Viszerales, Bauchfett

Viszerales Bauchfett: Über 260.000 Menschen zeigen bis zu 50 Prozent mehr Risiko

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Genetik und Stoffwechsel beeinflussen den Gewichtsverlust; bei Adipositas kommen neben Bewegung auch Medikamente und Operationen infrage.
Eine schlichte, medizinische Waage auf einem hellen Holztisch in einem hellen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Die Reduktion von Körpergewicht und insbesondere der Abbau von viszeralem Fettgewebe stellen Betroffene und medizinisches Fachpersonal vor komplexe Herausforderungen.

Fachleute weisen darauf hin, dass verbreitete Annahmen über isolierte Trainingsmethoden oft nicht den physiologischen Realitäten entsprechen. Um gesundheitliche Risiken wirksam zu senken, rücken ganzheitliche Ansätze sowie das Zusammenspiel von Genetik, Ernährung und Bewegung in den Fokus.

Gefahren des viszeralen Fettgewebes

Viszerales Bauchfett lagert sich um die inneren Organe an und gilt als besonders stoffwechselaktiv. Dr. Jens Aberle vom UKE Hamburg betont, dass diese Fettform das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch erhöht.

Zur Risikoeinschätzung dienen definierte Grenzwerte für den Bauchumfang: Bei Frauen besteht ab 80 Zentimetern ein erhöhtes und ab 88 Zentimetern ein kritisches Risiko.

Bei Männern liegen diese Schwellenwerte bei 94 Zentimetern beziehungsweise 102 Zentimetern. Bei Personen unter 40 Jahren gilt zudem ein Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (Waist-to-Height-Ratio) von über 0,5 als medizinisch bedenklich.

Wie bedeutsam die Verteilung des Fettes ist, verdeutlichen Daten einer Übersichtsarbeit mit über 260.000 Menschen: Bei normalgewichtigen Personen mit großem Bauchumfang stieg das Herz-Kreislauf-Risiko um bis zu 50 %. Zudem verändert sich der Körper im Laufe des Lebens: Laut der britischen Menopause-Gesellschaft klettert der Anteil des viszeralen Fetts am Körpergewicht bei Frauen nach den Wechseljahren von 5–8 % auf bis zu 15 %.

Grenzen isolierter Bewegung und Bedeutung des Trainings

Häufig herrscht die Annahme, Bauchfett lasse sich durch reines Ausdauertraining schnell abbauen. Ein Sportbiologe rechnet vor, dass der Körper einer trainierten Person bei moderatem Ausdauersport lediglich etwa 1 Gramm Fett pro Minute verbrennt. Um 1 Kilogramm Fettgewebe abzutrainieren, seien rein rechnerisch rund 17 Stunden Joggen erforderlich.

Um die Gesundheit langfristig zu erhalten, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Für Erwachsene wird geraten, mindestens zweimal pro Woche ein Krafttraining zu absolvieren.

Anzeige

Wer seinen Stoffwechsel ankurbeln und gezielt gegen den altersbedingten Abbau von Muskelmasse vorgehen möchte, findet in diesem Ratgeber die passende Unterstützung. Ein Experte erklärt, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause effektiv gegensteuern können. Kostenlose Krafttrainings-Übungen jetzt als PDF sichern

Bewegung bleibt dennoch ein Baustein zur allgemeinen Risikosenkung: Bei einer kardiologischen Fortbildung in der Klinik Bad Wörishofen erklärte Prof. Jens Wagner vor 130 teilnehmenden Ärzten, dass bereits 500 bis 1000 Schritte mehr pro Tag lebensverlängernd wirken. Als klinischer Erfolg gilt dabei ein Gewichtsverlust von 5–10 % des Ausgangsgewichts über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten.

