VoLTE-Lücke, Geheimdienste

VoLTE-Lücke: Geheimdienste lesen IMEI in deutschen Mobilfunknetzen

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das BfV sieht ein hohes Risiko durch ungeschützte VoLTE-Daten. Telekom, Vodafone und O2 arbeiten an Korrekturen gegen den Abfluss.

BfV warnt vor VoLTE-Lücke in deutschen Mobilfunknetzen
Ein Mobilfunkmast bei Dämmerung als Symbol für die Netzwerkinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft eine neu entdeckte Schwachstelle in den deutschen Mobilfunknetzen als erhebliches Sicherheitsrisiko ein. Nach Einschätzung der Behörde ist mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ausländische Geheimdienste diese technische Lücke bereits aktiv ausnutzen.

Im Fokus stehen dabei Informationen, die über den Standard Voice over LTE (VoLTE) ungeschützt übertragen werden und die Identifizierung sowie Lokalisierung von Mobilfunkgeräten ermöglichen.

Grundlage dieser Warnung ist eine aktuelle Sicherheitsuntersuchung des Bayerischen Rundfunks (BR), die erhebliche Mängel in der Architektur von VoLTE-Anrufen aufdeckt. Die Untersuchung zeigt, dass sensible Gerätedaten übertragen werden, noch bevor ein Gespräch überhaupt angenommen wird. Betroffen sind nachweislich die Netze der großen deutschen Betreiber Telekom, Vodafone und O2.

Identifikationsnummern über SIP-Header auslesbar

Die Schwachstelle ermöglicht es potenziellen Angreifern, die eindeutige Seriennummer eines Mobiltelefons (IMEI) sowie das spezifische Gerätemodell und die Version des installierten Betriebssystems zu extrahieren.

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Dieser Datentransfer erfolgt über sogenannte SIP-Header innerhalb des Verbindungsaufbaus von VoLTE-Anrufen. Laut den vorliegenden Berichten verletzt diese Praxis die internationalen Standards der Internet Engineering Task Force (IETF), namentlich die Richtlinien RFC 7254 und RFC 7255.

Die Tragweite der Sicherheitslücke wurde durch mehr als 70 Testanrufe innerhalb Deutschlands belegt. Dabei gelang es den Testern, die entsprechenden Datensätze bei allen drei großen Netzbetreibern abzugreifen. Besonders brisant ist die Tatsache, dass die Datenübermittlung passiv erfolgt: Der Angerufene muss das Gespräch nicht entgegennehmen, damit die Informationen zum Anrufer abfließen.

Betroffene Amtsträger und globale Reaktionen

Dass die Schwachstelle nicht nur theoretischer Natur ist, zeigt ein konkreter Fall aus dem politischen Umfeld. Im Rahmen der Testanrufe konnte die IMEI des Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter erfolgreich extrahiert werden. Dies unterstreicht die Warnung des Verfassungsschutzes, wonach insbesondere Personen in sicherheitsrelevanten Funktionen durch die Preisgabe ihrer Gerätedaten zum Ziel staatlicher Akteure werden könnten. Die IMEI dient unter anderem dazu, Bewegungsprofile zu erstellen oder gezielte Überwachungsmaßnahmen auf ein bestimmtes Endgerät zuzuschneiden.

Die Entdeckung hat bereits internationale Konsequenzen nach sich gezogen. Der Branchenverband GSMA, der die Interessen von Mobilfunkbetreibern weltweit vertritt, hat reagiert und einen Notfall-Alarm an mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen weltweit herausgegeben. Damit wird das Ausmaß der Problematik über die deutschen Landesgrenzen hinaus als kritisch eingestuft.

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Die deutschen Mobilfunkbetreiber haben die Existenz der Schwachstelle anerkannt. Telekom, Vodafone und O2 haben bereits mit der Implementierung von Korrekturmaßnahmen (Fixes) begonnen, um die unzulässige Übertragung der IMEI und weiterer Gerätedaten in ihren Netzen zu unterbinden.

Inwieweit diese Maßnahmen den unkontrollierten Datenabfluss bereits vollständig unterbinden, bleibt Gegenstand der laufenden Beobachtung durch Sicherheitsbehörden und Branchenexperten.

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