Universität Tsukuba: Heimtraining verbessert Koordination, nicht das Gleichgewicht
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 01:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn einer im September 2026 im Fachjournal BMC Pediatrics veröffentlichten Pilotstudie untersuchte die Universität Tsukuba die Effekte eines 24-wöchigen, videogestützten Heimtrainings für Augenbewegungen bei Schulkindern. Die Untersuchung in Tsukuba City ging der Frage nach, inwieweit regelmäßige visuelle Übungen funktionelle Fähigkeiten im Schulalter beeinflussen können.
Methodik und Durchführung des Bewegungsprogramms
An der Untersuchung der Universität Tsukuba nahmen anfänglich 30 Kinder mit einem Durchschnittsalter von zehn Jahren teil, von denen 28 das Programm vollständig beendeten. Das Interventionsprogramm umfasste Übungen zu Sakkaden – schnellen Blicksprüngen –, kontinuierlichen Folgebewegungen (Smooth Pursuit) sowie dem vestibulo-okulären Reflex zur Abstimmung von Kopf- und Augenbewegungen.
Die Therapietreue der Teilnehmenden wurde objektiv über das SUKUBARA-Fernüberwachungssystem anhand der erfassten Video-Sehzeit kontrolliert. Dabei absolvierten die Kinder durchschnittlich 4,6 Trainingseinheiten pro Woche zu Hause.
Ergebnisse und methodische Limitationen
Die Auswertung der Sekundäroutcomes ergab Verbesserungen bei der Auge-Hand-Koordination sowie beim Erkennen sich horizontal bewegender Ziffern. Hinsichtlich der Auge-Hand-Koordination zeigte sich zudem die Tendenz zu ausgeprägteren Fortschritten bei einer höheren Trainingsfrequenz.
Beim primären Studienziel zeigten sich jedoch Einschränkungen: Bei der über den Index of Postural Stability gemessenen Gleichgewichtsfähigkeit ließ sich keine statistisch signifikante Verbesserung feststellen. Zwar verbesserte sich das Halten des Einbeinstands mit geschlossenen Augen, die weiteren Messwerte zum Gleichgewicht blieben jedoch gemischt.
Die Universität Tsukuba ordnete die Befunde als vorläufig ein. Da die Untersuchung ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde, ist die Wirksamkeit des Trainings nicht abschließend belegt.
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Als alternative Erklärungen für die gemessenen Veränderungen gelten neben der regulären kindlichen Entwicklung auch Lerneffekte durch die Vertrautheit mit den Testverfahren. Zudem lasse die bloße Erfassung der Videowiedergabe keine verlässlichen Rückschlüsse darauf zu, ob die Übungen von den Kindern tatsächlich korrekt ausgeführt wurden.
Einordnung durch Fachgesellschaften und Studienlage
Die Debatte über den Nutzen visueller Trainingsprogramme reicht über funktionelle Bewegungsübungen hinaus. Bezüglich der optischen Sehleistung betont die AOK, dass keine wissenschaftlichen Belege dafür vorliegen, dass Augentraining das Sehvermögen verbessert.
Auch eine Meta-Analyse chinesischer Forscher im Fachjournal Eye ergab für Augenübungen lediglich eine begrenzte bis gar keine Wirksamkeit bei der Vorbeugung oder Verlangsamung fortschreitender Kurzsichtigkeit.
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Eine Auswertung aus dem Jahr 2025 im Fachblatt Nutrients verdeutlichte zudem, dass strukturelle Veränderungen des Auges weder durch Karotten-Inhaltsstoffe noch durch Nahrungsergänzungsmittel rückgängig gemacht werden können. Ebenso modifizieren operative Lasereingriffe lediglich die Brechkraft der Hornhaut, verkürzen den Augapfel jedoch nicht.
Nach Angaben der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) weist das ausgewachsene Auge im Schnitt eine Länge von rund 24 Millimetern auf. Aktuell sind rund 30 Prozent der Menschen in Europa und den USA kurzsichtig.
Bis zum Jahr 2030 prognostiziert die ÖOG einen Anstieg auf 50 Prozent aller Kinder; in vielen asiatischen Ländern liege dieser Anteil bereits bei über 80 Prozent. Als präventive Maßnahme empfiehlt die Fachgesellschaft Eltern daher, Kinder zu einem täglichen Aufenthalt von möglichst zwei Stunden im Freien zu motivieren, um dem Risiko einer Myopieentwicklung entgegenzuwirken.
