Unitree Robotics: Chinesischer Robotik-IPO bricht Zulassungsrekord
Veröffentlicht: 04.07.2026 um 23:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der chinesische Robotik-Pionier Unitree Robotics hat die Zulassung für seinen Börsengang an der STAR-Market der Shanghaier Börse erhalten. Die Genehmigung durch die chinesische Wertpapieraufsicht kam am Freitag – nur 104 Tage nach Einreichung des Antrags. Das Unternehmen will umgerechnet rund 618 Millionen Euro einsammeln.
Rekordverdächtiges Tempo beim Börsengang
Mit der Zulassung am STAR Market, Chinas Antwort auf die US-Technologiebörse Nasdaq, stellt Unitree einen Rekord auf: Kein Unternehmen hat jemals schneller die Registrierung für diesen Handelsplatz durchlaufen. Die Einnahmen sollen in die Entwicklung von Embodied AI fließen, also künstlicher Intelligenz, die in physischen Robotern steckt. Zudem plant Unitree, die Produktionskapazitäten für humanoide Roboter auszubauen und neue „Roboter-Gehirne" sowie Hardware-Linien zu erforschen.
Die Finanzzahlen des Unternehmens sprechen eine deutliche Sprache. 2025 erzielte Unitree einen Umsatz von umgerechnet rund 251 Millionen Euro – ein Anstieg um 335 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn erreichte etwa 88 Millionen Euro, die Gewinnmarge liegt bei beachtlichen 35,13 Prozent.
Vom Vierbeiner zum Zweibeiner
Besonders bemerkenswert ist der Wandel im Geschäftsmodell. Unitree wurde weltweit bekannt durch seine vierbeinigen Laufroboter, doch humanoide Roboter machen inzwischen 51,78 Prozent des Umsatzes aus – 2023 waren es gerade einmal 1,88 Prozent. Insgesamt lieferte das Unternehmen 2025 rund 5.511 humanoide Einheiten aus und sicherte sich damit einen Weltmarktanteil von 32,4 Prozent.
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Der GD01: Ein Mecha für Millionen
Im Mai dieses Jahres präsentierte Unitree den GD01 – einen fahrbaren Roboter, der sich in einen zweibeinigen Laufmechanismus verwandeln kann. Das Unternehmen bezeichnet ihn als den ersten seriengefertigten, bemannten Transformationsroboter der Welt. Der Preis: umgerechnet rund 574.000 Euro.
Das rund 500 Kilogramm schwere Gefährt kann zwischen aufrechtem zweibeinigen Gehen und kriechender Fortbewegung auf vier Beinen wechseln. Gründer Wang Xingxing führte persönlich vor, wie der GD01 unwegsames Gelände überwindet. Einsatzmöglichkeiten sieht Unitree in Kultur-Tourismusattraktionen, Wissenschafts- und Technologiemuseen sowie in speziellen Industrie- oder Rettungseinsätzen.
Chinesische Dominanz in der Robotik
Unitrees Erfolg steht exemplarisch für den Aufstieg der chinesischen Robotikindustrie. 2025 kamen rund 85 Prozent aller humanoiden Roboter aus chinesischer Produktion, die heimischen Auslieferungen erreichten 14.400 Einheiten. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich diese Zahl bis Ende 2026 auf 28.000 bis 50.000 Einheiten mehr als verdoppeln könnte.
Während der GD01 die absolute Luxusklasse bedient, zielt Unitree mit erschwinglicheren Modellen auf den Massenmarkt. Der G1-Humanoid, dessen Materialkosten bei umgerechnet rund 8.200 Euro liegen, absolvierte kürzlich Gepäcktransport-Tests am Flughafen Tokio-Haneda. Noch günstiger ist der R1 AIR: Mit 1,22 Metern Körpergröße und 20 Freiheitsgraden kostet er umgerechnet rund 4.500 Euro.
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Investorenwettlauf um Robotik-Aktien
Die gesamte Branche erlebt einen Investitionsboom. Allein in der ersten Jahreshälfte 2026 gab es in China 14 Finanzierungsrunden mit jeweils über 147 Millionen Euro. Konkurrenten wie Agibot und Astribot werden inzwischen mit über 2,9 Milliarden Euro bewertet. Ein großer Energieversorger platzierte kürzlich einen Beschaffungsauftrag über Robotik-Ausrüstung im Wert von umgerechnet rund eine Milliarde Euro.
Die Nachfrage kommt vor allem aus der Staatsenergie- und Automobilindustrie – Sektoren, in denen China massiv auf Automatisierung setzt. Für Anleger stellt sich nun die Frage: Ist Unitree der nächste große Wurf am STAR Market oder droht eine Überhitzung?
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