Verdunstungskühlung: 3D-Keramik senkt Raumtemperatur um 7 Grad
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 04:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zunehmende Überhitzung urbaner Räume stellt die Stadtplanung und die Gestaltung moderner Arbeitsumgebungen vor wachsende Herausforderungen. Wie aktuelle Forschungsberichte der Technischen Universität (TU) Graz vom 5. August 2026 belegen, könnten innovative Strukturen aus dem 3D-Drucker künftig eine energieeffiziente Alternative zu herkömmlichen Klimaanlagen bieten. Im Zentrum der Untersuchungen steht eine neu entwickelte Keramikwand, die auf dem Prinzip der Verdunstungskühlung basiert und signifikante Temperatursenkungen im unmittelbaren Arbeits- und Aufenthaltsumfeld ermöglicht.
Technischer Aufbau und innovative Geometrien
Die präsentierte Kühlwand besitzt eine Dimension von 2 mal 2 Metern und wurde am Campus Neue Technik in der Grazer Stremayrgasse als Prototyp installiert. Die Konstruktion besteht aus einzelnen, im 3D-Druckverfahren hergestellten Keramikwürfeln mit einer Kantenlänge von jeweils 23 Zentimetern. Ein wesentliches Merkmal dieser Würfel ist ihre komplexe innere Struktur, die einer sogenannten TPMS-Geometrie (Triple Periodic Minimal Surfaces) folgt.
Diese spezielle Formgebung maximiert die Oberfläche bei gleichzeitigem Erhalt der strukturellen Stabilität, was für den Prozess der Verdunstungskühlung entscheidend ist. Durch die poröse Struktur der Keramik und die optimierte Luftführung innerhalb der Würfel kann Feuchtigkeit effizient an die vorbeiströmende Luft abgegeben werden, wodurch dieser Wärme entzogen wird.
Leistungsdaten und Effizienz im Praxistest
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In verschiedenen Testreihen, deren Ergebnisse am 5. August 2026 veröffentlicht wurden, erwies sich die Technologie als leistungsfähig. Bei Praxistests in einem Dachgeschoss der TU Graz konnte eine Absenkung der Umgebungstemperatur um knapp 7 °C in der direkten Nähe der Keramikstruktur gemessen werden. Laboruntersuchungen präzisierten diese Werte: Hier sank die Lufttemperatur um bis zu 6,95 °C.
Besonders hervorzuheben ist der geringe Energiebedarf des Systems. Für den Betrieb im Labor wurde eine elektrische Leistung von unter 9 Watt benötigt, wobei die Kühleffizienz mit 66,5 % angegeben wird. Durch den Verdunstungsprozess stieg die relative Luftfeuchtigkeit im Labortest um 39,04 %. Die Forscher betonten jedoch, dass sich diese Messwerte auf die unmittelbare Umgebung eines einzelnen Würfels bezogen und nicht auf das Klima eines gesamten Raumes übertragen ließen.
Materialforschung und Projektrahmen
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Das Forschungsteam der TU Graz begrenzt seine Untersuchungen nicht allein auf herkömmliche Keramik. Um die Nachhaltigkeit und Effizienz der Kühlwürfel weiter zu steigern, werde zusätzlich mit alternativen Materialien experimentiert. Dazu gehören Versuche mit Pilzmyzel sowie Schlamm aus dem Neusiedler See. Ziel dieser Materialstudien ist es, die Kapillarwirkung und die Verdunstungsrate der Strukturen weiter zu optimieren.
Das Projekt wird durch die Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Programms „Proof of Concept“ gefördert. Die offizielle Projektlaufzeit ist bis September 2026 angesetzt. Während die bisherigen Ergebnisse das Potenzial der Technologie zur Bekämpfung urbaner Hitzeinseln unterstreichen, bleiben einige Parameter für eine großflächige Anwendung noch offen. So liegen bislang keine detaillierten Angaben zur effektiven Reichweite der Kühlung, zum konkreten Wasserverbrauch des Systems oder zur Langzeitwirkung der verwendeten Materialien unter realen Witterungsbedingungen vor. Dennoch bietet der Ansatz eine vielversprechende Grundlage für passive Kühlkonzepte, die den Energieaufwand in Gebäuden künftig drastisch reduzieren könnten.
