Vishing-Welle, UNC6671

Vishing-Welle UNC6671: Hacker stehlen Cloud-ZugÀnge per Telefonanruf

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyberkriminelle greifen mit Vishing gezielt Finanzunternehmen an, um MFA zu umgehen und Zugangsdaten fĂŒr Microsoft 365 und Okta zu stehlen.

Google-Warnung: Massive Vishing-Welle gegen Finanzfirmen und Kanzleien
Smartphone und Laptop in einem abgedunkelten BĂŒro, die digitale Sicherheitsrisiken und Cyberangriffe symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) warnt vor einer massiv ausgeweiteten Vishing-Kampagne der Gruppe UNC6671. Die Angreifer manipulieren gezielt Mitarbeiter von Finanzinstituten und Kanzleien, um Zugangsdaten fĂŒr Microsoft 365 und Okta zu stehlen – und umgehen dabei zunehmend die Multi-Faktor-Authentifizierung.

Angriff auf Private Equity und Hedgefonds

Die Cyberkriminellen haben vor allem Finanzdienstleister im Visier: Private-Equity-Unternehmen, Hedgefonds und Ratingagenturen. Betroffen sind BranchengrĂ¶ĂŸen wie Blackstone, Apollo Global Management, KKR, Bain Capital und Moody's. Die Gruppe arbeitet mit einer Multi-Brand-Strategie – nach der Einstellung ihrer Marke BlackFile im Mai operiert sie nun unter Namen wie Redact, Pink, Helix und Falcon.

Die AngriffsintensitĂ€t ist beachtlich: Innerhalb von nur fĂŒnf Wochen identifizierten Forscher 72 bösartige Websites. Insgesamt sollen ĂŒber 200 Unternehmen ins Visier der Gruppe geraten sein.

So funktioniert der Betrug

Die TĂ€ter kontaktieren Mitarbeiter auf deren privaten Telefonnummern und geben sich als IT-Helpdesk aus. Unter dem Vorwand technischer Probleme locken sie die Opfer auf gefĂ€lschte Login-Portale. Technisch nutzen sie sogenannte Adversary-in-the-Middle-Systeme (AitM), die nicht nur Zugangsdaten abgreifen, sondern auch aktive Sitzungstokens abfangen. Damit hebeln die Angreifer die MFA aus und erhalten direkten Zugriff auf Cloud-Daten – die Exfiltration lĂ€uft in vielen FĂ€llen automatisiert.

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Lösegeld in Millionenhöhe

Die wirtschaftlichen SchĂ€den sind erheblich. Analysen von Bitcoin-Wallets, die der Gruppe zugerechnet werden, zeigen zwischen Januar und Mai Transaktionen von ĂŒber 140 BTC – umgerechnet etwa 11 Millionen US-Dollar. Die ursprĂŒnglichen Forderungen bewegen sich meist zwischen einer und drei Millionen US-Dollar. Rund 53 Prozent der Opfer zahlten, die durchschnittliche Lösegeldzahlung lag bei etwa 750.000 US-Dollar.

Cloud-KriminalitÀt nimmt zu

Die Kampagne passt in einen besorgniserregenden Trend: Branchenanalysten melden fĂŒr das erste Halbjahr einen Anstieg der Cloud-SicherheitsvorfĂ€lle um 60 Prozent. Eine Bitkom-Umfrage unter mehr als 1.000 Unternehmen untermauert die Sorge – 87 Prozent halten eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe fĂŒr wahrscheinlich.

Immerhin: Behörden gelang ein Schlag gegen die Infrastruktur des Phishing-Kits Kratos, das monatlich fĂŒr rund 15.000 Kampagnen gegen Microsoft-365-Nutzer verantwortlich war. Über 200 Server wurden abgeschaltet – doch rund 1.800 Abonnenten verfĂŒgen weiterhin ĂŒber den Code.

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Was Unternehmen jetzt tun sollten

Herkömmliche MFA per SMS oder App-Push reicht gegen AitM-Angriffe oft nicht mehr. Sicherheitsexperten empfehlen phishing-resistente Verfahren nach dem FIDO2-Standard. ZusĂ€tzlich sollten Firmen auf Mobile Device Management setzen, um EndgerĂ€te zentral zu verwalten und im Ernstfall per Fernzugriff zu sperren. Auch die Überwachung des Nutzerverhaltens und die Freigabe privilegierter KontoĂ€nderungen ĂŒber separate, verifizierte KanĂ€le gehören zu den empfohlenen Maßnahmen. Entscheidend bleibt: Mitarbeiter mĂŒssen fĂŒr unaufgeforderte IT-Anrufe sensibilisiert sein – kein Helpdesk fragt nach Passwörtern oder Zugangsdaten.

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