UniCredit, Kryptoverwahrung

UniCredit plant Kryptoverwahrung: Großbank evaluiert Custody und Brokerage

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UniCredit sondiert Partner für Krypto-Verwahrung, Brokerage und Tokenisierung. Eine Entscheidung sowie regulatorische Freigaben stehen noch aus.

UniCredit prüft Einstieg in Krypto-Verwahrung und Brokerage
Architektonische Ansicht einer historischen Bankfassade bei Dämmerung in Mailand. Illustration mit AI erstellt.

Die italienische Großbank UniCredit evaluiert derzeit eine signifikante Erweiterung ihres Portfolios im Bereich digitaler Vermögenswerte. Wie aus Marktkreisen laut Berichten vom 11. September 2026 hervorgeht, prüft das Institut den Einstieg in die Krypto-Verwahrung (Custody) sowie in Brokerage-Dienstleistungen. Das Vorhaben befinde sich demnach noch in einer frühen Phase, wobei eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung bislang nicht getroffen wurde.

Sondierung von Technologiepartnern und Geschäftsfeldern

Im Rahmen der strategischen Überlegungen läuft derzeit die Auswahl eines geeigneten Technologieanbieters. UniCredit suche gezielt nach Partnern für den Handel mit digitalen Vermögenswerten sowie für deren Verwahrung und Tokenisierung. Die erwogenen Geschäftsbereiche umfassen neben Krypto-Custody und Brokerage auch tokenisierte Investments, festverzinsliche Wertpapiere (Fixed Income) und Stablecoins.

UniCredit verwaltet ein Vermögen von über 900 Milliarden Euro und betreut rund 15 Millionen Kunden in 13 Ländern. Konkrete Angaben zu potenziellen Anbietern, dem veranschlagten Budget oder einem verbindlichen Zeitplan für den Rollout liegen derzeit nicht vor. Zudem stehen notwendige regulatorische Genehmigungen für die Ausweitung der Dienste noch aus.

Regulatorische Anforderungen nach MiCA-Standard

Ein möglicher Start dieser Dienstleistungen unterliegt den Vorgaben der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Gemäß Artikel 60 Absatz 1 des Regelwerks sind Kreditinstitute verpflichtet, beabsichtigte Serviceleistungen im Krypto-Bereich mindestens 40 Arbeitstage vor dem geplanten Beginn zu melden.

Darauf folgt laut Artikel 60 Absatz 8 eine Vollständigkeitsprüfung der Unterlagen durch die Aufsichtsbehörden innerhalb von 20 Arbeitstagen. Bislang ist eine entsprechende Notifizierung seitens der UniCredit nicht öffentlich belegt.

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Vorherige Aktivitäten im Bereich digitaler Assets

Die aktuellen Pläne fügen sich in eine Reihe von Vorstößen der Bank in den Sektor der Digital Assets ein. Im Juli 2025 legte UniCredit als erstes Institut in Italien ein strukturiertes Produkt auf den BlackRock IBIT für professionelle Kunden auf. Das in US-Dollar denominierte Papier hat eine Laufzeit von fünf Jahren, bietet einen Kapitalschutz und verfügt über ein Rendite-Cap von 85 Prozent bei einer Mindestanlage von 25.000 US-Dollar.

Bereits im Dezember 2025 begleitete die Bank die Emission des ersten tokenisierten Minibonds in Italien. Dabei wurde ein Volumen von 5 Millionen Euro für das Unternehmen E4 Computer Engineering auf der Polygon-Blockchain abgewickelt. Im April 2026 investierte UniCredit zudem 4 Millionen Euro für eine Beteiligung von rund 16 Prozent an dem Unternehmen BlockInvest.

Zuletzt wurde am 8. September 2026 bekannt, dass die Bank eine Minderheitsbeteiligung an VC Trade erworben hat. Das Unternehmen agiert im deutschen Markt für digitale Kredite, der ein Volumen von über 90 Milliarden Euro und mehr als 600 Transaktionen umfasst.

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Wettbewerbsumfeld und europäische Bankenstrategien

Mit dem Vorhaben folgt UniCredit einem allgemeinen Branchentrend. Marktforscher beobachten bei europäischen Instituten derzeit Strategien in drei Hauptfeldern: Tokenisierung, Zahlungsverkehr und Verwahrung. Während Häuser wie BNP Paribas, die Société Générale und die Deutsche Bank verstärkt auf Tokenisierung setzen, konzentrieren sich andere Institute wie Santander, die Commerzbank oder die DZ Bank auf Custody- und Brokerage-Lösungen.

Im Bereich der Zahlungsdienste planen zudem 37 Banken aus 15 Ländern im Rahmen der Initiative Qivalis einen Euro-Stablecoin, der im Verhältnis 1:1 besichert und MiCA-konform sein soll. Der Start dieses auf Ethereum basierenden Projekts ist für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen.

Auch internationale Akteure verstärken ihre Präsenz: So nahm BNY den USDC als ersten Stablecoin in ihre institutionelle Plattform für digitale Verwahrung auf, während Standard Chartered Anfang September 2026 den Spot-Handel für Bitcoin und Ether für institutionelle Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten startete. Zudem kündigten Institute wie die Bank Leumi in Kooperation mit Galaxy Digital den Beginn ihres Krypto-Handels für Anfang 2027 an.

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