Voice-Phishing, Kriminelle

Voice-Phishing: 14 Kriminelle aus Kasachstan ausgeliefert

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Ermittler zerschlagen Betrugsnetzwerke in Kasachstan, Sri Lanka und der Ukraine. Die Behörden melden Festnahmen und hohe Schadenssummen.

Voice-Phishing-Ring zerschlagen: Rückführung von 14 Verdächtigen aus Kasachstan abgeschlossen
Ein leerer, schwach beleuchteter Büroraum mit Reihen von Kabinen und verstreuter technischer Ausrüstung, die ein zerschlagenes Betrugszentrum darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Südkoreanische und kasachische Behörden haben die Rückführung von 14 mutmaßlichen Mitgliedern einer internationalen Voice-Phishing-Bande abgeschlossen. Der Fall zeigt einen wachsenden Trend: Organisierte Cyberkriminelle verlagern ihre Aktivitäten zunehmend aus Südostasien nach Zentralasien, Sri Lanka und Osteuropa – ein Phänomen, das Ermittler als „Ballon-Effekt“ bezeichnen.

Operation „Needle“: Schlag gegen kriminelles Netzwerk in Almaty

Am 5. August bestätigten die Behörden beider Länder den Abschluss der Überstellungsverfahren für die 14 in Almaty festgenommenen Südkoreaner. Sie gehörten zu einer 19-köpfigen Bande, die im Rahmen der Operation „INE“ – auch „Needle“ genannt – zerschlagen wurde. Bei der gemeinsamen Razzia am 23. Juli gab es 14 Festnahmen in Kasachstan und fünf weitere in Südkorea.

Die Ermittlungen förderten eine bemerkenswerte Reiseroute zutage: Die Bande hatte ihre Basis zunächst in Sihanoukville (Kambodscha), wechselte dann nach Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam, bevor sie sich im April 2026 in Almaty niederließ. Die Masche: Voice-Phishing, also betrügerische Anrufe, mit denen die Täter ihre Opfer um Geld brachten. Bislang sind 16 Geschädigte mit einem Schaden von umgerechnet rund 600 Millionen Won (etwa 421.000 Euro) bekannt – die Ermittler vermuten jedoch, dass die Gesamtschäden in die Milliarden gehen könnten.

Der mutmaßliche Anführer und zwei Manager – ethnisch koreanische Chinesen – konnten offenbar nach China fliehen. Gegen sie liegen nun Interpol-Rotnotizen vor.

Sri Lanka: Neues Ziel für kriminelle Netzwerke

Auch Sri Lanka rückt ins Visier der Ermittler. Die Behörden des Inselstaates melden mehr als 1.000 Festnahmen von Ausländern im Zusammenhang mit Cyberkriminalität in den vergangenen Monaten. Ein besonders drastischer Fall ereignete sich am 23. Juli in Karandana: Dort wurde ein chinesischer Staatsbürger ermordet aufgefunden – mit mehreren gefälschten Pässen bei sich. Der Fall zeigt, wie professionell diese Netzwerke mit falschen Dokumenten arbeiten.

Warum ausgerechnet Sri Lanka? Ermittler nennen drei Gründe: großzügige Visabestimmungen, lax regulierte SIM-Karten und frische ausländische Investitionen, die die Infrastruktur verbessert haben.

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Osteuropa: Callcenter in Kiew aufgeflogen

In Osteuropa gelang ukrainischen und tschechischen Ermittlern ein weiterer Schlag: Sie zerschlugen ein betrügerisches Callcenter in Kiew, das zwischen 2022 und 2025 tschechische Bürger mit erfundenen Krypto-Investmentschemen köderte. Zehn Mitarbeiter gelten als Tatverdächtige – der verursachte Schaden übersteigt 8,4 Millionen ukrainische Griwna (rund 190.000 Euro).

Die wachsende Bedrohung: KI, Massenbeschlagnahmen und gezielte Festnahmen

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) warnt vor einer globalen Krise. Die Zahlen sind alarmierend: Die USA meldeten 2024 Verluste von zehn Milliarden Dollar durch Betrugsmaschen aus Südostasien, Kanada verzeichnete 2025 Schäden von 704 Millionen kanadischen Dollar.

Die Bekämpfung läuft auf mehreren Ebenen:

Künstliche Intelligenz: OpenAI meldet, dass kambodschanische Betrugszentren in Poipet versucht haben, ChatGPT zur Erstellung von Ködermeldungen zu nutzen – für Investment-, Liebes- und Polizei-Betrugsmaschen. Interpol schätzt, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Cyberkriminalität in Afrika KI-Komponenten enthält.

Massenbeschlagnahmungen: Ende Juli führte das FBI die Operation „Blackout“ durch, bei der vier große Betrugskomplexe zerschlagen wurden. Das Ergebnis: 276 Festnahmen und beschlagnahmte Vermögenswerte im Wert von 15,2 Milliarden Dollar – darunter rund 127.000 Bitcoin im Wert von acht Milliarden Dollar.

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Gezielte Festnahmen: Am 4. August nahmen thailändische Behörden in Phuket einen Schweden fest, der von Interpol gesucht wurde. Er soll an einer Callcenter-Betrugsmasche beteiligt gewesen sein, die über 160 betrügerische Transaktionen einen Schaden von 60 Millionen thailändischen Baht (rund 1,6 Millionen Euro) verursachte.

300.000 Menschen in Betrugszentren verschleppt

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit bis zu 300.000 Menschen in diese Betrugskomplexe verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurden. Die Netzwerke wählen ihre Standorte strategisch: Sie suchen Regionen mit robuster IT-Infrastruktur und guten Fluchtwegen über Land – Kasachstan ist dafür ein Paradebeispiel. Internationale Ermittler fordern deshalb eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um den Syndikaten sowohl ihre finanziellen als auch ihre operativen Grundlagen zu entziehen.

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