Je schneller WĂ€lder brennen, desto intensiver brennen sie
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 07:00 Uhr | dpa.deJe schneller WÀlder brennen, desto intensiver brennen sie einer aktuellen Studie zufolge auch. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die eine Gruppe um Jonathan Coop von der Western Colorado University in Gunnison (Colorado) im Fachjournal «Science Advances» veröffentlicht hat, die WaldbrÀnde in Kanada und den USA intensiv untersucht hat.
So nehmen mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit auch die IntensitĂ€t der Feuer, der Anteil der stark verbrannten FlĂ€che sowie die Entfernung zu ĂŒberlebenden SamenbĂ€umen zu.Â
WaldbrÀnde im Wandel
Die rekordverdĂ€chtige Brandsaison habe die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie sich die Entwicklung von WaldbrĂ€nden verĂ€ndere, darunter, wie sie sich ausbreiten, schreiben die Studienautoren. Wie diese Faktoren zusammenhĂ€ngen, untersuchten sie bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen von 3.499 gröĂeren WaldbrĂ€nden in Kanada und in den westlichen USA, einschlieĂlich Alaskas, im Zeitraum von 2012 bis 2023. Sie konnten auf diese Weise die tĂ€gliche verbrannte FlĂ€che mit einer Auflösung von 30 Metern bestimmen. Dabei unterschieden sie auch FlĂ€chen, die von NadelbĂ€umen dominiert wurden, von anderen WaldflĂ€chen.
Im Untersuchungszeitraum betrug die verbrannte GesamtflĂ€che der betrachteten BrĂ€nde 43,2 Millionen Hektar. Davon waren 32,1 Millionen Hektar von NadelbĂ€umen dominiert, wobei mehr als ein Drittel mit hoher IntensitĂ€t abbrannte.Â
Die Feuer entwickelten sich sehr unterschiedlich: So reichte die FlĂ€che, die bei einem einzelnen Brand an einem Tag verbrannte, von 25 bis 141.257 Hektar. Die AusbreitungslĂ€nge in gerader Linie lag bei 131 bis 61.878 Metern. Die zehn Ereignisse mit der schnellsten tĂ€glichen Brandausbreitung, bei denen jeweils eine Strecke von mehr als 32 Kilometern innerhalb von 24 Stunden zurĂŒckgelegt wurde, verbrannten zusammen 547.000 Hektar Nadelwald. Sieben dieser Ereignisse fanden 2023 in Kanada und zwei im Jahr 2020 im Westen der USA statt.
Tödliche Baumkronen-BrÀnde
Die schnellsten BrĂ€nde in WĂ€ldern breiten sich bei groĂer Trockenheit und starkem Wind ĂŒber Baumkronen aus. «Da Kronenfeuer die Baumkronen vernichten, sind sie fĂŒr die BĂ€ume in den meisten nordamerikanischen NadelwĂ€ldern im Allgemeinen tödlich und können nach dem Brand Landschaften mit groĂen, stark verbrannten FlĂ€chen hinterlassen», schreibt das Team um Coop.Â
Mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit steigt neben der IntensitĂ€t des Feuers auch der Anteil der stark verbrannten FlĂ€che, in der so gut wie keine BĂ€ume ĂŒberleben, wie die Forscher mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit feststellten. Da auf diesen FlĂ€chen auch die Samen der BĂ€ume verbrannt sind, erhöht sich auch die Entfernung zum nĂ€chsten samentragenden Baum.
Durch die Vernichtung der Samen können sich auf lange Sicht auch die Ăkosysteme Ă€ndern. Denn es gibt Baumarten, die besser als andere an die Situation nach einem Waldbrand angepasst sind. So lösen BrĂ€nde, die nicht ganze BĂ€ume vernichten, etwa bei der Unterart Latifolia der KĂŒstenkiefer (Pinus contorta) und bei der Schwarzfichte (Picea mariana) die Verbreitung von Samen aus. Auch LaubbĂ€ume wie Gambel-Eiche (Quercus gambelii) oder die Amerikanische Zittelpappel (Populus tremuloides), die Samen ĂŒber einen groĂen Bereich streuen kann, können zu den Gewinnern nach WaldbrĂ€nden gehören.Â
Bedeutung auch fĂŒr BrĂ€nde in Europa
«Unsere Ergebnisse unterstreichen den wachsenden Bedarf, unerwĂŒnschte Auswirkungen wirksam zu reduzieren, die nach BrĂ€nden entstandenen Landschaften so zu gestalten, dass die Funktionen des Waldökosystems erhalten bleiben, und die sozioökologische Anpassung zu fördern», betonen die Wissenschaftler. Coop zufolge können die Studienergebnisse auch auf Europa ĂŒbertragen werden. «Insbesondere lĂ€sst sich beobachten, dass das Brennen von NadelwĂ€ldern unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu explosiven WaldbrĂ€nden fĂŒhren kann â also zu solchen, die sich sowohl schnell ausbreiten als auch eine hohe BrandintensitĂ€t aufweisen», teilte er der dpa auf Anfrage mit.
Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK) schlieĂt Ă€hnliche Effekte, wie sie in der Studie gefunden wurden, fĂŒr groĂe, zusammenhĂ€ngende Waldgebiete in Europa nicht aus. «Der Unterschied in Europa liegt in der besseren ZugĂ€nglichkeit der Standorte», sagt die Forscherin. «Hier könnten MaĂnahmen zur unterstĂŒtzenden Wiederaufforstung â etwa durch Pflanzungen oder das Abwerfen von Samenbomben aus der Luft â hilfreicher sein», sagt die Potsdamer Forscherin.
