Krebsarten, Risiko

Übergewicht: 19 Krebsarten und 58% höheres Risiko bei Gebärmutterkrebs

23.06.2026 - 00:20:07 | boerse-global.de

Großangelegte Studien belegen: Übergewicht und Bauchfett fördern 19 Krebsarten sowie schwere Stoffwechselerkrankungen.

Übergewicht-Studie: 19 Krebsarten durch hohen BMI begünstigt
Krebsarten - Ein stilisierter menschlicher Torso mit leuchtend rotem Bauchfett und überlagerten Krebszellen vor dunklem, wissenschaftlichem Hintergrund. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere großangelegte Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen erhöhtem BMI, Bauchfett und der Entstehung von 19 Krebsarten sowie schweren Stoffwechselerkrankungen.

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58 Prozent mehr Risiko bei Gebärmutterkrebs

Eine Meta-Analyse in „Nature Metabolism“ vom 22. Juni liefert alarmierende Zahlen. Forscher des National Cancer Institute, des Imperial College London und der Johns Hopkins University werteten 226 Studien mit 1,5 Millionen Krebsfällen aus 23 Ländern aus.

Das Ergebnis: Pro fünf Punkte BMI-Anstieg steigt das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs um 58 Prozent. Beim Speiseröhren-Adenokarzinom sind es 47 Prozent, bei Nierenkrebs 30 Prozent. Gallenblasenkrebs legt um 27 Prozent zu, Leberkrebs um 20 Prozent.

Die Studie identifizierte auch neue Zusammenhänge mit Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphomen, Blasenkrebs und Gliomen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede überraschend

Das Darmkrebsrisiko steigt bei Männern pro fünf BMI-Punkte um 17 Prozent – bei Frauen nur um sechs Prozent. Beim Gallenblasenkrebs ist es umgekehrt: Frauen haben ein 33 Prozent höheres Risiko, Männer nur 13 Prozent.

Bauchfett als heimlicher Killer

Unabhängig vom Gesamtgewicht rückt das viszerale Bauchfett in den Fokus. Eine Langzeitstudie der Universität Leipzig und der Ben-Gurion-Universität mit 366 Probanden über zehn Jahre zeigt: Schon eine Reduktion des Bauchfetts um zehn Prozent senkt das Diabetes-Risiko um 28 Prozent.

Experten betonen: Der Bauchumfang ist oft aussagekräftiger als der BMI. Kritische Grenzwerte liegen bei unter 80 Zentimetern für Frauen und unter 94 Zentimetern für Männer. Viszerales Fett produziert entzündungsförnde Botenstoffe und treibt chronische Entzündungsprozesse an.

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Prädiabetes-Rückkehr senkt Krebsrisiko

Ein Kommentar in „Nature Reviews Endocrinology“ vom DZD und DKFZ unterstreicht die Bedeutung normaler Blutzuckerwerte. Eine südkoreanische Studie mit über sechs Millionen Teilnehmern zeigte: Dauerhafter Prädiabetes erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Gallenblasenkrebs signifikant.

Die Rückkehr zu normalen Werten neutralisiert dieses Risiko. Zudem sinken kardiovaskuläre Todesfälle oder Krankenhausaufenthalte um 58 Prozent, Herzinfarkte oder Schlaganfälle um 42 Prozent.

Neue Medikamente gegen die Fettleibigkeit

Die Pharmaindustrie reagiert. Eli Lilly, AstraZeneca und Novo Nordisk entwickeln Therapien, die Fett abbauen und gleichzeitig Muskelmasse erhalten. Im Juni sprach die EMA eine Empfehlung für eine hochdosierte Semaglutid-Tablette aus – sie ermöglicht einen Gewichtsverlust von etwa 16 Prozent.

Klinische Daten vom ASCO-Kongress 2026 und der ENDO-Studie zeigen: Bei GLP-1-Therapie sinkt die Tumorprogression bei Lungenkrebs um 50 Prozent, bei Brustkrebs um 43 Prozent.

Forscher der Universitäten Zürich und Pisa untersuchen zudem Epigenetik-Medikamente. BET-Protein-Inhibitoren könnten Entzündungsprogramme im Fettgewebe dämpfen und Blutgefäße schützen.

Mikrobiom als Frühwarnsystem

Ein österreichisches Team der Universität Wien und MedUni Wien veröffentlichte am 22. Juni in „Nature“ eine Analyse von über 6.000 Darmbakterien-Genomen. Die Studie identifizierte charakteristische Bakterienpopulationen bei Diabetes, Darmkrebs und Morbus Crohn.

Die Methode erkennt biologische Veränderungen, bevor klinische Symptome auftreten. Parallel dazu erforschen Wissenschaftler der Universität Köln neue Ansätze bei Bauchspeicheldrüsenkrebs – sie nutzen spezifische Mutationen, um gezielt den Zelltod in Tumorzellen auszulösen.

de | wissenschaft | 69606506 |