Vitamin D gegen Infekte: 73 Studien finden Zusammenhang, Schutz bleibt unklar
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der kalten Jahreszeit häufen sich Ratgeber und Produktangebote, die mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen wie Ingwer, Vitamin C und Bergkräutern werben. Ein Blick auf die zugrundeliegende Evidenz zeigt jedoch ein differenzierteres Bild als viele Versprechen suggerieren.
Pflanzenbetonte Ernährung als Grundlage
Ein Ratgeber von Verival empfiehlt eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Ölen sowie einen reduzierten Konsum von stark zuckerhaltigen Lebensmitteln und verarbeitetem Fleisch als anti-entzündlichen Ansatz. Übersichtsarbeiten würden günstige Effekte mediterraner Ernährung auf Entzündungsmarker zeigen.
Eine Auswertung kontrollierter Studien fand demnach bei regelmäßigem Verzehr anthocyaninreicher Beeren einen leichten Rückgang des Entzündungsmarkers CRP – allerdings lässt sich daraus keine Wirkung einer einzelnen Frühstücksportion ableiten. Für Hafer oder Avocado allein sei eine gezielte entzündungshemmende Wirkung nicht belegt, auch der Effekt von Nüssen auf Entzündungswerte bleibe unklar.
Vitamin C: Nützlich, aber kein Wundermittel
Der Ratgeber rundgesund.com stellt unter anderem ein Rezept für Orangen-Ingwer-Eis vor, bei dem der Saft erst lauwarm eingerührt werden soll, um Vitamin C zu schonen. Das Rezept ergibt etwa 8 bis 10 Eiswürfel oder 4 kleine Eis am Stiel und muss mindestens vier Stunden gefrieren; Honig ist für Kinder unter einem Jahr ungeeignet.
Zur Wirksamkeit von Vitamin C bei Erkältungen verweist der Artikel auf eine Cochrane-Übersicht von Hemilä und Chalker aus dem Jahr 2013: Demnach verhindert eine regelmäßige Vitamin-C-Zufuhr Erkältungen bei den meisten Menschen nicht, kann aber die Dauer der Beschwerden im Schnitt etwas verkürzen.
Laut Diabetes Austria enthalten 100 Gramm Orange fast 50 Milligramm Vitamin C, der DGE-Tagesbedarf für Erwachsene liegt bei rund 95 bis 110 Milligramm. Nach USDA-Angaben liefert eine mittelgroße Orange rund 70 Milligramm Vitamin C. Da das Vitamin hitzeempfindlich ist, sollte frisch gepresster Orangensaft erst nach dem Kochen zu Gerichten wie Bohnen, Gemüse, Reis oder Soßen gegeben werden.
Eine schwedische Studie von Leif Hallberg mit 299 Teilnehmenden fand zudem, dass Vitamin C die Aufnahme pflanzlichen Eisens aus einer Mahlzeit verbessern kann; die Forscher hielten etwa 50 Milligramm Vitamin C pro Hauptmahlzeit für wünschenswert.
Nahrungsergänzung: Zwischen Werbung und Nutzen
Auf presseportal.de wird das Präparat BronchoVia beworben, das Thymian-, Spitzwegerich- und Schwarzkümmel-Extrakt sowie Vitamin D3 und E enthält. Die enthaltenen Vitamine tragen laut zugelassenen Angaben zu einer normalen Immunfunktion beziehungsweise zum Zellschutz bei.
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Der Hersteller empfiehlt eine Kapsel täglich über mindestens acht bis zwölf Wochen; das Produkt ist wegen des verwendeten Vitamin D3 aus Schafwollfett nicht vegan. Der Beitrag selbst ist als Produktwerbung einzuordnen, konkrete Wirksamkeitsnachweise für die beworbenen Atemwegswirkungen werden nicht erbracht.
Ein Ratgeber der Löwen-Apotheke Eilenburg mahnt zur Zurückhaltung bei Nahrungsergänzungsmitteln: Eine ausgewogene Ernährung decke den Nährstoffbedarf meist, zusätzliche Präparate seien oft unnötig. Vitamin C werde im Körper nicht gespeichert, Überschüsse würden ausgeschieden.
