Vitamin D im Winter: Warum 20 ”g tÀglich als Supplement sinnvoll sein können
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit Beginn der kalten Jahreszeit rĂŒckt eine wiederkehrende Frage in den Fokus von Ratgebern zu Gesundheit und ErnĂ€hrung: Wie viel Vitamin D braucht der Körper eigentlich, und ab welchem Wert spricht man von einem Mangel? Aktuelle BeitrĂ€ge mehrerer Fachmedien zeigen, dass die Antwort komplexer ist, als es zunĂ€chst scheint â unterschiedliche Institutionen setzen unterschiedliche Grenzwerte an.
Unterschiedliche Referenzwerte je nach Quelle
Der Vitamin-D-Status wird anhand des Blutwerts 25(OH)D im Serum bestimmt, doch die Einordnung dieses Werts variiert. Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft 75 bis unter 125 nmol/l (entsprechend 30 bis unter 50 ng/ml) als optimal ein, Werte unter 30 nmol/l (unter 12 ng/ml) gelten demnach als Mangel, ab 125 nmol/l (50 ng/ml) als mögliche Ăberversorgung.
Labor Enders hingegen bewertet bereits Werte unter 20 ng/ml als Mangel und setzt die Grenze zur Ăberversorgung bei 70 ng/ml an; als toxisch gelten laut diesem MaĂstab Werte ĂŒber 150 ng/ml.
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) verfolgt einen zurĂŒckhaltenderen Ansatz: FĂŒr gesunde Menschen gilt ein Orientierungswert von 50 nmol/l (20 ng/ml) als angemessen â eine EinschĂ€tzung, der sich auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) und die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) anschlieĂen.
Werte zwischen 30 und unter 50 nmol/l (12 bis unter 20 ng/ml) werden als suboptimal eingestuft, unter 30 nmol/l (unter 12 ng/ml) als Mangelrisiko. Entscheidend: FĂŒr gesunde Menschen ist laut BfR ein Zielwert von 30 ng/ml oder mehr nicht grundsĂ€tzlich notwendig.
Auch die Endocrine Society empfiehlt seit 2024 keinen festen 25(OH)D-Zielwert mehr. Die Orientierungswerte gelten fĂŒr Frauen und MĂ€nner gleichermaĂen.
Warum der Winter eine besondere Rolle spielt
Der Vitamin-D-Spiegel unterliegt laut der Neuen ZĂŒrcher Zeitung starken saisonalen Schwankungen, da die körpereigene Bildung durch Sonnenlicht auf der Haut wichtiger ist als die Zufuhr ĂŒber die ErnĂ€hrung. Rund 80 bis 90 Prozent des Vitamin D bildet der Körper laut vital.de selbst, sobald UV-Strahlen auf die Haut treffen.
Die Apotheken-Umschau nennt als Faustregel 5 bis 25 Minuten Sonnenexposition tÀglich, abhÀngig von Hauttyp, Jahres- und Tageszeit, Wetterlage, Kleidung und Sonnenschutz. Problematisch: In Deutschland reicht die SonnenintensitÀt von Oktober bis MÀrz nicht aus, um den Bedarf zu decken.
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Deshalb kann laut NZZ eine tĂ€gliche Supplementierung von etwa 20 ”g (800 IU) zwischen Oktober und Ostern sinnvoll sein â eine Empfehlung, die sich mit dem DGE-Tagesbedarf von 20 ”g deckt. FĂŒr Erwachsene mit unzureichender Sonnenexposition empfiehlt die DGE ebenfalls 800 IE tĂ€glich.
Die sichere Höchstmenge liegt laut NZZ bei 100 ”g (4000 IU) tÀglich, wobei solche höheren Dosierungen nur bei einem nachgewiesenen Mangel angezeigt sind. Freizeitsport erhöht den Vitamin-D-Bedarf dabei nicht zusÀtzlich.
Risikogruppen und mögliche Nebenwirkungen
Laut DGE erreichen fast 60 Prozent der Menschen in Deutschland den wĂŒnschenswerten Blutwert nicht â ein tatsĂ€chlicher Mangel ist jedoch deutlich seltener. Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei wenig Aufenthalt im Freien, höherem Alter, bei SĂ€uglingen, dunkler Hautpigmentierung sowie bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen â Faktoren, die besonders Ă€ltere Menschen betreffen können.
Beschwerden wie MĂŒdigkeit, blasse Haut oder hĂ€ufige ErkĂ€ltungen gelten als unspezifisch und können viele Ursachen haben; von einer Selbstdiagnose wird abgeraten, bei lĂ€nger anhaltenden Symptomen wird eine Ă€rztliche AbklĂ€rung empfohlen.
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Auch Muskelschmerzen können unter anderem mit einem Mangel an Magnesium, Calcium oder Vitamin D zusammenhÀngen. Das RKI weist zudem darauf hin, dass ein einmalig niedriger Serumwert keinen langfristigen Mangel belegt; ein test beim Arzt ist möglich, wenn Unsicherheit besteht.
Hohe Dosen können nach EinschĂ€tzung des BfR schaden: Eine Ăberdosierung durch PrĂ€parate kann Ăbelkeit, BauchkrĂ€mpfe, Erbrechen und NierenschĂ€den verursachen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln und NahrungsergÀnzungsmitteln wird daher ein zeitlicher Abstand von mindestens ein bis zwei Stunden empfohlen. Nur wenige Lebensmittel liefern laut RKI nennenswerte Mengen an Vitamin D, darunter fetter Seefisch, bestimmte Innereien, Pilze und Eier.
Hinweise aus einer finnischen Kohortenstudie
Daten aus einer finnischen LĂ€ngsschnittstudie mit ĂŒber 5500 untersuchten Personen, davon 3650 in der LĂ€ngsschnittanalyse, illustrieren die saisonalen Schwankungen zusĂ€tzlich: Im Alter von 31 Jahren lag der Wintermittelwert bei 43,6 nmol/l gegenĂŒber einem Sommerwert von 60,8 nmol/l â eine Differenz von 17,2 nmol/l. Die alltĂ€gliche Vitamin-D-Aufnahme unterschied sich dabei zwischen den Geschlechtern: MĂ€nner nahmen durchschnittlich 12,3 ”g pro Tag auf, Frauen 10,1 ”g.
Bei der regelmĂ€Ăigen Einnahme von PrĂ€paraten zeigte sich ein deutlicherer Unterschied: 24,5 Prozent der Frauen griffen regelmĂ€Ăig zu PrĂ€paraten, bei den MĂ€nnern waren es 10,8 Prozent.
Die DGE weist zudem darauf hin, dass Vitamin D grundsĂ€tzlich die Magnesiumaufnahme im Darm unterstĂŒtzt â ob eine gezielte Vitamin-D-Zufuhr die Magnesiumbilanz tatsĂ€chlich verbessert, gilt jedoch als unklar.
