Vitamin-B12-Mangel: Ein Viertel der über 65-Jährigen ist betroffen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:08 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnhaltende Erschöpfung und nachlassende Konzentration werden im Alltag häufig auf Stress oder Schlafmangel zurückgeführt. Berichte warnen jedoch davor, dass anhaltende Müdigkeit und Gedächtlücken oft direkte Anzeichen eines Mangels an Vitamin B12 sind.
Das Vitamin ist im menschlichen Organismus für zentrale biologische Prozesse verantwortlich, darunter die Zellteilung, die Blutbildung, die DNA-Synthese, den Abbau von Homocystein und die Funktion des Nervensystems. Ein Mangel betrifft dabei keineswegs nur Menschen mit rein pflanzlicher Kost, sondern kann auch bei Personen auftreten, die regelmäßig Fleisch konsumieren.
Ursachen jenseits der rein pflanzlichen Ernährung
Während eine unzureichende Zufuhr über die Nahrung vor allem bei veganer oder vegetarischer Lebensweise eine Rolle spielt, sind Aufnahmestörungen im Magen-Darm-Trakt die weitaus häufigere Ursache eines Defizits. Für die Resorption von Vitamin B12 sind eine ausreichende Menge an Magensäure sowie das Glykoprotein Intrinsic Factor erforderlich, das von den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet wird.
Wird dieser Mechanismus gestört, gelangt das Vitamin kaum in den Blutkreislauf. Zu den Auslösern zählen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Zöliakie, Magen- oder Darmoperationen sowie Autoimmunprozesse wie die atrophische Gastritis oder die perniziöse Anämie, bei der das Immunsystem die Belegzellen angreift.
Zudem hemmen verbreitete Medikamente wie Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker oder das Diabetes-Medikament Metformin die Resorption. Auch chronischer Alkoholkonsum, Lachgas sowie Infektionen mit Helicobacter pylori können die Aufnahme beeinträchtigen.
Da im Alter die Produktion von Magensäure natürlicherweise nachlässt, steigt das Risiko bei älteren Erwachsenen deutlich: Laut einer Studie des Helmholtz-Instituts München ist etwa ein Viertel der über 65-Jährigen von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen.
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Neurologische Warnzeichen und schleichende Symptome
Ein Defizit entwickelt sich oft über Jahre unbemerkt, da der Körper in der Leber etwa 2 bis 3 Milligramm Vitamin B12 speichern kann und der tägliche Verlust bei rund 0,1 Prozent liegt. Treten schließlich Symptome auf, äußern sie sich im Frühstadium häufig durch Schwäche, Abgeschlagenheit, Blässe und Belastungsdyspnoe infolge einer megaloblastären Anämie.
Gleichzeitig drohen neurologische und kognitive Beeinträchtigungen. Neben Konzentrationsschwäche, Gedächtnisverlust, Stimmungsschwankungen und dem sogenannten Brain Fog treten sensorische Störungen auf.
Nach Erkenntnissen der Oregon State University ist ein Kribbeln in den Füßen das häufigste neurologische Symptom, oft begleitet von Taubheitsgefühlen in den Händen; in etwa 25 Prozent der Fälle stellt das Kribbeln in den Füßen sogar das einzige klinische Anzeichen dar.
Weitere Begleiterscheinungen sind Gangunsicherheiten, Sehstörungen und eine gerötete, schmerzhafte Zunge. Werden diese neurologischen Schäden nicht rechtzeitig behandelt, drohen irreversible Folgen für die Nervenbahnen.
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Diagnoseverfahren und gezielte Therapie
Bei entsprechenden Anzeichen raten Fachleute zu einer labormedizinischen Abklärung vor Beginn einer Selbstmedikation. Ein Serum-B12-Wert von unter 200 pg/mL gilt als klinischer Mangel; zur genauen Bestimmung werden zudem Marker wie Methylmalonsäure (MMA) und Homocystein herangezogen. Auch ein differenziertes Blutbild kann Aufschluss über das Vorliegen einer makrozytären Anämie geben.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen ab 13 Jahren eine tägliche Zufuhr von 4,0 Mikrogramm, mit höheren Referenzwerten für Schwangere (4,5 Mikrogramm) und Stillende (5,5 Mikrogramm).
Liegt eine manifeste Resorptionsstörung vor, greifen Ernährungsempfehlungen über gewöhnliche Lebensmittel allein oft nicht mehr. In diesen Fällen kommen hochdosierte orale Präparate mit 1000 Mikrogramm täglich oder intramuskuläre Injektionen zum Einsatz, um die körpereigenen Speicher wieder aufzufüllen.
Vor unkontrollierter Langzeitsupplementierung warnen Experten allerdings: Das Deutsche Krebsforschungszentrum wies darauf hin, dass eine dauerhafte Einnahme von mehr als 55 Mikrogramm pro Tag laut Studien mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko einhergehen könnte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher für freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 25 Mikrogramm.
