Uniklinik, Freiburg

Uniklinik Freiburg: Kostenloses Coaching halbiert starke Belastung bei Lehrkräften

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Freiburger Daten verbinden Konflikte im Schulalltag mit schlechterer Lehrkräftegesundheit; ein Coachingprogramm halbierte den Anteil stark Belasteter.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Schulflur mit langen Schatten auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Beziehungskonflikte an Schulen stellen ein erhebliches Risiko für die psychische Gesundheit des Lehrpersonals dar. Wie eine Untersuchung der Uniklinik Freiburg zeigt, sieht sich ein beträchtlicher Teil der Lehrkräfte regelmäßigen Konfrontationen mit Eltern sowie Beleidigungen durch Schüler ausgesetzt.

Die Erhebung verdeutlicht zugleich, welche Faktoren das Wohlbefinden im Schulalltag beeinflussen und welche Unterstützungsangebote wirksam ansetzen können.

Häufige Konfrontationen mit Eltern und Schülern

Nach den Erhebungen der Uniklinik Freiburg erlebte jede dritte Lehrkraft innerhalb eines Jahres schwere Vorwürfe von Eltern. Zudem berichtete jede vierte befragte Person von Beleidigungen durch Schülerinnen und Schüler.

Die Untersuchung basiert auf Angaben von 4.755 Lehrern in Baden-Württemberg aus den Schuljahren 2012/13 und 2024/25. Die Autoren weisen darauf hin, dass die zugrunde liegende Studie nicht repräsentativ ist, gleichwohl liefert sie detaillierte Einblicke in die psychosoziale Belastung des Berufsfeldes.

Die Auswertungen zeigen einen klaren Zusammenhang auf: Beziehungskonflikte im Schulalltag gehen mit einer schlechteren psychischen Gesundheit der Lehrkräfte einher. Zwar erweist sich soziale Unterstützung durch das Kollegium sowie durch die Schulleitung als hilfreich, sie reicht jedoch allein nicht aus, um die Belastungen vollständig abzufedern.

Gezielte Interventionen und Auswirkungen auf die Schüler

Als wirksame Entlastungsmöglichkeit erwies sich ein kostenloses Coachingprogramm der Uniklinik Freiburg. Durch diese Maßnahme konnte der Anteil gesundheitlich stark belasteter Teilnehmer im weiteren Verlauf halbiert werden.

Welche Relevanz die psychische Verfassung des Lehrpersonals für das gesamte Unterrichtsumfeld hat, belegt auch eine Meta-Analyse über 186 Studien mit mehr als 350.000 Lehrkräften. Diese zeigt, dass ein besseres Wohlbefinden der Lehrkräfte mit etwas motivierteren Schülern und leicht besseren schulischen Ergebnissen einhergeht.

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Umgekehrt führt ein stärkeres Stresserleben oder ein Burnout des Personals zu etwas ungünstigeren Ergebnissen. Obwohl dieser Zusammenhang über viele Untersuchungen hinweg konsistent bleibt, fällt er insgesamt klein aus.

Zudem stützt sich die Meta-Analyse überwiegend auf korrelative Studien, womit keine direkte Ursache-Wirkung-Ableitung möglich ist. Das positive Wohlbefinden ist dabei stärker mit den Schülerergebnissen verknüpft als die psychischen Belastungen.

Während der Zusammenhang an weiterführenden Schulen stärker ausgeprägt ist als an Grundschulen, zeigt sich beim Stress- und Burnouterleben kein signifikanter Unterschied zwischen den Schularten. Die Autoren der Meta-Analyse plädieren vor diesem Hintergrund für verstärkte Interventions- und Längsschnittforschung.

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Psychische Belastungen im Jugendalter

Die Spannungen an den Schulen treffen auf ein Umfeld, in dem auch Schülerinnen und Schüler unter Druck stehen. In einer soziologischen Enquête namens ENTRAVES, die auf 200 Interviews und 7.000 repräsentativen Fragebögen unter Jugendlichen an allgemeinbildenden und technologischen Gymnasien in Paris sowie Centre-Val de Loire basiert, verfügten nach dem Indikator der Weltgesundheitsorganisation 59,7 Prozent der Schüler über kein gutes psychisches Wohlbefinden.

Bei den Schülerinnen lag der Wert bei 67,4 Prozent, bei den Schülern bei 50,9 Prozent. Unter jenen, die sich sehr oft überfordert fühlten, wiesen 84,2 Prozent kein gutes Wohlbefinden auf.

Zudem belegte die achte Befragungsrunde der COPSY-Studie des UKE aus dem Herbst 2025 die anhaltende Belastung junger Menschen in Deutschland. Demnach wiesen 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine geringe gesundheitsbezogene Lebensqualität auf, 23 Prozent zeigten allgemeine psychische Probleme, 25 Prozent Angstsymptome und 18 Prozent litten unter Einsamkeit.

Die Werte lagen damit weiterhin leicht über dem Vor-Pandemie-Niveau, während depressive Symptome mit 15 Prozent unverändert blieben. Ein signifikanter Anstieg von Angst- und depressiven Symptomen zwischen 2024 und 2025 betraf ausschließlich Mädchen ab 14 Jahren.

Als Sorgen nannten 70 Prozent Kriege, 62 Prozent Terrorismus und 57 Prozent wirtschaftliche Probleme. Gute persönliche, familiäre und soziale Ressourcen stärken die psychische Gesundheit Jugendlicher in diesem fordernden Kontext deutlich.

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