Versicherungs-KI, Betrug

Versicherungs-KI: Betrug kostet 275 Millionen Euro – Abwehr wird Standard

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 01:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

HUK-COBURG und Allianz treiben Digitalisierung voran, während KI-Betrug Rekordschäden verursacht und neue Abwehrstrategien erfordert.

KI und Digitalisierung: Versicherungsbranche im Umbruch
Digitale Oberfläche mit Online-Versicherungsformularen, KI-Analysen und holografischer Waage und Schild für Betrugsschutz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Künstliche Intelligenz, automatisierte Prozesse und digitale Plattformen treiben die Modernisierung voran – mit dem Ziel, Kosten zu senken, Schadensfälle schneller zu bearbeiten und gleichzeitig die wachsende Bedrohung durch KI-gestützten Betrug zu bekämpfen.

Digitale Schadenmeldung wird zum Standard

Immer mehr Versicherer setzen auf Online-Portale, um die Meldung von Schäden zu vereinfachen. Mitte Juli 2026 weitete die HUK-COBURG ihr digitales Angebot auf die Rechtsschutzversicherung aus. Bereits jetzt werden über 50 Prozent der digitalen Schadenmeldungen direkt an Rechtsberater weitergeleitet – vorausgesetzt, der Versicherte ist im Kundenportal registriert. Schon zuvor war diese Funktion für Kfz-, Haftpflicht- und Wohngebäudeversicherungen verfügbar.

Die Digitalisierung der Kundenschnittstellen gilt inzwischen als Standard. Branchenbeobachter sehen die Integration von Cloud-Plattformen, mobilen Apps und sicheren digitalen Verifikationsverfahren als notwendige Voraussetzung, um im Wettbewerb um die Kundenzufriedenheit zu bestehen.

KI als Werkzeug – für Effizienz und gegen Betrug

Künstliche Intelligenz ist in der Versicherungswirtschaft längst kein Zukunftsthema mehr. Bei einer Strategievorstellung am 8. Juli 2026 bezeichnete Allianz-CEO Oliver Bäte KI als „Basis des Geschäfts". Der Konzern setzt bei seiner Transformation auf eine klare Gewichtung: 70 Prozent der Anstrengungen entfallen auf Menschen und Prozesse, 20 Prozent auf Daten und lediglich zehn Prozent auf konkrete Werkzeuge. Ziel ist es, die Schadenbearbeitung zu beschleunigen und den 100 Millionen Kunden personalisierte Dienstleistungen anzubieten.

Doch die neue Technologie hat auch eine Schattenseite. Daten von Aviva aus dem Jahr 2025 zeigen, dass KI-gestützter Betrug zu Rekordschäden von umgerechnet rund 275 Millionen Euro führte – im Schnitt etwa 750.000 Euro pro Tag. Betrüger nutzen zunehmend KI-generierte Bilder und Dokumente, um fingierte Schäden zu belegen.

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Aviva selbst setzt zur Abwehr mehr als 80 KI-Modelle ein. Die Ergebnisse sind beachtlich: Die Genauigkeit bei der Weiterleitung von Fällen stieg um 30 Prozent, die Zeit für Haftungsbewertungen verkürzte sich um 23 Tage. In Großbritannien treiben solche Betrugsfälle die durchschnittliche Kfz-Versicherungsprämie um schätzungsweise 50 bis 60 Euro nach oben.

Strategische Neuausrichtung und neue Partnerschaften

Der technologische Wandel zwingt auch zu strukturellen Anpassungen. Die Neodigital kündigte an, sich zu einer reinen Technologieplattform zu wandeln und ihr „Insurance-as-a-Service"-Angebot in den Mittelpunkt zu stellen. Im Zuge dieser Neuausrichtung, die bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll, werden mehr als 400.000 Kundenverträge auf die Marke Adam Riese der Württembergischen Versicherung übertragen. Das Kfz-Geschäft verbleibt bei der HUK-COBURG.

Auch neue Kooperationen entstehen. Anfang des Sommers brachten Allianz Partners und Joybuy, eine Tochter des chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com, ein gemeinsames Geräteschutzprogramm auf den europäischen Markt. Das Angebot deckt Unfallschäden, Diebstahl und Garantieverlängerungen für Elektronik ab und wird in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten sowie Großbritannien eingeführt.

Am 15. Juli 2026 stärkte Verisk sein Management in Deutschland: Michael Rodenberg übernahm die Position des Managing Director Claims Solutions Germany. Das Unternehmen bearbeitet hierzulande jährlich mehr als 500.000 Schadensfälle und treibt die Integration von Schadenmanagement-Lösungen voran.

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Technologische Innovationen und Zukunftsaussichten

Doch nicht nur Software verändert die Branche. Auch die Autoindustrie entwickelt hardwarebasierte Lösungen für den Datenaustausch bei Unfällen. Ein am 16. Juni 2026 veröffentlichtes Patent von General Motors beschreibt ein System, das Fahrzeugsensoren und Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation nutzt, um nach einer Kollision automatisch Versicherungsdaten auszutauschen. Das soll die Gefahren verringern, die entstehen, wenn Fahrer auf der Straße manuell Informationen sammeln müssen.

Die langfristigen Auswirkungen der neuen Technologien sind gewaltig. Forscher von Deloitte schätzen, dass sogenannte „agentische KI" – Systeme, die Aufgaben semi-autonom erledigen können – bis 2030 allein in den USA zusätzliche zwei Milliarden Euro an Lebensversicherungsprämien generieren könnte. Diese Systeme werden zunehmend für komplexe Aufgaben wie Preisfindung, frühzeitige Betrugserkennung und Cross-Selling eingesetzt.

Auch prädiktive Analysen und Robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) reduzieren weltweit den manuellen Aufwand in der Risikoprüfung und Vertragsverwaltung. Die Versicherungsbranche steht vor einem grundlegenden Wandel – und die Weichen dafür sind längst gestellt.

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