Vishing-Kampagne: Hackergruppe UNC6671 erpresst Millionen von Finanzriesen
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 17:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hackergruppe UNC6671 führt massives Vishing gegen Finanzriesen durch. Die Angreifer erpressen Lösegeld in Millionenhöhe.
Systematische Angriffe auf Finanzkonzerne
Die Gruppe, auch bekannt als Falcon, Helix, Pink oder Redact, ist seit dem Sommer aktiv. Mindestens 72 Webadressen nutzten die Angreifer für ihre Täuschungsmanöver. Betroffen sind Schwergewichte wie Blackstone, Bridgewater, Apollo, Bain, KKR, TPG, CME, Clearlake und Moody's.
Beim Vishing kontaktieren die Angreifer Mitarbeiter telefonisch. Sie bringen sie dazu, sensible Informationen preiszugeben oder Systemzugänge freizuschalten. Die Lösegeldforderungen liegen zwischen 750.000 und 3 Millionen US-Dollar. Ein mit der Gruppe verbundenes Krypto-Wallet verzeichnete bereits Eingänge von rund 10 Millionen US-Dollar in Bitcoin.
Angriffswerkzeuge für jedermann
Die Kommerzialisierung von Hacking-Tools verschärft die Lage zusätzlich. Phishing-as-a-Service-Plattformen (PhaaS) wie „Greatness" oder „Kali365" verkaufen ihre Dienste für 250 bis 289 US-Dollar im Monat. Diese Angebote umgehen gezielt Sicherheitsmechanismen wie die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).
Kali365 verzeichnet wöchentlich mehr als 80 Angriffe auf US-Unternehmen. Über 3.250 Abonnenten nutzen die Infrastruktur von Greatness. Die Ziele: weit verbreitete Cloud-Dienste wie Microsoft 365, Google Workspace und iCloud. Deutsche Ermittler beschlagnahmten zwar im Juli Server des PhaaS-Kits „Kratos" – doch rund 1.800 Kopien des Codes sind weiterhin im Umlauf.
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KI macht Angriffe gefährlicher
Die Angriffe werden zunehmend raffinierter. Laut Cofense stiegen Business-Email-Compromise-Aktivitäten (BEC) im ersten Halbjahr 2026 um 56 Prozent. QR-Code-Phishing legte sogar um 153 Prozent zu. Ein Großteil der verwendeten URLs und Datei-Hashes ist mittlerweile einzigartig – die signaturbasierte Erkennung stößt an ihre Grenzen.
Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle. 65 Prozent der befragten Organisationen gaben an, dass KI-Tools die Effektivität von Ransomware-Angriffen steigern. Die Technologie ermöglicht polymorphe Kampagnen, die sich ständig verändern und herkömmliche Sicherheitsfilter umgehen.
Auch Sparkassen-Kunden bleiben nicht verschont. In den vergangenen Tagen häuften sich Phishing-Mails, die mit der Sperrung des Online-Bankings drohten. Im regionalen Bereich entstanden bereits Schäden im vier- bis fünfstelligen Euro-Bereich.
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Unternehmen rüsten auf
Die IEH Corporation meldete Anfang August einen Vorfall: Eine Microsoft-365-Mailbox wurde kompromittiert, Angreifer erlangten Zugriff auf technische Dokumente und Kundenkommunikation. Das Konto wurde umgehend gesichert, die Untersuchung dauert an.
Experten empfehlen FIDO2-basierte Sicherheitslösungen und die konsequente Überwachung aktiver Sitzungen. Denn gestohlene Zugriffstoken bleiben eine der größten Gefahren – und die Angreifer werden immer professioneller.
