Vitamin C bei Blutkrebs: EVITA-Studie sieht Ăberlebenssignal, aber keinen Zell-Effekt
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Frage, ob Vitamine den Verlauf von Krebserkrankungen verÀndern können, wird in der Onkologie seit Jahrzehnten diskutiert. Neue Aufmerksamkeit erhÀlt dieses Thema durch die im Fachjournal Cancer (DOI: 10.1002/cncr.70549) vorgestellte EVITA-Phase-2-Studie.
Die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung ging der Frage nach, ob eine hochdosierte orale Gabe von Vitamin C biologische Prozesse bei frĂŒhen Formen von Blutkrebs beeinflussen kann.
Studiendesign und Ausgangslage bei Vorstufen von LeukÀmie
Im Fokus der Untersuchung standen 109 Personen mit klonaler Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) oder einem myelodysplastischen Syndrom (MDS). Beide Erkrankungen bergen das Risiko, zu einer akuten myeloischen LeukĂ€mie fortzuschreiten. FĂŒr CCUS gibt es bislang keine zugelassenen Behandlungen, um ein solches Fortschreiten zu verhindern.
MDS kann zwar mit einer Stammzelltransplantation behandelt werden, diese Option kommt jedoch fĂŒr viele Patienten, insbesondere fĂŒr Ă€ltere Personen, nicht infrage. Zum Zeitpunkt der Studie erhielt keiner der Teilnehmenden eine onkologische Therapie.
Die EVITA-Studie wurde nach einem Pilotprojekt aus dem Jahr 2016 im Jahr 2017 vom VAI-SU2C Epigenetics Dream Team des Van Andel Institute gestartet. Die Leitung ĂŒbernahmen Peter A. Jones vom Van Andel Institute im US-amerikanischen Grand Rapids und Kirsten GrĂžnbĂŠk vom Rigshospitalet der UniversitĂ€t Kopenhagen. DurchgefĂŒhrt wurde das Projekt an drei UniversitĂ€tskliniken in DĂ€nemark sowie an einem Krankenhaus in Kalifornien.
In der Interventionsgruppe erhielten 55 Patienten ĂŒber einen Zeitraum von zwölf Monaten tĂ€glich 1.000 mg Vitamin C oral, wĂ€hrend 54 Patienten in der Placebo-Gruppe ein ScheinprĂ€parat einnahmen. Vor dem Start wies mehr als die HĂ€lfte der Teilnehmenden einen Vitamin-C-Mangel auf; durch die Gabe des PrĂ€parats normalisierten sich die entsprechenden Werte.
Resultate beim Zellwachstum und Beobachtungen zur Ăberlebensrate
Beim primĂ€ren Ziel der Studie zeigte sich keine VerĂ€nderung: Hinsichtlich der Wachstumsrate abnormer Blutzellen, die als Indikator fĂŒr das Fortschreiten einer LeukĂ€mie gilt, gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Vitamin-C- und der Placebo-Gruppe.
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Allerdings war die Einnahme von Vitamin C mit VerĂ€nderungen bei entzĂŒndungsbezogenen Signalen verbunden, darunter einem RĂŒckgang proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-6 (IL-6). Zudem traten in der Vitamin-C-Gruppe Komplikationen wie AnĂ€mie, LungenentzĂŒndung, akute aseptische GelenkentzĂŒndung und innere Blutungen seltener auf. Verdauungsprobleme wurden in diesem Studienarm hingegen etwas hĂ€ufiger verzeichnet.
AuffÀllige Daten ergaben sich bei den langfristigen VerlÀufen. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 33,6 Monaten wurden insgesamt 35 TodesfÀlle registriert, davon 24 in der Placebo-Gruppe und 11 in der Vitamin-C-Gruppe.
Eine explorative Analyse ergab nach rund drei Jahren Follow-up eine signifikant höhere Ăberlebenswahrscheinlichkeit fĂŒr die Patientengruppe mit Vitamin-C-Gabe. Da dieser Aspekt jedoch nicht der primĂ€re Endpunkt der Phase-2-Studie war, besitzt die Beobachtung vorerst hypothesengenerierenden Charakter.
Biologische Mechanismen und Ausblick auf Folgestudien
Biologisch wird die Wirkung darauf zurĂŒckgefĂŒhrt, dass Vitamin C die AktivitĂ€t von TET-Enzymen steigert, die eine wichtige Rolle bei der epigenetischen Genregulation spielen. Eine verringerte Funktion dieser Enzyme gilt als ein hĂ€ufiger Treiber bestimmter Blutkrebsformen.
Bei CCUS gibt es bislang keine zugelassene Behandlung, die ein Fortschreiten zur LeukĂ€mie verhindert â und fĂŒr viele Ă€ltere Menschen mit MDS kommt eine Stammzelltransplantation nicht infrage. Diese LĂŒcke macht jede neue Spur so wertvoll, aber auch so verunsichernd. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, die aktuelle Studienlage zu Vitamin C bei frĂŒhen Blutkrebsformen ruhig und sachlich einzuordnen: mit einer Checkliste zu Dosierung und Mangel, einer klaren Ăbersicht ĂŒber die offenen Fragen und einem Fragenkatalog, mit dem Sie im ArztgesprĂ€ch gezielt nachfragen können. Leitfaden zur Studienlage jetzt sichern
Die beteiligten Forscher betonen jedoch, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden mĂŒssen. Jones Ă€uĂerte sich verhalten optimistisch ĂŒber die beobachteten Signale. GrĂžnbĂŠk hob hervor, dass es fĂŒr definitive oder eindeutige klinische Empfehlungen derzeit noch zu frĂŒh sei.
Um die explorativen Erkenntnisse zu ĂŒberprĂŒfen und eine mögliche therapeutische Relevanz zu klĂ€ren, sind nun BestĂ€tigungen in einer groĂ angelegten Phase-3-Studie erforderlich.