Genetische und biologische Barrieren

Dass Sport und Diäten individuell sehr unterschiedlich anschlagen, liegt auch an der Biologie. Der Genforscher Dr. Daniel Wallerstorfer von NovoDaily verweist darauf, dass selbst bei einer identischen Mahlzeit von 500 Kalorien unterschiedliche Personen etwa 480 oder 550 Kalorien aufnehmen. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, insbesondere das Verhältnis von Firmicutes und Bacteroidetes, beeinflusst die Verwertung maßgeblich.

Zudem tragen rund 58 % der Menschen eine FABP2-Genvariante, die mit einer besonders schnellen Fettresorption einhergeht. Die Gene PPARG, FTO und ADRB3 steuern den Fettabbau durch körperliche Aktivität.

Nach Angaben von Wallerstorfer funktionieren diese Gene jedoch nur bei 14 % der Bevölkerung optimal, während Bewegung bei den restlichen 86 % weniger Gewichtsverlust bringt als erhofft. Bestimmte FTO-Genvarianten können zudem ein dauerhaft gesteigertes Hungergefühl hervorrufen.

Bei schwerer Adipositas greift der Körper auf regulatorische Schutzmechanismen zurück. Das sogenannte Set-Point-System – gesteuert über den Hypothalamus, die Hormone Leptin und Ghrelin sowie das Darmmikrobiom – kurbelt bei Diäten den Appetit an und drosselt die Stoffwechselrate.

Prof. Jang Hyeong Woo vom Seoul National University Bundang Hospital weist darauf hin, dass starkes Übergewicht allein durch Diät und Sport nahezu unmöglich dauerhaft zu überwinden sei.

Laut einer Analyse der CPRD-Datenbank mit neunjähriger Nachbeobachtung bei Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 40 beträgt die Wahrscheinlichkeit, allein durch Lebensstiländerungen Normalgewicht zu erreichen, lediglich 0,08 % bei Männern und 0,15 % bei Frauen.

Medikamentöse und operative Behandlungsoptionen

Anzeige

Da viele Menschen aufgrund körperlicher Barrieren oder Zeitmangel im Alltag kaum zum Sport kommen, gewinnen effiziente Kurz-Trainingsmethoden an Bedeutung. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie mit minimalem Aufwand von nur 3 Minuten täglich Ihre Muskeln stärken und Beschwerden vorbeugen. 17 Wunderübungen für maximale Ergebnisse kostenlos herunterladen

Steigt der Adipositasgrad, wachsen nach Angaben der Koreanischen Gesellschaft für Adipositas die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ischämische Schlaganfälle und obstruktive Schlafapnoe, bei der der Blutdruck im Schlaf Spitzenwerte von 180 bis 200 erreichen kann.

Die Fachgesellschaft nennt bariatrische Operationen, wie etwa eine Sleeve-Gastrektomie, oder moderne GLP-1-basierte Medikamente wie Wegovy und Mounjaro als wirksame Therapieoptionen.

Medikamente wie Tirzepatid oder Semaglutid können Gewichtsverluste von bis zu 20 % des Körpergewichts herbeiführen. Ein medizinischer Aspekt betrifft die Zusammensetzung der Abnahme: Bei 15 Kilogramm Gewichtsverlust durch GLP-1-Präparate gehen rund 5 Kilogramm Muskelmasse verloren. Ohne begleitendes Krafttraining droht der Abbau fettfreier Masse.

Chirurgische Eingriffe wie Schlauchmagen oder Magenbypass ermöglichen Gewichtsreduktionen von bis zu 35 % und gelten bei geeigneten Patienten als besonders effektiv. Parallel wird an neuen Wirkstoffen geforscht: Der Einsatz von Myostatin-Antikörpern zeigte bei adipösen Diabetikern, dass das Fettgewebe um über 7 Kilogramm sank, während die Muskelmasse ohne zusätzlichen Sport leicht anstieg.

Experten betonen vor diesem Hintergrund, dass nachhaltige Erfolge nur durch ein strukturiertes Zusammenspiel aus gezielter Ernährungsumstellung, Kraft- und Ausdauertraining sowie bei Bedarf medizinisch begleiteten Therapien erreicht werden können.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70448748 |