Ultra-verarbeitete, Lebensmittel

Ultra-verarbeitete Lebensmittel: 23–38% aller Herz-Kreislauf-Fälle

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nahrungsergänzungsmittel-Verkäufe verdoppeln sich binnen drei Jahren. Experten raten zu gezielter Einnahme nach ärztlichem Check.

Supplement-Boom in Deutschland: VerbraucherschĂĽtzer warnen vor Risiken
Nahaufnahme von verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln in Kapsel- und Pillenform, die auf einer sauberen Oberfläche ausgelegt sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das ist die doppelte Menge im Vergleich zu 2022. Die Verbraucherzentrale Berlin erfasst diese Zahlen – und sieht sie mit Sorge.

Der Hype um Longevity und Selbstoptimierung treibt die Nachfrage. Immer mehr Menschen greifen zu Vitamin D, B-Komplex oder Selen, ohne vorher ihren Spiegel checken zu lassen. Dabei warnen Fachleute: Ohne ärztliche Abklärung kann die Einnahme Risiken bergen. Bei Vitamin D etwa gilt eine tägliche Dosis von bis zu 20 Mikrogramm für die Allgemeinbevölkerung als unbedenklich – aber nicht jeder braucht überhaupt Extra-Dosen.

Das eigentliche Problem: hochverarbeitete Lebensmittel

Eine Studie im American Journal of Preventive Medicine (Juli 2026) lenkt den Blick auf die Basis: ultra-verarbeitete Lebensmittel wie Chips, Limonaden und Wurstwaren. Die Modellrechnungen zeigen: 23 bis 38 Prozent aller Herz-Kreislauf-Ereignisse hängen mit ihrem Konsum zusammen.

Für Kanada ermittelten die Forscher anhand von Daten aus 2019: Jährlich könnten zwischen 58.200 und 96.000 neue Krankheitsfälle sowie bis zu 17.400 Todesfälle auf diese Produkte zurückgehen. Eine Reduktion um 20 bis 50 Prozent würde laut den Autoren massiv zur Prävention beitragen. Kritiker geben allerdings zu bedenken: Zucker- und Fettgehalt spielen eine große Rolle – nicht allein der Verarbeitungsgrad.

100 Euro pro Liter: Foodwatch kritisiert LaVita

Die Vermarktung von Supplementen gerät zunehmend ins Visier von Verbraucherschützern. 2026 kritisierte Foodwatch das Konzentrat LaVita in einem Negativpreis-Verfahren. Ernährungswissenschaftler merkten an: Das Produkt, das rund 100 Euro pro Liter kostet, könne eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Die beworbenen Health Claims bezögen sich nur auf einzelne Vitamine – nicht auf das Gesamtprodukt.

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LaVita-Chef Gerd Truntschka wies die Kritik zurück. International verschärfen Behörden derweil die Kontrollen. Aus Vietnam etwa berichtete das Gesundheitsministerium im Juli 2026 von verstärkten Maßnahmen gegen irreführende Werbung in sozialen Medien. Hunderte Produkte mussten zurückgerufen werden – sie enthielten teilweise verbotene Substanzen wie Sibutramin.

Was wirklich hilft – und was nicht

Aktuelle Studien liefern differenzierte Ergebnisse:

Vitamin D: Eine Studie in JAMA Dermatology (Juli 2026) zeigt: Hochdosiertes Vitamin D (100.000 IE) linderte bei 87 Prozent der Patienten Hautreaktionen nach Krebstherapien. Eine Selbstmedikation in dieser Größenordnung? Ausdrücklich abgelehnt.

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B-Vitamine: Fachleute raten: B-Komplex ist oft unnötig. Gezielte Supplementierung von B12 oder Folat nur bei nachgewiesenem Mangel im Labor.

Selen: Die NutriNAIL-Studie aus Fulda (Juli 2026) mit 184 Teilnehmern bestätigt: Selen-Präparate erhöhen die Werte messbar. Veganer wiesen tendenziell niedrigere Selenwerte auf.

Joghurt: Eine japanische Studie in der Fachzeitschrift Aging (Juli 2026) untersuchte übergewichtige Männer: Täglicher Naturjoghurt-Konsum in Kombination mit Bewegung verlangsamte das biologische Altern geringfügig.

Die Botschaft der Experten ist klar: Supplemente können helfen – aber gezielt und nach Laborcheck. Die beste Prävention bleibt: weniger hochverarbeitete Lebensmittel, mehr ausgewogene Ernährung. Kein Pulver der Welt ersetzt das.

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