Untergewicht, Knochen

Untergewicht und Knochen: Warum starker Gewichtsverlust Osteoporose begünstigt

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anhaltendes Untergewicht und wiederholte Diäten können Knochen und Muskeln schwächen; Fachleute empfehlen Nährstoffe und gezieltes Training.
Detailaufnahme einer gesunden Knochenstruktur mit sichtbarer trabekulärer Textur bei natürlichem Licht Illustration mit AI erstellt.

Ein ausgeprägter Gewichtsverlust und anhaltendes Untergewicht können die Knochengesundheit nachhaltig schädigen und das Entstehen von Osteoporose begünstigen. Auf diese Zusammenhänge wies Prof. Ahn Seong-hee von der Abteilung für Endokrinologie am Ewha Womans University Mokdong Hospital am 27. Oktober 2026 hin. Insbesondere bei jungen Frauen berge ein starkes Absinken des Körpergewichts erhebliche Risiken für den Stützapparat.

Ursachen für den Knochenabbau bei Untergewicht

Nach Angaben von Prof. Ahn Seong-hee führt langanhaltendes Untergewicht über mehrere Mechanismen zu einer reduzierten Knochendichte. Neben dem Mangel an mechanischen Belastungsreizen, die den Knochenaufbau stimulieren, spielen Nährstoffdefizite und hormonelle Veränderungen eine entscheidende Rolle.

Bleibt infolge des Gewichtsverlusts die Menstruation aus, sinkt der Östrogenspiegel im Körper, was den Abbau der Knochensubstanz beschleunigt. Eine niedrige Knochendichte dürfe bei jüngeren Frauen daher keinesfalls mit dem Verweis auf das Alter abgetan werden.

Der Zustand des Skeletts hänge maßgeblich vom Körpergewicht, der Ernährung, dem Hormonstatus, dem Ausmaß an Bewegung sowie eventuellen Grunderkrankungen ab.

Die Spitzenknochenmasse wird bei Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr erreicht. Während der Wachstums- und Jugendphase baut der Körper Knochenmasse auf, die ab dem Erwachsenenalter sukzessive wieder abnimmt. Ab dem Übergang in die Menopause beschleunigt sich dieser Verlust durch das absinkende Östrogen weiter.

Diagnostische Kriterien und Warnsignale

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Für die Diagnose von Osteoporose gelten je nach Lebensphase unterschiedliche Schwellenwerte. Bei postmenopausalen Frauen liegt der Grenzwert bei einem T-Score von minus 2,5 oder darunter. Für prämenopausale Frauen gilt dagegen ein Z-Score von minus 2,0 oder darunter als Indikator für eine Knochendichte unterhalb der Alterserwartung.

Prof. Ahn Seong-hee empfiehlt eine gezielte Knochendichtemessung bei Vorliegen von Untergewicht, einer Amenorrhö, Knochenbrüchen nach nur leichten Stößen sowie bei einer langfristigen Einnahme von Steroiden.

Ein Fallbericht aus Hongkong verdeutlichte das Risiko auch außerhalb klassischer Patientengruppen: Ein 40-jähriger Büroangestellter mit Bewegungsmangel, Schlafmangel, einem Body-Mass-Index (BMI) von unter 18,5 und einem Konsum von täglich mehr als zwei Tassen starkem Tee oder Kaffee wies schweren Knochenverlust mit einem T-Score unter minus 2,5 auf.

Als Warnzeichen gelten unter anderem anhaltende Rückenschmerzen sowie ein Verlust an Körpergröße von 1 bis 2 Zentimetern innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Bei vorhandenen Risikofaktoren wie einem BMI unter 18,5, einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr, familiärer Vorbelastung oder Steroidmedikation wird ein Screening ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren geraten.

Experten des Peking-Union-Hospitals betonen, dass sowohl niedriges Gewicht als auch Adipositas das Sturz- und Knochenbruchrisiko erhöhen. In China zeigten Daten der Experten eine niedrige Knochenmasse bei 32,9 Prozent der Menschen zwischen 40 und 49 Jahren sowie bei 46,4 Prozent der Personen ab 50 Jahren.

Gefahren von Diäten und Muskelverlust

Die Folgen einer drastischen Kalorienreduktion betreffen nicht nur das Fettgewebe. Dr. Yamada Satoru vom Diabeteszentrum der Kitasato-Universität verwies am 26. Oktober 2026 auf Tierstudien an Rhesusaffen, in denen eine Kalorienrestriktion zwar Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen reduzierte, gleichzeitig jedoch zu einem Verlust von Muskel- und Knochenmasse führte.

Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung und der Universität Kopenhagen belegen, dass wiederholte Diäten bei Normalgewichtigen einen überproportionalen Verlust an Muskelmasse sowie ein Absinken des Ruheumsatzes nach sich ziehen. Rund 30 Prozent der Normalgewichtigen hätten demnach mindestens einmal im Leben eine Diät durchgeführt.

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Auch Maurizio Muscaritoli, Präsident der italienischen Fachgesellschaft SINUC, berichtete auf Basis einer Metaanalyse, dass bei einer Gewichtsreduktion durch GLP-1-Agonisten etwa 25 bis 39 Prozent des verlorenen Gewichts auf Magermasse entfallen; bei reinen Diäten liege dieser Anteil bei rund einem Viertel.

Doç. Dr. Muhammed Ra?id Aykota hob hervor, dass ein reiner Gewichtsverlust auf der Waage nicht zwingend gesund sei, da der Verlust von fettfreiem Gewebe gerade für ältere, mangelernährte oder inaktive Personen kritisch sei.

Empfehlungen für den Knochenerhalt

Zum Schutz der Knochengesundheit empfiehlt Prof. Ahn Seong-hee eine ausreichende Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Protein in Kombination mit gezieltem Kraft- und Belastungstraining. Nach Empfehlungen von Fachgesellschaften sollte die Zufuhr von Protein über den Tag verteilt erfolgen, ergänzt durch zwei bis drei Einheiten Widerstandstraining pro Woche.

Für gesunde erwachsene Frauen wird eine tägliche Proteinzufuhr von etwa 0,8 bis 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht genannt, während Rauchen, Mangelernährung und Anämie als zusätzliche Risikofaktoren für Knochen- und Muskelschwäche gelten.

Fachleute raten zudem zu einer Reduzierung des Salzkonsums auf maximal 5 Gramm täglich, einer Begrenzung von Koffein auf höchstens eine Tasse pro Tag und regelmäßigen Belastungsübungen an fünf Tagen in der Woche für jeweils 30 Minuten.

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