Vitamin D gelte dagegen als Sonderfall, da der Körper es mithilfe von Sonnenlicht bildet und Nahrung allein den Bedarf laut Artikel nicht decke; zur individuellen Supplementierung solle der Hausarzt konsultiert werden. Überdosierungen, etwa von Zink, könnten Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen verursachen.
Vitamin D und Atemwegsinfekte: Uneinheitliche Datenlage
Berichte von mainpost.de und augsburger-allgemeine.de verweisen auf eine DGE-Auswertung von 73 Studien, die einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D-Status und einem höheren Risiko akuter Atemwegsinfektionen fand – ein Schutz durch Supplementierung sei jedoch nicht sicher belegt.
Eine australische Studie aus dem Jahr 2021 mit mehr als 21.000 Menschen im Alter von 60 bis 84 Jahren fand bei monatlicher Vitamin-D-Gabe keinen signifikanten Unterschied bei Atemwegsinfekten gegenüber Placebo.
Laut DGE gilt ein Wert unter 25–30 nmol/l (10–12 ng/ml) als mangelhafte Versorgung, ab 50 nmol/l (20 ng/ml) als anzustrebender Bereich. Falls nötig, empfiehlt die DGE täglich 20 Mikrogramm (800 IE); hohe Dosen ohne nachgewiesenen Mangel brächten keinen zusätzlichen präventiven Nutzen.
Ein Beitrag von joyn.de ergänzt, dass eine pauschale Vitamin-D-Einnahme für gesunde Erwachsene laut DGE nicht grundsätzlich ratsam sei. Besonders betroffen von einem Mangel seien Menschen, die selten draußen sind, ältere oder weniger mobile Personen, Menschen mit dunkler Haut sowie Säuglinge.
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Kurkuma: Gewürz ja, Hochdosis-Präparat mit Vorsicht
Ein Beitrag von wmn.de ordnet Kurkuma als übliches Gewürz als unbedenklich ein, verweist aber darauf, dass viele behauptete Wirkungen von Curcumin gegen Krankheiten beim Menschen nicht belegt seien.
Die EFSA setzt einen Richtwert von 3 Milligramm Curcumin je Kilogramm Körpergewicht täglich an – bei 70 Kilogramm entspricht das etwa 210 Milligramm Curcumin beziehungsweise laut Artikel 4 bis 7 Gramm Kurkumapulver bei einem Curcumingehalt von 3 bis 5 Prozent.
Hochdosierte Präparate bergen laut dem Beitrag Risiken: Ab 180 Milligramm Curcumin täglich wurden in Studien vereinzelt Magen-Darm-Beschwerden beobachtet, bei langfristiger Einnahme von 500 bis 1.000 Milligramm täglich drohten Leberschäden und eine erhöhte Blutungsneigung. Bei Medikamenteneinnahme, Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder Gallensteinen solle die Einnahme ärztlich abgeklärt werden.
Hustenmittel im Vergleich
Ergänzend zur Ernährung thematisiert ein Beitrag von freundin.de gängige Erkältungs- und Hustenmittel. Umckaloabo, Prospan, GeloMyrtol forte und ACC akut wurden demnach jeweils als eingeschränkt geeignet bewertet, da Wirksamkeitsbelege als unzureichend gelten.
Klosterfrau Hustensaft und Silomat Hustenstiller zählten zu den wenig geeigneten Mitteln; bei Silomat wurden zudem mögliche Wechselwirkungen und ein Abhängigkeitspotenzial genannt. Stattdessen werden einfache Hausmittel empfohlen: warme Getränke, Inhalationen oder Honig, der allerdings nicht für Kleinkinder geeignet ist.
Fazit der Übersicht
Die verschiedenen Ratgeber zeichnen ein konsistentes Bild: Eine insgesamt ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung gilt als sinnvolle Basis zur Unterstützung des Körpers in der Erkältungssaison, während einzelne Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Hochdosis-Präparate oft weniger Wirkung zeigen, als Werbeversprechen nahelegen. Bei Unsicherheiten zu Dosierung, Wechselwirkungen oder individuellem Bedarf verweisen die Quellen übereinstimmend auf eine ärztliche Abklärung.
