Urolithin A bei Herzinsuffizienz: MĂ€use zeigen bis zu 80 Prozent mehr Herzfunktion
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen am King's College London liefern neue Einblicke in potenzielle TherapieansÀtze bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF).
In einer im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Untersuchung verbesserte das Stoffwechselprodukt Urolithin A in experimentellen Modellen die Herzfunktion um bis zu 80 Prozent. Die Ergebnisse beruhen auf prĂ€klinischen Versuchen an mĂ€nnlichen MĂ€usen sowie an aus menschlichen Stammzellen gezĂŒchtetem Herzgewebe.
ZellulÀre Mechanismen im Labormodell
Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, wie Urolithin A strukturelle VerĂ€nderungen des Herzmuskels beeinflussen kann. Das Postbiotikum verbesserte in den experimentellen Versuchen die Relaxation des Gewebes, verringerte das AusmaĂ kardialer Fibrose und bremste die abnormale VergröĂerung von Herzmuskelzellen.
Als zentraler biochemischer Wirkmechanismus wurde die Aktivierung des Proteins PKGI? identifiziert, welches die GefĂ€Ăfunktion sowie die Erschlaffung des Herzmuskels maĂgeblich steuert.
Die beobachtete Funktionsverbesserung um bis zu 80 Prozent wurde ausschlieĂlich bei spezifischen Herzfunktionsmessungen in Tiermodellen erzielt und lĂ€sst sich nicht unmittelbar auf den Menschen ĂŒbertragen. Dr. Joseph Burgoyne vom King's College London verwies auf die wachsende Krankheitslast und den dringenden Bedarf an innovativen Behandlungsoptionen.
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Zwar seien klinische Studien fĂŒr Medikamente auf Basis von Urolithin A in Planung, fĂŒr eine therapeutische Wirksamkeit eines reinen Granatapfelkonsums bei Herzinsuffizienz gebe es jedoch keine wissenschaftliche Evidenz.
Auch Prof. James Leiper von der British Heart Foundation unterstrich, dass kein einzelnes Nahrungsmittel Herzkrankheiten eigenstĂ€ndig verhindern oder behandeln könne. Entsprechend ersetzen GranatĂ€pfel, WalnĂŒsse oder NahrungsergĂ€nzungsmittel keine etablierten Therapien.
Wachsende Belastung durch HFpEF
HFpEF stellt die Kardiologie vor erhebliche Herausforderungen. Die Erkrankung macht etwa die HĂ€lfte aller FĂ€lle von Herzinsuffizienz aus und betrifft rund 3 Millionen Menschen in den USA sowie 32 Millionen weltweit.
Da klassische Herzmedikamente bei dieser Form oft nur eingeschrĂ€nkt wirken und Risikofaktoren wie ein höheres Lebensalter, Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck zunehmen, wĂ€chst die Zahl der Betroffenen. FĂŒr die USA wird ein Anstieg von 6,7 Millionen FĂ€llen im Jahr 2024 auf 11,4 Millionen Betroffene im Jahr 2050 prognostiziert.
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Differenzierte Datenlage beim Menschen
Urolithin A entsteht im menschlichen Körper als Stoffwechselprodukt, wenn Darmbakterien sogenannte Ellagitannine aus Nahrungsmitteln wie GranatĂ€pfeln, Beeren oder NĂŒssen abbauen. Die Umwandlungsrate schwankt individuell stark; SchĂ€tzungen zufolge können lediglich rund 40 Prozent der Menschen die Substanz effizient bilden.
Auf zellulĂ€rer Ebene regt Urolithin A die Mitophagie an â den gezielten Abbau beschĂ€digter Zellkraftwerke. Es steigert die zellulĂ€re ATP-Produktion, kann die mitochondriale FettsĂ€ureoxidation erhöhen und weist entzĂŒndungshemmende sowie antioxidative Eigenschaften auf.
WĂ€hrend Labor- und Vorstudien die verbesserte mitochondriale Effizienz mit Kraftzuwachs und Ausdauer korrelieren, fallen klinische Endpunktdaten beim Menschen differenziert aus.
Eine randomisierte Studie mit 50 Erwachsenen mit Adipositas im Alter von 40 bis 64 Jahren (Body-Mass-Index ab 30), die am 9. Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Network Open erschien, untersuchte eine vierwöchige Gabe des Stoffes.
Von den 43 Teilnehmern, die das Protokoll abschlossen (74 Prozent davon Frauen), zeigte sich beim primĂ€ren Endpunkt â der brachialen flussvermittelten Dilatation als MaĂ fĂŒr die GefĂ€Ăfunktion â keine signifikante Verbesserung gegenĂŒber Placebo.
Zwar wiesen sekundĂ€re Messungen eine verĂ€nderte Sauerstoffantwort im Gehirn bei einer ArbeitsgedĂ€chtnisaufgabe auf, die kognitive Leistung stieg jedoch nicht messbar an. Die Evidenz stĂŒtzt Urolithin A damit bislang nicht als etablierte MaĂnahme zur Vorbeugung kardiovaskulĂ€rer Ereignisse.

