Vitamine bei Asthma: Wie Dosierung zwischen Nutzen und Risiko entscheidet
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle medizinische Berichte untersuchen verstärkt, inwieweit bestimmte Vitamine als unterstützende Maßnahme bei Asthma eingesetzt werden können. Im Fokus steht dabei die Frage, ob eine gezielte Supplementierung die Entzündungsprozesse in den Atemwegen reduzieren und damit eine messbare Verbesserung der Lungenfunktion bewirken kann.
Diese Forschungsansätze ergänzen die klinischen Entwicklungen neuer medikamentöser Therapien und präventiver Maßnahmen gegen chronische Atemwegserkrankungen.
Risiken und Dosierung bei Nahrungsergänzungsmitteln
Trotz der potenziellen Vorteile mahnen Fachleute zur Vorsicht bei der eigenständigen Einnahme von Präparaten. Der russische Kinderarzt M. Karpenko von der Universität RUDN wies darauf hin, dass gesunde Kinder in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung der Immunität oder der Lernleistung benötigen. Es gebe keine belastbaren Belege dafür, dass solche Mittel Infekte reduzieren oder die schulischen Leistungen verbessern.
Stattdessen warnt der Mediziner vor den Gefahren einer Überdosierung, insbesondere bei den Vitaminen A und D, die gesundheitliche Schäden verursachen könne. Eine Supplementierung sei demnach nur bei einem ärztlich nachgewiesenen Mangel sinnvoll.
Die Bedeutung der korrekten Dosierung unterstreicht auch eine Untersuchung der Afyon Kocatepe Universität zum Pflanzenstoff Hesperidin. In niedrigen Dosen könne dieser Stoff Lungenkrebszellen vor der Toxizität von Benzo(a)pyren schützen. In hohen Konzentrationen wirke Hesperidin jedoch pro-oxidativ und erhöhe den zellulären Stress. Dies verdeutliche die Komplexität pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel im Kontext der Lungengesundheit.
Fortschritte in der medikamentösen Therapie
Parallel zur Forschung an Mikronährstoffen zeigen klinische Studien Fortschritte bei kombinierten Wirkstofftherapien. In der Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine wurden im Jahr 2026 Ergebnisse der Phase-III-Studien KALOS und LOGOS zum Präparat Breztri Aerosphere veröffentlicht.
Die Untersuchung an über 4.300 Patienten belegt, dass die Kombination aus ICS, LAMA und LABA die Lungenfunktion (FEV1) verbessert und die Rate schwerer Exazerbationen bei Asthma im Vergleich zu anderen Therapien wie Symbicort reduziert. Der Wirkstoff ist bereits in über 80 Ländern für die Behandlung von COPD zugelassen.
Ebenfalls signifikante Ergebnisse lieferte eine Studie der Charité Berlin und des Mukoviszidose e.V. zur Dreifachtherapie ETI (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor). Bei Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren mit Mukoviszidose führte die Behandlung nach drei Monaten zu einer verbesserten Immunabwehr und reduzierten Entzündungswerten.
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Die im Jahr 2024 im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlichte Analyse stützte sich auf Einzelzell-RNA-Sequenzierungen von 13 Patienten.
An der Taipei Medical University wird zudem die Rolle des Interleukin-6 (IL-6) bei schwerem Asthma untersucht, das mit Schäden am Atemwegsepithel assoziiert ist. Da nur etwa ein Drittel der Patienten mit schwerem Asthma eine gute Kontrolle über die Erkrankung erlangt, werden alternative Behandlungswege gesucht.
Ein Medikament, das ursprünglich gegen Darmkrebs entwickelt wurde, zeigte in Versuchen mit Asthmamäusen eine lungenschützende Wirkung; eine entsprechende Phase-2-Studie am Menschen ist bereits eingeleitet.
Umwelteinflüsse und präventive Maßnahmen
Neben der medikamentösen Behandlung rückt die Prävention durch den Schutz vor Umweltfaktoren in den Fokus. Der Pneumologe Fernando Guedes wies darauf hin, dass Rauch von Bränden Partikel mit einer Größe von weniger als 2,5 Mikrometern enthält, die tief in das Lungengewebe und die Blutbahn eindringen können. Er empfiehlt Risikogruppen wie chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen das Tragen von FFP2-Masken sowie die Vermeidung von Aktivitäten im Freien bei hoher Rauchbelastung.
In Australien untersuchten Forscher der Deakin University das Phänomen des sogenannten Gewitter-Asthmas. Laborstudien zufolge erhöhen elektrische Felder bei hoher Luftfeuchtigkeit die Konzentration von Sub-Pollen-Partikeln in der Luft. Ein Ereignis im Jahr 2016 in Melbourne führte zu über 9.000 medizinischen Notfällen und neun Todesfällen. Für Deutschland bestehe laut Experten jedoch keine akute Gefahr durch dieses spezifische Phänomen.
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Präventive Erfolge werden auch im Bereich der Impfstoffe verzeichnet. Eine dänische Studie bestätigte, dass die RSV-Impfung Krankenhauseinweisungen bei älteren Menschen mit Atemwegserkrankungen deutlich reduziert. Der RSV-Impfstoff Arexvy von GSK ist für Personen ab 60 Jahren vorgesehen und wird beispielsweise in Vietnam zu einem Preis von etwa 4.700.000 VND angeboten.
Hürden in der Patientenversorgung
Trotz neuer Therapiemöglichkeiten zeigen statistische Auswertungen Defizite in der Versorgungspraxis. Eine retrospektive Studie aus den USA, die den Zeitraum von 2018 bis 2023 abdeckte, ergab, dass nur 11,9 Prozent der 5.805 geeigneten Patienten mit moderatem bis schwerem Asthma Biologika erhielten.
Besonders auffällig war die niedrige Verschreibungsrate bei Patienten mit Adipositas. Während 60 Prozent der Gesamtkohorte einen BMI von mindestens 30 aufwiesen, erhielten in dieser Gruppe nur 10,4 Prozent die entsprechende Therapie.
Abschließend lieferte das Karolinska-Institut in einer im Jahr 2026 in Frontiers in Allergy veröffentlichten Langzeitstudie mit 30.000 schwedischen Kindern neue Erkenntnisse zur Allergenexposition.
Bei Kindern mit Asthma oder Allergien zeigten sich nach zwei Jahren keine signifikanten Unterschiede in der Schwere der Symptome oder der Häufigkeit von Asthmaanfällen zwischen Haushalten mit oder ohne Katzenhaltung. Die Rate schwerer Verläufe lag bei 9,6 Prozent mit Katzenkontakt gegenüber 10,1 Prozent ohne Kontakt.
