Versorgungskrise, Deutschland

Versorgungskrise: Deutschland 88%, Schweiz nur 50% Selbstversorgung

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 04:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Universität Vechta leitet AgriSecure zur Sicherung von Wertschöpfungsketten. Bayern führt Dachmarke ein, Bio-Ziele rücken in Ferne.

AgriSecure-Projekt: Neue Forschung für krisenfestere Agrarwirtschaft
Eine Hand legt ein frisches, leuchtendes Bio-Gemüse in eine rustikale Holzkiste voller anderer frischer Produkte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Universität Vechta leitet das Vorhaben AgriSecure, das am 15. Juli gestartet ist.

Forschung für stabile Versorgung

Gemeinsam mit der Universität Göttingen und der Hochschule Osnabrück suchen die Wissenschaftler nach Wegen, Wertschöpfungsketten abzusichern. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und wird mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

Auch in Sachsen tut sich etwas: Seit dem 7. Juli unterstützt eine neue Servicestelle Betriebe bei der Vermarktung regionaler Erzeugnisse. Das Projekt Pro-Regio Sachsen wird vom Sächsischen Landesbauernverband und der ARGE Sächsisch Gut eG getragen.

Automaten statt Supermärkte

Das Wuppertaler Start-up Local Life zeigt, wie regionale Lieferkonzepte praktisch aussehen können. Was 2020 als Lieferservice begann, betreibt heute rund 70 Automaten in Krankenhäusern und Unternehmen.

Im Luisenviertel eröffnete das Unternehmen seinen ersten automatisierten Mini-Markt. Mobile Verkaufsstellen in Übersee-Containern sind bereits geplant. Zudem beliefert Local Life als Partner des LAVE-Programms Schulen und Kitas in Nordrhein-Westfalen.

Doch Gründer kämpfen mit Hürden. Bei einem Treffen mit der Wuppertaler Oberbürgermeisterin am 15. Juli forderten Vertreter von 16 Start-ups eine bessere Vernetzung mit dem regionalen Mittelstand. Auch die öffentlichen Vergabeverfahren müssten reformiert werden, um lokale Innovationen sichtbarer zu machen.

Bayern setzt auf „Genuss Bayern“

Die bayerische Staatsregierung beschloss am 14. Juli die Einführung der Dachmarke „Genuss Bayern“. Sie soll über 300 regionale Spezialitäten bündeln – 54 davon sind EU-geschützt. Ziel ist eine stärkere Verknüpfung mit dem Tourismus.

Gleichzeitig verfehlt Bayern seine ökologischen Ziele. Der Anteil der Bio-Betriebe lag 2025 bei 10,9 Prozent, was 13,4 Prozent der Fläche entspricht. Das gesetzliche Ziel von 30 Prozent Öko-Landwirtschaft bis 2030 rückt damit in weite Ferne.

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Trotz eines Umsatzwachstums im Bio-Segment von rund 7 Prozent im Jahr 2026 lehnt die Agrarministerin Zwangsmaßnahmen ab. Stattdessen setzt sie auf die Förderung von Öko-Modellregionen.

EU-Öko-Verordnung: Streit um Weidehaltung

Auf europäischer Ebene stimmte der Agrarausschuss am 14. Juli einer Novelle der EU-Öko-Verordnung zu. Kritiker bemängeln die geplante Freiwilligkeit der Weidehaltung. Bio-Verbände lehnen den Kompromiss ab. Eine endgültige Entscheidung des Plenums wird für September 2026 erwartet.

Schweiz erreicht „Food Overshoot Day“

Wie dringend eine starke Inlandsproduktion ist, zeigt der Blick in die Schweiz. Der „Food Overshoot Day“ fiel in diesem Jahr auf den 13. Juli. Ab diesem Datum ist das Land rechnerisch auf Importe angewiesen.

Der Bruttoselbstversorgungsgrad liegt bei rund 50 Prozent. Deutschland kommt auf 88 Prozent, Frankreich auf 100 Prozent.

Krise in der Gemeinschaftsverpflegung

In der lokalen Versorgung kriselt es gewaltig. In Nordrhein-Westfalen stiegen die Beiträge für die Ganztagsbetreuung teils deutlich an. Recklinghausen meldete Mitte Juli Erhöhungen von elf Prozent.

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In Mecklenburg-Vorpommern kam es bei einem Caterer zu Entlassungen. Forderungen nach kindgerechterer Ernährung und die Ablehnung bestimmter gesunder Lebensmittel hatten die Wirtschaftlichkeit der Konzepte belastet.

Auch in Bielefeld wurde die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister an sechs Schulen beendet. Die Qualität der überregionalen Belieferung stand in der Kritik.

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