Ultrahochverarbeitete, Lebensmittel

Ultrahochverarbeitete Lebensmittel: +31% Risiko für Verdauungskrankheiten

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von 51 Kohortenstudien verknüpft viel UPF mit höheren Risiken, betont aber geringe Evidenz und fehlende Kausalitätsnachweise.

Meta-Analyse: UPF-Konsum steht mit mehreren Gesundheitsrisiken in Verbindung
Eine Nahaufnahme von frischem, unverarbeitetem Gemüse und Getreide auf einem Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine umfassende Meta-Analyse in der Fachzeitschrift Family Medicine and Community Health liefert detaillierte Einblicke in die gesundheitlichen Auswirkungen von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF).

Die Untersuchung von Liu et al., die bis April 2026 veröffentlichte Forschungsdaten berücksichtigt, wertete insgesamt 51 prospektive Kohortenstudien mit mehr als 8,8 Millionen Teilnehmern aus. Die Probanden im Alter zwischen 23 und 77 Jahren wurden über Zeiträume von 2 bis 32 Jahren beobachtet, wobei Daten aus Amerika, Europa, Asien und Ozeanien einflossen.

Korrelation mit chronischen Erkrankungen und Sterblichkeit

Die Auswertungen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum hochverarbeiteter Produkte und verschiedenen chronischen Leiden. Im Vergleich zwischen den Gruppen mit dem jeweils höchsten und dem geringsten Konsum ergaben die gepoolten Analysen ein um 24 % gesteigertes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.

Das Risiko für Adipositas und Übergewicht lag um 23 % höher, während metabolische Syndrome sowie Diabetes ebenfalls eine Steigerung von 24 % aufwiesen.

Besonders prägnant erwiesen sich die Befunde im Bereich der psychischen Gesundheit und des Verdauungssystems. Hier beobachteten die Forscher bei starkem Konsum ein um 27 % höheres Risiko für Depressionen und Angstzustände. Verdauungskrankheiten traten um 31 % häufiger auf.

Zudem wurde ein Anstieg des Krebsrisikos um 12 % sowie eine um 18 % erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen vorzeitigen Tod jeglicher Ursache festgestellt. Das Risiko für Bluthochdruck lag in der Gruppe mit dem höchsten Verzehr um 11 % über dem der Vergleichsgruppe.

Quantitative Auswirkungen und Konsummuster

Die Studie quantifizierte zudem die Effekte einer schrittweisen Erhöhung des Verzehrs. Pro zusätzliche 100 Gramm UPF am Tag stieg das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 14 %, für Krebserkrankungen um 4 % und für einen vorzeitigen Tod um 3 %.

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Bei metabolischen Syndromen und Diabetes wurde pro 100 Gramm täglicher Zusatzmenge ein Anstieg von 2 % verzeichnet. Eine Erhöhung des UPF-Anteils an der Energiezufuhr um 10 % korrelierte mit einem um 16 % höheren Risiko für das metabolische Syndrom oder Diabetes.

Diese Erkenntnisse sind vor dem Hintergrund globaler Ernährungsgewohnheiten von hoher Relevanz. Laut Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC leiden über 100 Millionen Amerikaner an Adipositas, wobei mehr als 22 Millionen von schwerer Adipositas betroffen sind.

Der durchschnittliche US-Bürger beziehe demnach über die Hälfte seiner Kalorien aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. In Großbritannien mache dieser Anteil bei Erwachsenen etwa 54 % aus, bei Kindern 64 % und bei Teenagern sogar 68 %.

Methodische Einschränkungen und wissenschaftliche Kritik

Trotz der breiten Datenbasis äußerten Experten methodische Bedenken bezüglich der Kausalität. Dr. Adam Jacobs von Ergomed wies darauf hin, dass nur 19 der 51 analysierten Studien ökonomische Faktoren berücksichtigten.

Zudem weise lediglich das Ergebnis zu Adipositas und Übergewicht eine moderate Sicherheit nach dem GRADE-System auf; die übrigen Hauptergebnisse seien mit niedriger oder sehr niedriger Sicherheit eingestuft worden. Auch ein möglicher Publikationsbias sei in der Meta-Analyse nicht geprüft worden.

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Prof. Gunter Kuhnle von der University of Reading kritisierte zudem die teilweise uneindeutige Definition von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln, die etwa keinen Unterschied zwischen handwerklich hergestelltem und industriellem Brot mache. Er betonte, dass kontrollierte Studien andeuten würden, dass die Adhärenz zu allgemeinen Ernährungsempfehlungen wichtiger sei als der reine Verarbeitungsgrad.

Eine direkte Kausalität lasse sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Dr. Xiao Liu von der Sun Yat-sen University hob hingegen hervor, dass der Ersatz von hochverarbeiteten Produkten durch minimal verarbeitete Alternativen einen wesentlichen Beitrag zur Prävention leisten könne.

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