Import, Zölle

Abgabe auf Importe von Billigwaren in EU

12.12.2025 - 12:43:56 | dpa.de

Von Online-HĂ€ndlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co. kommen unzĂ€hlige Pakete in die EU. Um die Paketflut einzudĂ€mmen, soll es fĂŒr die Importeure nun teurer werden - und somit auch fĂŒr Verbraucher?

Ob gĂŒnstige Produkte durch die neuen Vorgaben der EU teurer werden, dĂŒrfte abzuwarten bleiben. - Foto: Hannes P Albert/dpa

Die EU erhöht im Kampf gegen unerwĂŒnschte Billigimporte die Importkosten. Die Mitgliedsstaaten verstĂ€ndigten sich darauf, dass jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro ab Juli 2026 mit einer Abgabe in Höhe von drei Euro belegt ist.

Die von den Finanzministern der EU bei einem Treffen in BrĂŒssel beschlossene Vorgabe dĂŒrfte etwa Online-HĂ€ndler wie Shein, Temu, AliExpress oder auch Amazon betreffen. Erhoben werden soll die Abgabe von den nationalen Zollbehörden. Bislang können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro zollfrei in die Staatengemeinschaft eingefĂŒhrt werden.

Abgabe ist Zwischenlösung 

Die neue Abgabe ist allerdings nur vorĂŒbergehend geplant, denn kĂŒnftig sollen alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sein. Ob gĂŒnstige Produkte dadurch teurer werden, ist noch unklar. Theoretisch könnten auch die Produzenten oder Importeure die Mehrkosten ĂŒbernehmen.

Der Online-Handel hat in den vergangenen Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die EU gefĂŒhrt. Laut EU-Kommission kamen 2024 tĂ€glich rund zwölf Millionen Pakete in der EU an - deutlich mehr als in den beiden Vorjahren. 

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagt: «Wir wollen unsere MĂ€rkte vor einer Flut an Ramschware schĂŒtzen, die keinerlei QualitĂ€tsstandards genĂŒgt und unserem Einzelhandel schadet.» Die Zahl der Zollabfertigungen im Online-Handel habe sich allein im letzten Jahr mehr als vervierfacht, die absolute Mehrheit dieser Pakete komme aus China. «Es geht hierbei immer mehr um Billigprodukte und FĂ€lschungen, die gesundheitsschĂ€dlich sind oder keine Sicherheitsstandards einhalten.»

Freigrenze soll ab 2028 abgeschafft werden

Im November hatten sich die EU-Staaten darauf verstĂ€ndigt, die derzeit geltende 150-Euro-Freigrenze abzuschaffen. Die von der Bundesregierung unterstĂŒtzte neue Regelung soll aber erst von 2028 an gelten, wenn auch eine digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start gehen soll. Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll etwa sichergestellt werden, dass alle HĂ€ndler – unabhĂ€ngig von ihrem Standort – die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt betont, er sei bemĂŒht, in der EuropĂ€ischen Union zu vermeiden, dass es unfaire Handelspraktiken gebe. Man sehe derzeit einen systematischen Missbrauch der Zollfreiheit von 150 Euro pro PĂ€ckchen in Deutschland, durch massenhafte Sendungen vor allem aus China. Der gewaltige Missbrauch der Freigrenzen mĂŒsse gestoppt werden.

Kampf gegen Betrug

Zudem soll mit den neuen Vorgaben Betrug angegangen werden: Der EuropÀischen Kommission nach wird SchÀtzungen zufolge bei 65 Prozent der in die EU geschickten Pakete bewusst ein zu niedriger Wert in der Zollanmeldung angegeben, um die Befreiung in Anspruch zu nehmen. Das wirkt sich der Behörde zufolge nachteilig auf EU-Unternehmen aus, die nicht mit den entsprechend niedrigeren Verkaufspreisen konkurrieren können - insbesondere kleine und mittlere Unternehmen.

Außerdem sei die Befreiung fĂŒr Importeure ein Anreiz, grĂ¶ĂŸere Bestellungen beim Versand in die EU auf kleinere Pakete aufzuteilen, so die Kommission. Das trage weiter zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen fĂŒr europĂ€ische Unternehmen bei und verursache darĂŒber hinaus unter anderem VerpackungsmĂŒll.

EU-Kommission erwÀgt weitere Abgabe

Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, nannte die Maßnahmen der EU erste Schritte, um die Paketflut einzudĂ€mmen. «Außerdem mĂŒssen Online-MarktplĂ€tze grundsĂ€tzlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie unsichere oder gefĂ€hrliche Produkte vertreiben», forderte sie weiter. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest habe kĂŒrzlich wieder gezeigt, dass besonders Produkte im Preissegment unter 150 Euro hĂ€ufig nicht den EU-Regelungen entsprĂ€chen, mahnte Pop.

Neben der beschlossenen vorĂŒbergehenden Abgabe und der Zollpflicht ab 2028 auch fĂŒr gĂŒnstige Produkte erwĂ€gt die EU-Kommission Berichten zufolge angesichts der rasant steigenden Zahl von Paketen aus Drittstaaten eine Pauschalabgabe von bis zu zwei Euro auf entsprechende Bestellungen.

Shoppingportale bei Verbrauchern beliebt

Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden tÀglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt. Der Umsatz der beiden Portale in Deutschland lag 2024 demnach zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen Jahr mehr als 14 Millionen Menschen hierzulande bei Temu und Shein ein.

Die beiden Shoppingportale erfreuen sich bei Verbrauchern großer Beliebtheit. Laut einem aktuellen Ranking des Handelsforschungsinstituts EHI war Shein 2024 bereits der siebtgrĂ¶ĂŸte Onlineshop in Deutschland. Temu belegt bei den MarktplĂ€tzen den 4. Rang.

Die beschlossene Abgabe bezeichnet der Verband als wichtige Maßnahme. «Die gemeinsame, europĂ€ische Maßnahme zeigt DrittstaatenhĂ€ndlern, dass sie mit ihren RegelverstĂ¶ĂŸen in der gesamten EU nicht lĂ€nger durchkommen. Diese Geschlossenheit sendet ein starkes Signal in die Welt», so HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen.

Temu ist ein Online-Marktplatz, auf dem zahlreiche Unternehmen verschiedene Waren verkaufen. Das chinesische Unternehmen ist seit FrĂŒhjahr 2023 in Deutschland aktiv und sorgt immer wieder mit Minipreisen und hohen Rabatten fĂŒr Aufsehen. Produkte werden hĂ€ufig direkt vom Hersteller zum Kunden geliefert. Der in China gegrĂŒndete und heute in Singapur ansĂ€ssige Modekonzern Shein ist sowohl Hersteller, HĂ€ndler als auch Marktplatz.

Online-Shops umstritten

Beide Anbieter sind umstritten. Politiker, Handelsvertreter und VerbraucherschĂŒtzer monieren unter anderem ProduktqualitĂ€t, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern eine strengere Regulierung und besseren Schutz beim Online-Einkauf.

In Frankreich geriet Shein zuletzt vermehrt ins Visier der Öffentlichkeit. Nachdem bekannt geworden war, dass bei dem Online-HĂ€ndler Sexpuppen mit kindlichem Aussehen angeboten wurden und Waffen vertrieben werden sollen, leitete die französische Regierung ein Verfahren gegen die Plattform ein. Im Zuge dessen kĂŒndigte die Regierung an, am Pariser Flughafen 200.000 Shein-Pakete zu kontrollieren. Shein will mit den Behörden zusammenarbeiten.

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