UNISOC-Modem: Exploit über Videoanruf gefährdet Millionen Smartphones
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 22:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten von SSD Secure Disclosure haben eine zweistufige Exploit-Kette für die Modem-Firmware des Chipherstellers UNISOC veröffentlicht. Die Schwachstelle erlaubt es Angreifern, über einen manipulierten VoLTE-Videoanruf tiefgreifenden Zugriff auf den Android-Kernel betroffener Geräte zu erhalten. Da bislang kein Patch des Herstellers vorliegt, sind potenziell Millionen von Smartphones weltweit gefährdet.
Technische Details der Exploit-Kette
Die von SSD Secure Disclosure dokumentierte Angriffsmethode besteht aus zwei Phasen. Die erste Stufe basiert auf einer bereits im März 2026 entdeckten Schwachstelle zur Fernausführung von Code (Remote Code Execution, RCE). Die nun am 17.08.2026 veröffentlichte zweite Stufe umfasst eine lokale Ausweitung von Zugriffsrechten (Local Privilege Escalation).
Technischer Hintergrund der als CWE-1189 klassifizierten Schwachstelle ist eine mangelhafte Isolation zwischen dem Speicher des Modems und dem Systemkern (Kernel). Einem Angreifer, dem bereits die Codeausführung auf der Modem-Ebene gelungen ist, wird es dadurch ermöglicht, die Memory Protection Unit (MPU) zu deaktivieren.
In der Folge könne der gesamte physische Speicher, einschließlich des Android-Kernels, gelesen und beschrieben werden. Bisher wurde der Schwachstelle keine spezifische CVE-Kennung zugewiesen.
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Angriff
Ein Angriff setzt laut den Sicherheitsforschern spezifische Bedingungen voraus. Demnach muss ein Angreifer über ein kontrolliertes 4G-Netzwerk verfügen, um manipulierte VoLTE-Signalisierungen an das Zielgerät zu senden. Zudem sei eine Interaktion des Nutzers erforderlich, da der eingehende Videoanruf auf dem Endgerät angenommen werden muss.
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Die Sicherheitsforscher konnten den Proof-of-Concept des Exploits bereits auf mehreren Geräten erfolgreich demonstrieren. Dazu gehörten unter anderem ein Realme C33 mit einem Sicherheits-Patch-Stand von Juli 2025, ein Xiaomi Redmi A5 mit dem Patch-Stand vom 2026-01-01 sowie ein Motorola E13, dessen letzter Sicherheits-Patch vom 2025-02-01 stammte.
Betroffene Chipsätze und Marktbedeutung
Die Schwachstelle betrifft nach vorliegenden Informationen eine Reihe weit verbreiteter UNISOC-Chipsätze, darunter die Modelle T606, T612, T616 und T7250. Diese Prozessoren finden sich in zahlreichen Einstiegs- und Mittelklasse-Smartphones bekannter Hersteller.
Die Tragweite der Entdeckung wird durch die Marktstellung des Unternehmens unterstrichen. UNISOC hielt im ersten Quartal 2026 nach eigenen Angaben einen Anteil von 14 % am globalen Markt für Smartphone-Chips. Damit könnten Millionen von Android-basierten Geräten weltweit von der Sicherheitslücke betroffen sein.
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Bisher keine Reaktion des Herstellers
Trotz der Schwere der Sicherheitslücke gibt es derzeit keine offizielle Lösung. SSD Secure Disclosure gab an, UNISOC kontaktiert zu haben, jedoch keine Antwort von dem Unternehmen erhalten zu haben. Ein entsprechender Patch des Herstellers steht bislang aus.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Android-Sicherheitsbulletin für August 2026 die Problematik nicht adressiert. Nutzer der betroffenen Geräte bleiben somit vorerst ohne Schutz gegen diese spezifische Exploit-Kette.
