UCL-Studie, Klangnuancen

UCL-Studie: Klangnuancen erkennen hÀngt mit dem Erlernen neuer Sprachen zusammen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tests mit japanischen Englischlernenden zeigen einen Zusammenhang zwischen Klangunterscheidung und Vokalerkennung; ein ursÀchlicher Effekt wurde nicht belegt.
Eine nah aufgenommene Stimmgabel auf einem dunklen, texturierten Untergrund mit weicher, kinematischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die FĂ€higkeit, feinste Klangnuancen im Gehör wahrzunehmen, steht in einem direkten Zusammenhang damit, wie schnell und prĂ€zise Menschen die Aussprache neuer Sprachen erlernen. Dies belegt eine wissenschaftliche Untersuchung des University College London (UCL) und der japanischen Tohoku-UniversitĂ€t, ĂŒber die Fachmedien Mitte Oktober 2026 berichteten.

Die im Fachblatt Journal of Experimental Psychology: General (DOI 10.1037/xge0001991) veröffentlichte Arbeit liefert Einblicke in die neurologischen Mechanismen der Sprachverarbeitung und zeigt auf, welche Rolle die auditive SensibilitÀt beim Fremdsprachenerwerb spielt.

Neuronale Verarbeitung fremder Laute im Gehirn

Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Forscher mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRI) 67 japanische Englischlernende. Getestet wurde dabei unter anderem die Unterscheidung der englischen Vokale /é/ (wie im englischen Wort „cat“) und /?/ (wie im englischen Wort „cup“) – Lautstrukturen, die im Japanischen nicht existieren.

Die Messungen ergaben, dass die auditorische PrÀzision beim Erkennen feiner Unterschiede in Tonhöhe, LÀnge und Klang bei Nicht-Sprachlauten mit einer besseren Identifikation korreliert.

AuffÀllig waren die AktivitÀtsmuster im Gehirn: Teilnehmende mit einer hohen auditiven PrÀzision beanspruchten bei fremdsprachigen Lauten das linke sensomotorische System weniger stark. Ihre HirnaktivitÀt glich vielmehr der Verarbeitung von Nicht-Sprachlauten.

Lernende mit geringerer PrĂ€zision wiesen hingegen mehr AktivitĂ€t in der linken Sprachregion auf, nutzten das linke sensomotorische Netzwerk intensiver und griffen auf muttersprachliche Muster zurĂŒck. Die Assoziation mit kĂŒnstlichen Tönen erwies sich bei den 67 Probanden im fMRI als nicht signifikant.

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BestĂ€ndigkeit der Effekte in grĂ¶ĂŸeren Testgruppen

Neben den bildgebenden Verfahren ĂŒberprĂŒfte das Team die ZusammenhĂ€nge in einer grĂ¶ĂŸeren Gruppe von 140 japanischen Englischlernenden im Alter von 19 bis 27 Jahren. Dabei zeigte sich ein konsistentes Bild: Diejenigen, die kleinere TonverĂ€nderungen identifizieren konnten, schnitten auch bei der Unterscheidung der englischen Vokale besser ab.

Dieser Zusammenhang blieb den Daten zufolge auch dann stabil, wenn weitere Einflussfaktoren herausgerechnet wurden. Weder der bisherige Unterrichtsumfang noch gefĂŒhrte AlltagsgesprĂ€che, Auslandsaufenthalte oder spezifisches Aussprache- und Musiktraining Ă€nderten die statistische Verbindung zwischen der auditiven DifferenzierungsfĂ€higkeit und der Erkennung der Laute.

Methodische Grenzen und didaktische AnsÀtze

Die Autoren der Studie betonen zugleich die Grenzen der bisherigen Ergebnisse. Die Untersuchung misst weder die tatsÀchliche Aussprache noch die allgemeine englische Sprachkompetenz der Testpersonen. Zudem zogen die Wissenschaftler am 14. Oktober 2026 keine kausalen Schlussfolgerungen aus den beobachteten Korrelationen.

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FĂŒr den Sprachunterricht könnten sich dennoch neue Impulse ergeben. Hauptautor Kazuya Saito-van Poeteren vom UCL hob hervor, dass der Fremdsprachenunterricht das Gehör der Lernenden gezielt trainieren mĂŒsse, anstatt sich lediglich auf wiederholtes Üben zu stĂŒtzen. Vor diesem Hintergrund wird ein Trainingsansatz erwogen, der Sprach- und Hörtraining systematisch miteinander kombiniert.

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