Voice-Phishing: Südkorea entschädigt erstmals Krypto-Verluste ab Oktober
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die südkoreanische Finanzaufsichtsbehörde Financial Supervisory Service (FSS) hat ein umfangreiches Projekt zur Reform des nationalen Entschädigungssystems für Finanzbetrug eingeleitet. Ein zentraler Bestandteil dieser Neuausrichtung ist die Einbeziehung von Kryptowährungsverlusten, die durch sogenanntes Voice-Phishing entstehen. Ab Oktober sollen betroffene Verbraucher erstmals die Möglichkeit erhalten, Rückzahlungen für entwendete digitale Vermögenswerte zu beantragen.
Technisches Upgrade und neue Berechnungslogik
Für die Umsetzung der Systemreform ist ein technologisches Upgrade vorgesehen, dessen Kosten auf 118,53 Millionen Won beziffert werden. Die entsprechenden Arbeiten sollen im September beginnen und bis November andauern, wobei die technische Betriebsbereitschaft bereits für Ende September angestrebt wird. Die rechtliche Grundlage für diese Anpassungen bildet eine Gesetzesrevision vom 31. März.
Mit der Einführung des neuen Systems ändert sich auch die Methodik der Schadensberechnung grundlegend. Während bisher feste Won-Beträge als Basis dienten, sieht das reformierte Modell eine flexible Entschädigungsquote vor. Diese berücksichtigt die Art und die Menge der entwendeten virtuellen Vermögenswerte sowie deren Gegenwert in Won zu dem spezifischen Zeitpunkt, an dem die Zahlungssperre für die betroffenen Konten verhängt wurde.
Erweiterte Pflichten für Krypto-Börsen
Im Zuge der Reform werden große südkoreanische Handelsplattformen für digitale Assets stärker in die Pflicht genommen. Börsen wie Upbit, Bithumb, Coinone, Korbit und GOPAX müssen künftig Präventions- und Opferhilfepflichten erfüllen, die mit den regulatorischen Anforderungen für klassische Bankhäuser vergleichbar sind. Damit reagiert die Aufsicht auf die zunehmende Verlagerung krimineller Aktivitäten in den Bereich der Krypto-Assets.
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Hintergrund dieser Maßnahme ist die besorgniserregende Entwicklung der Kriminalitätsstatistik. Laut FSS-Daten stiegen die durch Telekommunikation gestützten Betrugsverluste im Jahr 2025 um 14,1 % auf insgesamt 433,8 Milliarden Won. Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung bei der Krypto-Geldwäsche: Während im gesamten Jahr 2025 lediglich 8 Fälle registriert wurden, stieg diese Zahl im ersten Halbjahr 2026 auf 1.214 Fälle an. Dies entspricht einem mehr als 150-fachen Anstieg. Branchenanalysen zufolge entfielen zuletzt 79,4 % der Krypto-Kriminalität auf Geldwäscheaktivitäten.
Neue Betrugsmaschen und präventive Maßnahmen
Die Finanzaufsicht warnt in diesem Zusammenhang vor einer spezifischen Form des Voice-Phishings, bei der Kriminelle vermeintliche Kreditangebote nutzen, um Zugriff auf Bankverbindungen von Personen mit geringer Bonität zu erhalten. Die Täter nutzen diese Konten, um Geschenkgutscheine zu erwerben, diese in Bargeld und anschließend in Kryptowährungen umzuwandeln, die schließlich ins Ausland transferiert werden. In einem dokumentierten Fall sollen 23 Verdächtige zwischen Februar 2024 und April 2025 digitale Vermögenswerte im Wert von 11,1 Millionen US-Dollar für eine in Kambodscha ansässige Phishing-Gruppe gewaschen haben.
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Um den Missbrauch von Bankkonten zu erschweren, hat die FSS das Kauflimit an Automaten von bisher 5 Millionen Won auf 1 Million Won pro Transaktion und Tag gesenkt. Zudem wird betont, dass die Weitergabe von Bankkonten an Dritte kein Kavaliersdelikt ist: Hierfür können Haftstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen in Höhe von 30 Millionen Won (ca. 21.600 US-Dollar) verhängt werden. Allein im Jahr 2025 gingen bei der Behörde 36.684 Verdachtsmeldungen ein.
Parallel zu den verstärkten Sicherheitsbemühungen gibt es Bestrebungen auf politischer Ebene, den steuerlichen Rahmen für Kryptowährungen anzupassen. Ein Abgeordneter schlug kürzlich vor, die Einführung der geplanten Krypto-Steuer von 2027 auf das Jahr 2030 zu verschieben.
