Krebs, FĂ€lle

Übergewicht und Krebs: 11,5% aller FĂ€lle bislang unterschĂ€tzt

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 22:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Leitlinien stufen Adipositas als chronische Erkrankung ein. Die EU lÀsst erstmals eine orale Semaglutid-Tablette zu.

Adipositas als Krankheit: Neue EU-Zulassung fĂŒr Wegovy-Tablette
Abstrakte Darstellung von medizinischen Daten, Graphen und MolekĂŒlstrukturen, die den Fortschritt in der Adipositasbehandlung symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Neue Leitlinien erkennen Adipositas als chronische Erkrankung an, wĂ€hrend die EU-Kommission Mitte Juli erstmals eine orale Semaglutid-Tablette zuließ.

Chronisch krank statt reine Willenssache

Im Mai veröffentlichten Schweizer Fachgesellschaften neue Leitlinien. Darin heißt es: Adipositas ist eine chronische Erkrankung. Die Behandlung zielt nicht mehr primĂ€r auf Gewichtsreduktion, sondern auf allgemeine Gesundheit, LebensqualitĂ€t und die Therapie von Begleiterkrankungen.

Prof. Dr. Bernd Schultes vom Stoffwechselzentrum St. Gallen war als Mitautor beteiligt. Er betont den multidisziplinĂ€ren Ansatz der neuen Therapie. Auch die USA ziehen mit: Dort erschienen Leitlinien zum kardiorenal-metabolischen Syndrom (KRMS). Das Modell unterteilt die Erkrankung in vier Stadien – von Übergewicht bis zur manifesten Herz-Kreislauf-Erkrankung. Empfohlen wird eine Kombination aus LebensstilĂ€nderungen und modernen Medikamenten wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten.

Wegovy jetzt als Tablette

Ein Meilenstein: Die EU-Kommission ließ Mitte Juli die Wegovy-Tablette zu. Erstmals steht Patienten eine orale Alternative zur Spritze zur VerfĂŒgung. Zugelassen ist sie fĂŒr Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 bei gewichtsbedingten Begleiterkrankungen.

Die Phase-III-Studie OASIS-4 belegt die Wirksamkeit. Patienten nahmen die Tablette tĂ€glich nĂŒchtern, mindestens 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit. Über 64 Wochen verloren sie 14 bis 17 Prozent ihres Gewichts. Die Placebo-Gruppe erreichte nur 2,2 bis 3 Prozent.

Experte Jens Aberle vom UKE schĂ€tzt, dass rund 90 Prozent der Patienten die orale Form bevorzugen. Doch es gibt Vorbehalte: Knut Mai von der CharitĂ© weist darauf hin, dass die Injektion mit 19 bis 21 Prozent Gewichtsverlust weiterhin effektiver ist. Aberle warnt zudem vor Missbrauch durch die leichtere Handhabung der Pille. Als Nebenwirkungen traten vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfung auf.

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Übergewicht als Krebsrisiko unterschĂ€tzt

Aktuelle Studien liefern neue Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen. Eine Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) unter Leitung von Hermann Brenner deutet darauf hin: Der Einfluss von Übergewicht auf Krebs wurde bislang unterschĂ€tzt.

Die Analyse von ĂŒber 458.000 Teilnehmenden der UK Biobank zeigt: Bis zu 11,5 Prozent aller Krebserkrankungen könnten auf Übergewicht zurĂŒckgehen. Bisherige SchĂ€tzungen lagen bei zwei bis acht Prozent. Besonders betroffen sind Frauen und Menschen unter 60 Jahren.

Ein zentrales Ergebnis: Taillenumfang und Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis sagen das Risiko prĂ€ziser voraus als der herkömmliche BMI. Insgesamt werden mindestens 13 Krebsarten mit Übergewicht in Verbindung gebracht.

Blick in die Zukunft

Die Risikostratifizierung steht ebenfalls vor einem Wandel. Im International Journal of Obesity forderten Fachleute 2026 eine prĂ€zisere Diagnostik. KI-gestĂŒtzte Bildgebung oder Metabolomik könnten Therapien kĂŒnftig individueller steuern – herkömmliche Risikorechner berĂŒcksichtigen viszerales Fett oft unzureichend.

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WĂ€hrend in den USA bereits im April 2026 weitere PrĂ€parate wie Orforglipron zugelassen wurden, richtet sich der Blick auf kommende Wirkstoffe. FĂŒr 2027 wird die Zulassung von Retatrutid erwartet. In frĂŒhen Studien erzielte es Gewichtsreduktionen von bis zu 30 Prozent.

Die Nachfrage ist enorm: Telemedizinische Anbieter berichten bereits zum Start der Auslieferung neuer PrĂ€parate von ĂŒber 15.000 Registrierungen. Experten mahnen jedoch: Medikamente mĂŒssen in ein Gesamtkonzept aus LebensstilĂ€nderung und interdisziplinĂ€rer Betreuung eingebettet sein.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

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