Vitaminwasser: 24 von 35 Produkten überschreiten Vitamin-Grenzwerte
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 13:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch aktuelle Untersuchungen zeigen: Viele Produkte halten nicht, was sie versprechen. Sie sind rechtlich gesehen Erfrischungsgetränke – und können bei regelmäßigem Konsum sogar gesundheitliche Risiken bergen.
Marktcheck offenbart systematische Überdosierung
Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt untersuchte im Mai 2026 insgesamt 35 Vitaminwässer. Das Ergebnis: 24 Produkte überschritten die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Besonders betroffen waren Vitamin B6 und Folsäure.
Bei zwölf Produkten reichte bereits eine einzige Flasche, um die empfohlene Tageszufuhr einzelner Vitamine zu überschreiten. Die Verbraucherschützer warnen vor der Verwechslungsgefahr mit herkömmlichem Mineralwasser. Ihr Rat: Leitungswasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen trinken.
Neue Marken trotzen der Kritik
Trotz der Bedenken wächst der Markt weiter. Die Marke Waldquelle stieg im Frühjahr mit einer eigenen Vitaminwasser-Linie ein. Die Produkte basieren auf Mineralwasser und enthalten Magnesium, B-Vitamine und Selen. Mit 2,4 Gramm Zucker pro 100 Milliliter liegen sie unter klassischen Softdrinks – und verzichten auf künstliche Süßstoffe.
Anders sieht es bei Discounter-Produkten aus. Die Linie „Balance“ von Saskia kommt auf rund 16 Kalorien pro Portion. Das Interesse der Verbraucher an zusätzlicher Nährstoffaufnahme ist ungebrochen: 2025 wurden in Deutschland rund 415 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft.
Süßstoffe unter Verdacht
Viele kalorienreduzierte Vitaminwässer setzen auf Süßstoffe. Eine Metaanalyse der Tufts University aus dem Jahr 2026 untersuchte die Wirkung von Aspartam, Sucralose und Saccharin. In 21 randomisierten Studien zeigte sich: Die Stoffe können das Nüchterninsulin und den HbA1c-Wert erhöhen.
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Das deutet auf eine Verschlechterung der Insulinempfindlichkeit hin. Die Forscher vermuten Veränderungen des Darmmikrobioms als Ursache. Beobachtungsstudien fanden zudem einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Erkrankungen. Ihr Rat: Vorsicht beim regelmäßigen Konsum süßstoffhaltiger Getränke.
Rechtsstreit und Schadstofffunde
Die Branche steht auch juristisch unter Druck. Bereits im September 2024 gab das Landgericht Schleswig-Holstein einer Klage von foodwatch statt. Ein Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln hatte mit unzulässigen Gesundheitsversprechen geworben.
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Doch nicht nur die Inhaltsstoffe sind problematisch. Eine Untersuchung von Öko-Test bei 53 stillen Mineralwässern ergab: Zwei Eigenmarken großer Handelsketten – „Gut & Günstig“ von Edeka und „Naturalis“ von Netto – enthielten krebserregendes Chrom(VI). Sieben Produkte überschritten künftige PFAS-Grenzwerte, die ab 2026 für Trinkwasser gelten.
Fazit: Finger weg von der Schein-Gesundheit
Vitaminwasser suggeriert Bequemlichkeit und Gesundheit. Die Realität sieht anders aus: unkontrollierte Nährstoffaufnahme, mögliche Süßstoff-Risiken und teils problematische Wasserqualität. Das BfR warnte zudem im Juli 2026, dass selbst bei Energydrinks mit ähnlichen Vitaminmischungen bei chronisch hohem Konsum Symptome wie Herzrasen und Schlafstörungen auftreten können.
Die Botschaft der Fachleute ist klar: Eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln bleibt der bessere Weg – statt zur Flasche mit Vitaminen zu greifen.
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