Vitamin-D-PrÀparate, Stiftung

Vitamin-D-PrÀparate: Stiftung Warentest warnt vor zu hohen Dosierungen

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stiftung Warentest stuft 18 von 25 Vitamin-D-Mitteln als wenig oder nicht geeignet ein; hohe Dosen können gesundheitliche Risiken bergen.
LaborausrĂŒstung wie BecherglĂ€ser und ReagenzglĂ€ser auf einem sterilen Labortisch zur Untersuchung von PrĂ€paraten. Illustration mit AI erstellt.

Die Einnahme von NahrungsergĂ€nzungsmitteln steht regelmĂ€ĂŸig im Fokus von VerbraucherschĂŒtzern und Fachgesellschaften. Untersuchungen von Warentestern zeigen bei Vitamin D ein wiederkehrendes Problem: Viele freiverkĂ€ufliche Mittel enthalten Dosierungen, die deutlich ĂŒber den offiziellen Empfehlungen liegen und gesundheitliche Risiken bergen können.

Stiftung Warentest bemĂ€ngelt Überdosierungen

In einer Untersuchung von Stiftung Warentest wurden 25 Vitamin-D-PrĂ€parate analysiert, deren Preise zwischen 2 und 28 Euro pro Packung lagen und die im Mai sowie Juni 2025 eingekauft worden waren. Das Ergebnis fiel ernĂŒchternd aus: 13 der 25 PrĂ€parate wurden als „wenig geeignet“ eingestuft, fĂŒnf Produkte galten sogar als „nicht geeignet“. Lediglich zwei PrĂ€parate erwiesen sich ohne EinschrĂ€nkung als „geeignet“.

Zu den als „nicht geeignet“ bewerteten Mitteln zĂ€hlen HĂŒbner Vitamin D3 Kompakt 2000 I.E., beide getesteten Dekristolvit-Produkte, Alsiroyal sowie Sanotact. Die Warentester wiesen darauf hin, dass diese fĂŒnf Produkte die Grenzwerte fĂŒr Kinder ĂŒberschreiten. Dekristolvit erreiche zudem den Grenzwert fĂŒr Erwachsene. Bei langfristiger Einnahme drohen NierenschĂ€den.

Als „wenig geeignet“ wurden unter anderem Doppelherz Aktiv Vitamin D3, Taxofit Vitamin D3 und Vigantolvit Vitamin D3 eingestuft. AuffĂ€llig war dabei die Diskrepanz zwischen QualitĂ€tsurteil und ernĂ€hrungsphysiologischer Eignung: Einige Produkte erhielten zwar die Note „gut“, galten jedoch wegen ihrer Dosis als „wenig geeignet“.

Dazu zĂ€hlten Doppelherz Aktiv Vitamin D3 2000 I.E. mit der Note 1,8, Taxofit Vitamin D3 2500 I.E. (1,9), Vigantolvit Vitamin D3 2000 I.E. (2,2), Doppelherz System Vitamin D3 7000 I.E. Pflanzlich (2,3) und HĂŒbner Vitamin D3 Kompakt 2000 I.E. (2,4).

Das Produkt dm Mivolis Vitamin D3 Wochen-Depot 5600 I.E. erhielt die Note 2,3 und wurde als „mit EinschrĂ€nkung geeignet“ gefĂŒhrt. Als „mangelhaft“ mit der Note 5,0 bewertete die Organisation HĂŒbner Vitamin D3 800 I.E. sowie Abtei Vitamin D3 2500 I.E. + Zink + Selen.

Die einzigen beiden uneingeschrĂ€nkt als „geeignet“ eingestuften Mittel waren GSE Vitamin D Bio mit der Gesamtnote „befriedigend“ (3,3) bei Kosten von rund 0,15 Euro pro Anwendung sowie RotbĂ€ckchen Vital Vitamin D mit der Gesamtnote „befriedigend“ (3,0) fĂŒr etwa 0,51 Euro pro Anwendung. Insgesamt vergab die Stiftung sechsmal die Note „gut“ und zweimal „mangelhaft“.

Risiken von DepotprÀparaten und Höchstmengen

Stiftung Warentest warnte zudem vor Hochdosis-DepotprĂ€paraten mit wöchentlicher Einnahme. Diese Darreichungsformen seien fehleranfĂ€llig. Studien zeigen demnach, dass hohe Einzeldosen bei Ă€lteren Menschen das Risiko fĂŒr StĂŒrze und KnochenbrĂŒche erhöhen können.

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt, ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel tĂ€glich maximal 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten (I.E.) Vitamin D zuzufĂŒhren. Auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung empfiehlt bei einer Supplementierung tĂ€glich 20 Mikrogramm (800 I.E.).

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In einem Umbrella-Review ĂŒber 73 Studien stellte die Fachgesellschaft zwar einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Status und einem höheren Risiko fĂŒr akute Atemwegsinfektionen fest, betonte jedoch, dass eine Gabe bei Mangel zwar prĂ€ventiv wirken könne, aber keinen sicheren Schutz biete.

Ähnliche MĂ€ngel zeigte eine Untersuchung von Öko-Test an 23 PrĂ€paraten, darunter 14 NahrungsergĂ€nzungs- und neun Arzneimittel. Lediglich sechs Produkte wurden empfohlen. Bei den Tropfen schnitten lediglich die vegetarischen HĂŒbner Vitamin-D3-Tropfen mit 800 I.E. pro Tropfen mit „gut“ ab.

Produkte wie Doppelherz pure Vitamin-D3-Tropfen mit 2000 I.E. tĂ€glich und Vigantolvit Vitamin-D3-Tropfen mit einer Herstellerempfehlung von 4000 I.E. pro Tag fielen durch, da sie die Richtwerte deutlich ĂŒberstiegen. Bei Tabletten erzielten Dekristol 1000 I.E. und Hevert 1000 I.E. als Arzneimittel die Note „sehr gut“.

Notwendigkeit der Einnahme im Vorfeld klÀren

Laut Daten des Robert Koch-Instituts sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland bereits ausreichend mit Vitamin D versorgt; eine zusÀtzliche Einnahme bringt ihnen keinen gesundheitlichen Nutzen.

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Eine Leitlinie der Endocrine Society aus dem Jahr 2024 hĂ€lt fest, dass gesunde Erwachsene unter 75 Jahren grundsĂ€tzlich keine Vitamin-D-PrĂ€parate benötigen. Zu den Risikogruppen fĂŒr eine Unterversorgung zĂ€hlen hingegen Personen ab 65 Jahren, Schwangere sowie Menschen mit Adipositas, dunkler Hautfarbe oder chronischen Erkrankungen.

Mediziner raten Personen mit erhöhtem Risiko, den Versorgungsstatus vor einer Einnahme ĂŒber einen 25-Hydroxyvitamin-D-Bluttest prĂŒfen zu lassen, anstatt auf unspezifische Beschwerden zu vertrauen. Die Laborkosten liegen bei etwa 20 bis 50 Euro; bei medizinischem Verdacht ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Fachleute warnen eindringlich vor unkontrollierter Einnahme: Eine chronische Überdosierung kann zu einer HyperkalzĂ€mie mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, SchwĂ€che, Nierensteinen und dauerhaften NierenschĂ€den fĂŒhren. Ein Fallbericht aus dem Vereinigten Königreich dokumentierte zudem, dass ein Junge infolge einer siebenfachen Überdosierung ein akutes Nierenversagen erlitt.

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