Vitamin D: Stiftung Warentest stuft fĂŒnf von 25 PrĂ€paraten als ungeeignet ein
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deZur Erhaltung der Knochengesundheit und zur allgemeinen PrĂ€vention greifen viele Menschen zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln. PrĂ€parate mit Vitamin D, Kalzium oder Omega-3-FettsĂ€uren stehen dabei besonders im Fokus. Medizinische Fachgesellschaften und PrĂŒforganisationen weisen jedoch darauf hin, dass eine unkritische Einnahme Risiken birgt und eine gezielte Bedarfsermittlung unerlĂ€sslich ist.
Vitamin D zwischen Mangel und Ăberdosierung
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt. Dennoch besteht in bestimmten Bevölkerungsgruppen ein erhöhtes Risiko fĂŒr eine Unterversorgung.
Stiftung Warentest nennt hierzu Personen ab 65 Jahren, Menschen mit Adipositas, Personen mit dunklerem Hauttyp sowie Patienten mit Vorerkrankungen der NebenschilddrĂŒse, der Nieren oder des Magen-Darm-Trakts.
Eine Bestimmung des Versorgungsstatus erfolgt ĂŒber eine Blutanalyse; bei begrĂŒndetem Verdacht auf einen Mangel ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, andernfalls fallen privat rund 20 bis 50 Euro an.
Gleichzeitig besteht bei frei verkĂ€uflichen PrĂ€paraten oft die Gefahr einer Ăberversorgung. In der Ausgabe 1/2026 ĂŒberprĂŒfte die Stiftung Warentest insgesamt 25 Vitamin-D-Mittel. Ein GroĂteil wies eine zu hohe Dosierung auf; fĂŒnf Produkte erhielten das Urteil ânicht geeignetâ, da eine langfristige Einnahme zu NierenschĂ€den fĂŒhren kann.
Als geeignet wurden lediglich zwei PrĂ€parate eingestuft: die Tabletten âVitamin D compactâ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 i.E. sowie der Saft âVital Vitamin Dâ von RotkĂ€ppchen mit 400 i.E. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt, ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel maximal 20 ”g beziehungsweise 800 i.E. Vitamin D pro Tag zuzufĂŒhren.
Hochdosierte Depot-PrĂ€parate werden kritisch beurteilt, da hohe Einzeldosen das Sturz- und Frakturrisiko bei Ă€lteren Menschen steigern können. In anderen LĂ€ndern gelten teils abweichende Vorgaben: Polnische Richtlinien nennen fĂŒr Personen im Alter von 65 bis 75 Jahren Richtwerte von 1000 bis 2000 IU tĂ€glich, ab 75 Jahren 2000 bis 4000 IU, abgestimmt auf Gesundheit und Körpergewicht.
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Kalzium und das Zusammenspiel mit weiteren NĂ€hrstoffen
FĂŒr den Knochenstoffwechsel spielt Kalzium eine zentrale Rolle. Fachleute empfehlen Erwachsenen eine Zufuhr von etwa 1000 mg tĂ€glich, fĂŒr Frauen ab 50 Jahren beziehungsweise nach den Wechseljahren werden 1000 bis 1200 mg pro Tag genannt. Bei einer Supplementierung sollte die Einzeldosis 500 mg nicht ĂŒberschreiten, um eine optimale Aufnahme zu gewĂ€hrleisten.
WĂ€hrend Vitamin D die Kalziumaufnahme im Darm fördert, unterstĂŒtzt Vitamin K2 die Aktivierung von Osteocalcin, das fĂŒr den Einbau des Minerals in die Knochensubstanz zustĂ€ndig ist.
Das US-amerikanische Office of Dietary Supplements hÀlt jedoch fest, dass die Studienlage zu Vitamin-K-PrÀparaten und deren Einfluss auf die Knochengesundheit bislang uneinheitlich ist; eine gesicherte FrakturprÀvention durch diese Kombination ist wissenschaftlich nicht belegt.
Zudem erfordert die Einnahme von fettlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen bei Vorerkrankungen oder bestimmten Medikationen â wie Gerinnungshemmern vom Typ Warfarin, Diuretika oder Herzglykosiden â eine vorherige Ă€rztliche RĂŒcksprache.
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MultivitaminprÀparate und Omega-3-FettsÀuren
Welche systemischen Effekte kombinierte PrÀparate erzielen können, untersuchte die im Jahr 2026 veröffentlichte US-amerikanische COSMOS-Studie an 399 Frauen und MÀnnern mit einem Durchschnittsalter von gut 70 Jahren.
Ăber einen Zeitraum von zwei Jahren erhielten die Teilnehmenden tĂ€glich entweder ein Multivitamin-Mineralstoff-PrĂ€parat oder ein Placebo. In der Interventionsgruppe stiegen die Werte von DHA und Omega-3-FettsĂ€uren insgesamt an, obwohl das Produkt selbst kein Omega-3 enthielt, und der Nierenwert Kreatinin stieg langsamer als unter Placebo.
Zudem wiesen mehrere Stoffwechseluhren in der Multivitaminkohorte auf ein um ein halbes bis ein Jahr jĂŒngeres biologisches Alter hin. Dennoch betonen die Studienautoren deutliche EinschrĂ€nkungen: Aufgrund der kleinen StichprobengröĂe und der parallelen Messung zahlreicher Parameter lieĂ sich nach statistischer Korrektur kein Effekt zweifelsfrei sichern.
Ein Nachweis, dass derartige PrĂ€parate chronische Erkrankungen verhindern oder die Lebenserwartung verlĂ€ngern, konnte nicht erbracht werden. Fachleute raten daher weiterhin dazu, NĂ€hrstoffdefizite vorrangig ĂŒber eine vollwertige ErnĂ€hrung auszugleichen und Supplemente nur nach gezielter medizinischer Diagnostik einzusetzen.
