nach 18,5 Prozent im Jahr 2024. Die künftige Aufnahme der U10 in den regulären Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen soll sicherstellen, dass physische wie psychische Fehlentwicklungen vor dem Übergang in die weiterführende Schule bundesweit systematisch erfasst werden.
