Unkontrollierte, KI-Nutzung

Unkontrollierte KI-Nutzung: Klausurnoten sinken nach sechs Monaten um 20 Prozent

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen verbinden freien KI-Einsatz mit schwächeren Prüfungsleistungen; Unternehmen setzen zugleich auf digitale Fähigkeiten und solides Fachwissen.

KI an Schulen: Studien zeigen Lernverluste bei unkontrollierter Nutzung
Ein leerer Klassenraum mit Holztischen und Stühlen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen deutliche Lerndefizite bei Schülerinnen und Schülern durch eine unkontrollierte Nutzung künstlicher Intelligenz.

Während digitale Werkzeuge bei der Bewältigung von Routineaufgaben kurzfristig für Entlastung sorgen, zeigen Langzeitbeobachtungen signante Einbußen bei eigenständigen Prüfungsleistungen. Gleichzeitig betonen Unternehmen und Wirtschaftsverbände, dass technologische Anwenderkenntnisse ein fundiertes fachliches Basiswissen nicht ersetzen können.

Deutliche Leistungseinbußen bei freiem Werkzeugeinsatz

Die Auswirkungen eines unregulierten Zugangs zu KI-Systemen verdeutlicht eine über zwei Jahre angelegte Untersuchung in China mit mehr als 26.000 Schülern der Klassen 7 bis 12. Bei den Hausaufgaben verbesserten sich die Noten zunächst um 18 Prozent, während die Bearbeitungszeit um 30 Prozent sank.

Bei eigenständig absolvierten Leistungstests kehrte sich dieser Effekt jedoch um: Nach sechs Monaten verschlechterten sich die monatlichen Klausurnoten um 20 Prozent, bei Aufnahmeprüfungen lag der Rückgang zwischen 18 und 24 Prozent.

Der volle negative Effekt stellte sich nach rund zwei Jahren ein. Betroffen waren Fächer wie Sozialwissenschaften, MINT und Sprachen, wobei die Verluste bei jüngeren, zuvor leistungsstarken Schülern sowie bei Jungen am stärksten ausfielen.

Internationale Vergleichsdaten stützen diesen Befund. Eine US-Studie mit fast 2.400 Studierenden zeigte, dass der Zugang zu einem KI-Tutor zu schlechteren Abschlussnoten führte. In einem Experiment in der Türkei erzielten Lernende mit ungeschütztem KI-Einsatz bei späteren Aufgaben ohne Hilfsmittel um 17 Prozent schlechtere Resultate.

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Forscher heben hervor, dass KI als Tutor mit festen Regeln gezielt eingesetzt werden könne, ein unkontrollierter Gebrauch jedoch zu messbaren Lernverlusten führe. Auch der japanische Sprach- und Hirnforscher Kuniyoshi Sakai warnte vor einem Verlust des eigenständigen Denkens infolge des Einsatzes von KI und digitalen Schulbüchern.

Ablenkung im Unterricht und veränderte Lernbedingungen

Neben methodischen Fehlern im Lernprozess erweisen sich digitale Endgeräte im Unterricht als Belastungsfaktor. Im Rahmen der PISA-Erhebungen, für die in Deutschland 6.659 Schüler an 246 Schulen getestet wurden und bei denen das Land schlechtere Ergebnisse als je zuvor verzeichnete, wurden erstmals systematisch digitale Ressourcen erfasst.

Die Hälfte aller befragten Jugendlichen gab an, mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots für Lernzwecke zu nutzen. Zugleich berichteten 33 Prozent der Schüler von häufigen Ablenkungen durch digitale Geräte im naturwissenschaftlichen Unterricht; diese Gruppe erzielte geringere Punktzahlen.

Ein Verbot von Smartphones auf dem Schulgelände verringert diese Ablenkungswahrscheinlichkeit messbar. Vor diesem Hintergrund führten beispielsweise das Börde-Berufskolleg und die Hannah-Arendt-Gesamtschule in Soest sogenannte Handyhotels ein, um die Gerätenutzung zu regulieren, ohne gänzlich auf digitale Hilfsmittel zu verzichten.

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Wirtschaft mahnt Vermittlung solider Basiskompetenzen an

Die festgestellten Lernlücken schlagen zunehmend auf die berufliche Bildung durch. Wolf-Dieter Bauer, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Prüfung der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, bezeichnete die Defizite laut einem Bericht vom 13. Oktober 2026 als immense Hürde für die duale Ausbildung.

Betrieben fehlten bei vielen Jugendlichen elementare Rechenkenntnisse, mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen sowie Kenntnisse in Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und wirtschaftlichen Grundlagen.

Zugleich bereiten Unternehmen Nachwuchskräfte strukturiert auf den Umgang mit digitalen Werkzeugen vor. Siemens hat KI-Kompetenzen in allen Ausbildungsberufen verankert, wie aus einem Bericht vom 13. Oktober 2026 hervorgeht. Mechatroniker lernen dort den Umgang mit KI-Werkzeugen für Analyse, Fehlersuche und Problemlösung, während Fachinformatiker Systeme zur Softwareentwicklung einsetzen.

Der Kompetenzaufbau folgt dabei einem vierstufigen Prozess aus Verstehen, Anwenden, Orchestrieren und eigenständigem Gestalten, ergänzt durch die didaktischen Prinzipien Anforderung, Komplexität und Verknüpfung sowie den Einsatz eines KI-Tutors auf einer Lernplattform. Der Ansatz unterstreicht, dass der produktive Einsatz von Algorithmen ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Materie voraussetzt.

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