Vitamin D3 nach Herzinfarkt: TARGET-D-Studie zeigt 52 Prozent weniger Rückfälle
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 08:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Gabe von Vitamin D3 nach einem überstandenen Myokardinfarkt kann das Risiko für erneute Herzinfarkte deutlich verringern. Dies zeigen klinische Daten der randomisierten TARGET-D-Studie des US-Gesundheitsdienstleisters Intermountain Health, die nach einer ersten Vorstellung auf der Tagung der American Heart Association im November 2025 am 7. September 2026 im European Heart Journal veröffentlicht wurden.
Der Ansatz verdeutlicht das Potenzial einer laborgestützten Therapie in der kardiologischen Nachsorge, wirft zugleich aber Fragen zu breiteren kardiovaskulären Endpunkten auf.
Signifikante Reduktion erneuter Herzinfarkte
In der TARGET-D-Studie untersuchten die Forscher von Intermountain Health insgesamt 630 Erwachsene nach einem Herzinfarkt. Die Rekrutierungsphase erstreckte sich von April 2017 bis Mai 2023 bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 4,2 Jahren.
Ziel der Intervention war es, den 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut durch wiederholte Kontrollen und individuell angepasste Gaben von Vitamin D3 auf einen Bereich von mehr als 40 bis höchstens 80 ng/ml einzustellen.
Bei der Auswertung zeigte sich ein spürbarer präventiver Effekt: In der gezielt behandelten Patientengruppe traten bei 3,8 Prozent erneute Herzinfarkte auf. In der Kontrollgruppe mit Standardversorgung lag dieser Anteil hingegen bei 7,9 Prozent. Dies entspricht einem rund 52 Prozent geringeren Risiko für ein Folgereignis durch die zielwertgesteuerte Supplementierung.
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Gemischte Gesamtergebnisse und geplante Folgeforschung
Trotz der deutlichen Verringerung isolierter Herzinfarkte war der Einfluss auf übergeordnete Endpunkte weniger eindeutig. Der primäre kombinierte Endpunkt – bestehend aus Gesamtmortalität, erneutem Herzinfarkt, Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz und Schlaganfall – unterschied sich statistisch nicht signifikant zwischen den Gruppen. Er betrug 15,7 Prozent in der Interventionsgruppe gegenüber 18,4 Prozent unter Standardversorgung.
Aufgrund der vielversprechenden Teilbefunde bei gleichzeitigen statistischen Einschränkungen plant Intermountain Health eine größere Folgestudie, um die Wirksamkeit an einer breiteren Kohorte verlässlich zu überprüfen.
Differenzierte Evidenz und offizielle Empfehlungen
Die Ergebnisse reihen sich in ein heterogenes Bild der internationalen Vitamin-D-Forschung ein. Während eine 2024 veröffentlichte Metaanalyse von 35 Studien mit 58.937 Teilnehmenden bei einer Dosis von 800 bis 1.000 IE täglich eine Reduktion von Stürzen nachwies, fand eine Übersichtsarbeit von 2026 mit 153.902 Erwachsenen für Vitamin D allein keinen schützenden Effekt vor Knochenbrüchen.
Auch bei Atemwegsinfektionen ergaben große Analysen – darunter eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 mit über 60.000 Beteiligten – keine signifikante Risikoverringerung durch Nahrungsergänzung.
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Ernährungsgesellschaften betonen deshalb weiterhin den Unterschied zwischen gezielter therapeutischer Behandlung und unkritischer Dauereinnahme. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Erwachsene ohne körpereigene Bildung einen Schätzwert von 20 µg (800 IE) täglich an und nennt einen 25(OH)D-Wert von mindestens 50 nmol/l (20 ng/ml) als Ziel für die Knochengesundheit, rät jedoch von routinemäßigen Tests bei Gesunden ab.
In der Schweiz gilt eine tägliche Gabe von rund 800 IE während der Wintermonate als Option, während die sichere Tageshöchstmenge für Erwachsene bei 100 µg (4.000 IE) liegt. Höhere Dosierungen gelten Fachleuten zufolge ausschließlich bei labordiagnostisch nachgewiesenem Bedarf als sinnvoll.
