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Vitamin D: Stiftung Warentest stuft fĂŒnf von 25 PrĂ€paraten als ungeeignet ein

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nur zwei von 25 getesteten Mitteln gelten als geeignet; fĂŒr zusĂ€tzliche Schutzwirkungen gegen Infekte fehlt ein statistisch signifikanter Nachweis.
Symbolbild: SchĂŒssel mit frischem Salat Illustration mit AI erstellt.

Viele Menschen greifen in den sonnenarmen Monaten eigenstĂ€ndig zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln, um ihren Vitamin-D-Spiegel zu stĂŒtzen. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest fĂŒr die Ausgabe 1/2026 zeigt jedoch erhebliche MĂ€ngel im Marktangebot auf. Von 25 geprĂŒften Vitamin-D-PrĂ€paraten stufte die Verbraucherorganisation den Großteil als zu hoch dosiert ein.

FĂŒnf Produkte erhielten das Urteil „nicht geeignet“, da bei einer langfristigen Einnahme das Risiko von NierenschĂ€den besteht. Lediglich zwei der untersuchten Mittel wurden als geeignet bewertet: das PrĂ€parat „Vitamin D compact“ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 IE sowie „Vital Vitamin D“ von RotkĂ€ppchen mit 400 IE tĂ€glich.

Risiken hochdosierter Mittel und Depot-PrÀparate

Die Ergebnisse decken sich mit den Leitlinien von Fachbehörden. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) empfiehlt fĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel eine maximale Tagesdosis von 20 ”g, was 800 IE entspricht. Bis zu dieser Grenze gilt eine zusĂ€tzliche Aufnahme als unbedenklich.

Bei einer tĂ€glichen Zufuhr ab 4000 IE besteht hingegen die Gefahr einer HyperkalzĂ€mie, also eines ĂŒberhöhten Kalziumspiegels im Blut. Zudem belegte eine Untersuchung aus dem Jahr 2019, dass eine tĂ€gliche Gabe von 4000 oder 10.000 IE ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren zu einer geringeren Knochendichte fĂŒhrte als eine Dosis von 400 IE pro Tag.

Besonders kritisch beurteilt die Stiftung Warentest hochdosierte Depot-PrĂ€parate, die wöchentlich oder monatlich eingenommen werden. Neben hĂ€ufigen Einnahmefehlern bergen diese Produkte eine akute Überdosierungsgefahr. Bei Ă€lteren Menschen können hohe Einzeldosen das Risiko fĂŒr StĂŒrze und KnochenbrĂŒche erhöhen.

Der Internist und Endokrinologe Stephan Scharla unterstrich, dass frei verkĂ€ufliche Wochendepots mit bis zu 10.000 IE keinen nachgewiesenen Nutzen fĂŒr die allgemeine Vorbeugung besitzen. Medizinische Leitlinien bevorzugen die tĂ€gliche Einnahme, da diese in Studien eine stetigere Wirkung zeigte. Hochdosierte Wochendepots seien medizinisch vor allem bei der Behandlung einer Osteomalazie angezeigt.

Versorgungslage und Notwendigkeit von Bluttests

Ein genereller Versorgungsnotstand liegt in der Bevölkerung nicht vor. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt.

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Allerdings weisen 30,2 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren einen Serumspiegel von unter 12 ng/ml auf, was das RKI als mangelhafte Versorgung mit Risiken fĂŒr Rachitis, Osteomalazie und Osteoporose definiert.

Bei Werten zwischen 20 und 50 ng/ml spricht das Institut von einem ausreichenden Niveau, wĂ€hrend ab 50 ng/ml bereits eine Überversorgung drohen kann. Typische Anzeichen einer Überdosierung sind BauchkrĂ€mpfe, Erbrechen sowie im schweren Verlauf Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit.

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass bestimmte Personengruppen ein erhöhtes Risiko fĂŒr eine Unterversorgung tragen. Dazu zĂ€hlen Personen ab 65 Jahren, Menschen mit Adipositas, dunklerem Hauttyp, chronischen Beschwerden an Nieren, NebenschilddrĂŒsen oder im Magen-Darm-Trakt sowie Personen, die sich selten im Sonnenlicht aufhalten.

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Ein labormedizinischer Bluttest zur Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin-D-Werts ist bei begrĂŒndetem Verdacht eine Kassenleistung; fĂŒr Selbstzahler liegen die Kosten ĂŒblicherweise zwischen 20 und 50 Euro.

Fehlende Belege fĂŒr Schutzeffekte gegen Infekte

Auch ĂŒber den Knochenstoffwechsel hinaus werden Vitamin-D-PrĂ€paraten hĂ€ufig gesundheitliche Zusatzeffekte zugeschrieben, die wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Der Zellbiologe und Toxikologe Stephan Barth stellte klar, dass das Immunsystem keine kĂŒnstliche Stimulierung benötigt und Gesunde ohne Risikoprofil nicht von einer routinemĂ€ĂŸigen Supplementierung profitieren. Eine dauerhafte Überaktivierung der Immunabwehr könne sogar Allergien oder Autoimmunreaktionen begĂŒnstigen.

Große Auswertungen bestĂ€tigen dieses Bild: Eine aktualisierte Meta-Analyse von 46 randomisierten kontrollierten Studien mit Daten von 64.086 Personen ergab keinen statistisch signifikanten Schutz durch Vitamin D vor akuten Atemwegsinfektionen. Ebenso wenig eignet sich das Vitamin zur Gewichtsreduktion.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 mit 218 ĂŒbergewichtigen Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren zeigte nach zwölf Monaten Einnahme von 2000 IE tĂ€glich keinen wesentlichen körperlichen Unterschied im Vergleich zur Placebogruppe. Fachleute raten daher von einer unkritischen Selbstmedikation mit hochdosierten Produkten ab.

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