Übergewicht und Kniearthrose: Beim Gehen wirkt bis zum Siebenfachen des Körpergewichts
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachleute weisen verstärkt darauf hin, dass Faktoren wie Übergewicht, unpassendes Schuhwerk, Fehlhaltungen und übermäßige sportliche Belastung die Kniegelenke bereits in jungen Jahren schädigen können. Eine Kniearthrose gilt damit keineswegs nur als ein Leiden älterer Generationen. Degenerative Veränderungen können durch spezifische Alltagsmuster und mechanische Belastungen schon frühzeitig ausgelöst werden.
Ursachen, Risikogruppen und mechanische Belastungen
Nach Angaben von Sakkadech Limmahakhun von der orthopädischen Abteilung der Medizinischen Fakultät der Universität Chiang Mai muss zwischen primärer Kniearthrose ohne spezifische Ursache und sekundärer Kniearthrose unterschieden werden. Letztere tritt häufig infolge von Verletzungen wie Fußballtraumata sowie Meniskus- oder Kreuzbandrissen auf.
Limmahakhun identifiziert fünf wesentliche Risikogruppen: Frauen – insbesondere Asiatinnen durch häufiges langes Sitzen im Schneidersitz auf dem Boden –, Mönche durch wiederholtes Aufstehen und Niederknien, Landwirte durch langes Hocken und Bücken, Lehrkräfte beziehungsweise Personen, die oft Treppen steigen oder hohe Absätze tragen, sowie Menschen mit hohem Körpergewicht.
Bei starkem Übergewicht könne die Kraft, die das Knie beim Gehen aufnimmt, situativ bis zum Siebenfachen des Körpergewichts betragen. Zu den typischen Warnsymptomen zählen Knieschmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen sowie Knieverformungen und Instabilität.
Der Orthopäde Jeffrey Westrich erläutert hierzu, dass beim Gehen oder Treppensteigen generell das Drei- bis Fünffache des Körpergewichts auf die Gelenke einwirke. Eine Gewichtsreduktion um ein Pfund (0,45 Kilogramm) verringere die Kniebelastung im Durchschnitt um drei Pfund (1,4 Kilogramm) und die Belastung der Hüfte um sechs Pfund (2,7 Kilogramm).
Eine Studie der Wake Forest University aus dem Jahr 2005 an 142 übergewichtigen älteren Personen mit Kniearthrose zeigte zudem, dass die Kniebelastung beim Gehen um etwa das Vierfache des abgenommenen Gewichts sank.
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Die American College of Rheumatology verweist darauf, dass bereits ein Gewichtsverlust von 5 Prozent Beschwerden verringern kann, und empfiehlt bei Arthrose ausdrücklich Bewegung sowie Gewichtsabnahme.
Fehlhaltungen und die Bedeutung des Schuhwerks
Dass Fehlhaltungen langfristig wirken, belegte eine im Jahr 2007 veröffentlichte Untersuchung an älteren Bewohnern Pekings: Wer in jungen Jahren täglich über drei Stunden in der Hocke verbrachte, wies ein rund doppelt so hohes Risiko für Kniearthrose auf wie Personen mit weniger als 30 Minuten Hockerfahrung.
Die Studienautoren schränkten jedoch ein, dass die retrospektive Erhebung keine direkte Ursachenzuordnung zulässt. Auch das Schuhwerk spielt eine entscheidende Rolle. In einer Untersuchung der Universität Melbourne aus dem Jahr 2021 an 164 Patienten über sechs Monate gingen Knie- und Hüftschmerzen bei Personen mit fest stützenden Schuhen deutlicher zurück.
Der Einfluss von Gelenkverschleiß zeigt sich international in hohen Fallzahlen. Laut der Statistik des südkoreanischen Health Insurance Review and Assessment Service suchten im Jahr 2023 mehr als 3,2 Millionen Menschen wegen Gonarthrose medizinische Einrichtungen auf.
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Ding Yong von der Gelenkklinik des Xi'an Honghui Hospital berichtet, dass fast die Hälfte der über 65-Jährigen an Gonarthrose leidet, wobei Frauen nach den Wechseljahren durch den Östrogenrückgang besonders betroffen sind. Knochensporne seien laut Ding Yong eine bloße Reparationserscheinung; Schmerzursache bleibe der Knorpelabbau.
Präventive Ansätze im Alltag und beim Training
Zur Vorbeugung wird empfohlen, langes Sitzen im Schneidersitz zu vermeiden, beim Treppensteigen Geländer zu nutzen, elastische Sohlen zu bevorzugen und harte Schuhe sowie hohe Absätze zu meiden. Regelmäßige Haltungswechsel alle 30 Minuten und gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren fördern die Nährstoffversorgung des Knorpels.
Bei sportlichen Aktivitäten schützen ein gründliches Aufwärmen sowie die gezielte Kräftigung von Oberschenkel-, Gesäß- und Rumpfmuskulatur die Gelenkstrukturen vor Überlastung. Treten anhaltende Schmerzen oder Schwellungen auf, raten Fachärzte zu einer frühzeitigen medizinischen Abklärung.
