Unternehmensnachfolge, Erbschaftsteuer

Unternehmensnachfolge: Erbschaftsteuer springt um 60,8 Prozent

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beim Hessischen Familienunternehmer-Kongress standen Bürokratieabbau und digitale Verwaltung im Mittelpunkt. Steuerdaten zeigen wachsende Belastungen.

Familienunternehmen fordern Reformen für gelingende Nachfolge
Ein minimalistischer Büroarbeitsplatz mit einem Architekturmodell einer Fabrik und einem Notizbuch vor einem Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Gestaltung des Generationswechsels in mittelständischen Strukturen rückt zunehmend in das Zentrum wirtschaftspolitischer Debatten. Der 1. Hessische Familienunternehmer-Kongress, der am 29. August 2026 in Neu-Anspach mit rund 100 Teilnehmern stattfand, unterstreicht die Dringlichkeit, mit der Unternehmer Reformen bei den Rahmenbedingungen einfordern.

Im Fokus stehen dabei insbesondere der Abbau bürokratischer Hürden, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren sowie eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung, um die Bedingungen für Nachfolgeregelungen nachhaltig zu verbessern.

Politische Impulse und administrative Anforderungen

Vertreter der hessischen Landesregierung, darunter Minister Manfred Pentz und Digitalministerin Kristina Sinemus, betonten während des Kongresses die tragende Rolle des Mittelstands für die Stabilität der Wirtschaft. Die Forderungen der Unternehmerschaft zielen auf ein Umfeld ab, das den Übergang auf die nächste Generation nicht durch komplexe Verwaltungsprozesse erschwert.

Parallel dazu zeigen aktuelle Erhebungen von Marktforschern und Industrie- und Handelskammern, dass der demografische Wandel die Suche nach geeigneten Nachfolgern massiv erschwert.

Ein Berater der IHK wies in diesem Zusammenhang Ende August 2026 darauf hin, dass bei der Bewertung von Unternehmen zunehmend der Ertragswert gegenüber dem reinen Substanzwert an Bedeutung gewinnt. Um Unternehmer bei der Einschätzung zu unterstützen, stehen mittlerweile digitale Werkzeuge wie kostenlose Unternehmenswertrechner zur Verfügung.

Steuerliche Belastungen und rechtliche Fallstricke

Die Relevanz einer frühzeitigen Planung wird durch aktuelle Fiskaldaten verdeutlicht. Die Einnahmen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer erreichten im Jahr 2025 mit insgesamt 21,4 Milliarden Euro einen Rekordwert, was einer Steigerung von 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Davon entfielen 13,3 Milliarden Euro auf die Erbschaftsteuer und 8,1 Milliarden Euro auf Schenkungen. Besonders auffällig war der Zuwachs bei Großerwerben von mehr als 20 Millionen Euro, die um 146,8 Prozent anstiegen.

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Regionale Daten aus Baden-Württemberg für das Jahr 2025 untermauern diesen Trend. Dort wurden in 39.600 Fällen Steuern in Höhe von 2,7 Milliarden Euro festgesetzt, wobei mehr als die Hälfte des Aufkommens aus Großübertragungen von über 2,5 Millionen Euro stammte. Juristische Risiken bestehen zudem bei der Testamentsgestaltung.

Ein Beschluss des Oberlandesgerichts Brandenburg vom 10. Februar 2026 (Az. 3 W 14/23) stellte klar, dass ein gemeinschaftliches Testament nur dann wirksam ist, wenn der mitunterzeichnende Ehegatte den Text vor der Unterschrift tatsächlich gelesen hat. Eine Korrektur solcher Formfehler ist oft nur über langwierige Erbenfeststellungsklagen möglich.

Markttrends und aktuelle Transaktionsmodelle

In der Praxis zeigen sich unterschiedliche Wege der Nachfolge. Während eine IHK-Studie aus Ostwestfalen belegt, dass jedes dritte Unternehmen weiterhin eine Übergabe innerhalb der Familie anstrebt, gewinnen externe Lösungen an Gewicht.

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Ein prominentes Beispiel ist der Logistikkonzern Kühne + Nagel, bei dem Thomas Staehelin als Nachfolger von Klaus-Michael Kühne fungiert. Ein Managementprofessor warnte in diesem Kontext vor dem sogenannten „Similarity Bias“, der dazu führen kann, dass Nachfolger primär nach Ähnlichkeit zum Vorgänger statt nach künftigen Anforderungen ausgewählt werden.

Im Bereich der IT-Wirtschaft vollzog die Network Dimensions GmbH am 28. August 2026 den Verkauf an die SYSTABUILD Software Group. Gründer Günther Schwaiger bleibt demnach bis Sommer 2028 in der Geschäftsleitung, während Florian Thurner die Geschäftsführung übernimmt.

Auch im Finanzsektor ist eine Konsolidierung zu beobachten: Ein in München ansässiger Finanzdienstleister mit einem verwalteten Vermögen von 150 Millionen Euro sucht derzeit gezielt nach Übernahmen von Maklerbeständen, um den Übergang für langjährige Kunden sicherzustellen.

Zusätzlich erweitern Finanzdienstleister wie die Feri AG ihre Angebote für Family Offices, um Vermögens- und Governance-Strukturen enger mit institutioneller Beratung zu verzahnen. Ziel dieser Ansätze ist es, Familienunternehmen durch den Zugang zu spezialisierten Märkten und eine professionelle Aufstellung langfristig wettbewerbsfähig zu halten.

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