EMA, Semaglutid-Tablette

Übergewicht: EMA genehmigt erste orale Semaglutid-Tablette

14.06.2026 - 15:52:21 | boerse-global.de

Die EU-Zulassung einer oralen Semaglutid-Tablette markiert einen Wendepunkt. Experten warnen jedoch vor Muskelverlust und betonen die Notwendigkeit von Begleitmaßnahmen.

EMA-Zulassung für orale Semaglutid-Tablette: Wandel in der Adipositas-Therapie
EMA - Eine Nahaufnahme eines modernen Injektionspens oder einer Medikamentenpackung, umgeben von stilisierten wissenschaftlichen Grafiken. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bislang dominieren Spritzen wie Ozempic oder Wegovy den Markt. Doch jetzt rücken orale Alternativen und Kombinationstherapien in den Fokus.

Die Semaglutid-Tablette kommt nach Europa

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat grünes Licht gegeben: Eine orale Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid soll in der EU zugelassen werden. In den USA ist das Präparat bereits seit Anfang 2026 erhältlich. Patienten nehmen die Tablette täglich auf nüchternen Magen ein.

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Der Vorteil liegt auf der Hand: Keine Spritze mehr, keine wöchentliche Routine. Professor Hauner von der Technischen Universität München bestätigt: Die Tablette sei bequemer. Allerdings weise sie eine geringere Wirksamkeit auf als die Injektion.

Die Zulassung gilt für Erwachsene ab 18 Jahren mit einem entsprechenden Body-Mass-Index (BMI) und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Als typische Nebenwirkungen nennen Experten gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfung.

Das Muskelproblem: Bis zu 40 Prozent Verlust

Ein kritischer Punkt bei der Gewichtsreduktion durch GLP-1-Analoga ist die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts. Beobachtungen zeigen: Bis zu 40 Prozent der verlorenen Masse können auf Muskelgewebe entfallen.

Um diesem Muskelschwund entgegenzuwirken, forschen Wissenschaftler an neuen Kombinationstherapien. Der Antikörper Apitegromab wird derzeit in einer Phase-2-Studie getestet – in Kombination mit einer Tirzepatid-Therapie. Das Ziel: Muskelmasse erhalten, während Fett schwindet.

Dr. Haiko Schlögl vom Universitätsklinikum Leipzig sieht die Risiken. Der Eingriff in körpereigene Mechanismen sei nicht ohne Gefahr. Sein Rat: Sport und proteinreiche Ernährung seien effektiver und sicherer. Eine Zulassung solcher Kombinationspräparate wird erst in einigen Jahren erwartet.

Überraschender Nebeneffekt: Schutz vor Metastasen

Die Forschung entdeckt zunehmend unerwartete Wirkungen der Inkretin-Analoga. Eine Studie der Cleveland Clinic mit rund 12.000 Krebspatienten liefert spannende Hinweise.

Demnach könnten die Medikamente das Risiko für Metastasen bei bestimmten Krebsarten senken – um 38 bis 50 Prozent. Betroffen sind Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs. Bei Patienten mit Lungen- oder Brustkrebs lag die Metastasierungsrate unter der Medikation bei etwa 10 Prozent. In der Kontrollgruppe waren es 20 bis 22 Prozent.

Professor Wicki vom Universitätsspital Zürich bremst die Euphorie. Es handle sich um Beobachtungsdaten, die keinen kausalen Schutz belegen. Eine Anwendung sei derzeit nur bei einer zusätzlich bestehenden medizinischen Indikation sinnvoll.

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Einordnung: Medikamente sind kein Allheilmittel

Die neuen Wirkstoffe ergänzen ein Feld bereits etablierter Medikamente. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 nennt als bisherige Säulen der medikamentösen Adipositas-Therapie: Phentermin/Topiramat, Naltrexon/Bupropion, Orlistat und Liraglutid.

Inkretin-Analoga ermöglichen über mehrere Jahre eine progressive Gewichtsabnahme. Zahlreiche weitere Wirkstoffe befinden sich in der klinischen Entwicklung. Doch Fachleute betonen immer wieder: Die medikamentöse Therapie muss in ein Gesamtkonzept aus Ernährung und Bewegung eingebettet sein. Die Pille allein wird das Problem nicht lösen.

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