Vitamin D fĂŒr Kinder: 10 Mikrogramm tĂ€glich reichen laut Dissertationsarbeit aus
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeitrĂ€ge warnen zunehmend vor routinemĂ€Ăigen MikronĂ€hrstofftests bei Kindern ohne vorliegende klinische Symptome und raten zugleich von einer eigenmĂ€chtigen Supplementierung ohne vorherige Ă€rztliche Diagnose ab. Immer hĂ€ufiger werden gesunde Heranwachsende mit tĂ€glichen prophylaktischen Gaben wie Patienten behandelt.
In vielen Haushalten finden sich umfangreiche BestÀnde an Vitamin-Gummis, Mineralstoff-Lutschern, Omega-3-PrÀparaten und Probiotika. WÀhrend herkömmliche Lebensmittel mitunter aus Sorge vor Schadstoffen oder Zucker gemieden werden, gelten Kapseln und Tropfen vielen Eltern fÀlschlicherweise als unbedenkliche Alternative.
EingeschrÀnkte Aussagekraft von Routineuntersuchungen
Bereits im Jahr 2021 stellte die Nationale Gesundheitskommission in China klar, dass MikronĂ€hrstofftests bei Kindern kein Instrument fĂŒr ein allgemeines Routine-Screening darstellen. Eine solche Diagnostik sei lediglich bei konkreten klinischen Symptomen sowie einem medizinisch begrĂŒndeten Bedarf angezeigt. Bei gesunden SĂ€uglingen unter sechs Monaten werde eine Testung generell nicht empfohlen.
Zudem bestehen methodische Grenzen bei der Erfassung des NĂ€hrstoffstatus. Klinisch wird die venöse Blutentnahme bevorzugt, da Tests aus Fingerbeerenblut oder Haarproben nur eine eingeschrĂ€nkte Aussagekraft besitzen. Nicht-invasiven HandmessgerĂ€ten, wie sie teilweise im Handel eingesetzt werden, fehle jegliche diagnostische GĂŒltigkeit.
Zudem spiegeln die gĂ€ngigen Tests â etwa auf Zink, Eisen, Kupfer, Magnesium, Kalzium oder Blei â lediglich die Konzentration im Blut wider, nicht jedoch die tatsĂ€chlichen Gesamtspeicher des Organismus. So macht beispielsweise das Zink im Serum weniger als 0,5 Prozent des gesamten Zinks im Körper aus.
Risiken einer unkontrollierten NahrungsergÀnzung
Eine unbedachte Verabreichung von Vitamin- und MineralstoffprÀparaten birgt gesundheitliche Risiken. Wie der Kinderarzt Dr. Miraç Ergen darlegt, kann eine unbewusste Supplementierung die Leber schÀdigen.
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Eine Gabe von NĂ€hrstoffen sollte daher ausschlieĂlich unter Ă€rztlicher Kontrolle und gezielt bei einem laborchemisch nachgewiesenen Mangel erfolgen. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass eine unsachgemĂ€Ăe Einnahme von Proteinen und VitaminprĂ€paraten ohne tatsĂ€chlichen Bedarf die Nieren ĂŒberlasten und dort SchĂ€den verursachen kann.
Mit Ausnahme von Vitamin D können die meisten Vitamine und Mineralstoffe ĂŒber eine ausgewogene ErnĂ€hrung mit Eiern, Fleisch, GeflĂŒgel, Fisch, Milchprodukten, HĂŒlsenfrĂŒchten, GemĂŒse, Obst und NĂŒssen aufgenommen werden.
Zwar tritt Eisenmangel im Kindesalter hÀufig auf und kann die Hirnfunktion, die Aufmerksamkeit sowie die Lernleistung beeintrÀchtigen, zur Diagnose sind jedoch spezifische Blutbilder und Ferritin-Bestimmungen erforderlich.
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Zur Versorgung wird unter anderem der Verzehr von Fischarten mit geringem Quecksilbergehalt wie Lachs, Sardinen oder Anchovis zweimal wöchentlich empfohlen, wÀhrend Fischölprodukte nur nach Àrztlicher Empfehlung eingenommen werden sollten.
Ăberdosierung bei Vitamin D weit verbreitet
Insbesondere beim weit verbreiteten Mangel an Vitamin D besteht das Risiko von Fehlentscheidungen. Hochdosierte, willkĂŒrliche Gaben stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.
In einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus der Ausgabe 1/2026 erwiesen sich die meisten von 25 geprĂŒften Vitamin-D-PrĂ€paraten als ĂŒberdosiert; fĂŒnf Produkte erhielten wegen möglicher NierenschĂ€den bei Langzeiteinnahme das Urteil ânicht geeignetâ.
Lediglich zwei PrĂ€parate mit moderater Dosierung wurden als geeignet eingestuft. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel höchstens 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten Vitamin D pro Tag.
Eine finnische Dissertationsarbeit von Vilja SeppĂ€lĂ€ zeigte zudem, dass fĂŒr gesunde und voll ausgetragene Kinder die empfohlene Tagesdosis von 10 Mikrogramm (400 Internationale Einheiten) fĂŒr die Neuroentwicklung völlig ausreicht und höhere Dosen keinen Zusatznutzen erbringen.
Vor der Einnahme von NĂ€hrstoffprĂ€paraten sollten daher stets Labortests und eine fachliche Beratung durch medizinisches Personal erfolgen, um wirkungslose oder potenziell schĂ€dliche Ăberdosierungen zu vermeiden.
