Vorhofflimmern: Apple Watch entdeckte 21 FĂ€lle, 57 Prozent ohne Symptome
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deForscher und Mediziner setzen verstĂ€rkt auf Smartphone-basierte Sensorsysteme und am Körper getragene Technologien, um unregelmĂ€Ăige HerzschlĂ€ge bei Risikopatienten frĂŒhzeitig zu identifizieren. Vorhofflimmern gilt als die hĂ€ufigste anhaltende Herzrhythmusstörung im Alter und stellt einen wesentlichen Risikofaktor fĂŒr ischĂ€mische SchlaganfĂ€lle dar.
Da die Arrhythmie oft ohne erkennbare Symptome oder nur intermittierend auftritt, eröffnen digitale Erfassungsmethoden neue diagnostische AnsÀtze, werfen im klinischen Alltag jedoch auch Herausforderungen hinsichtlich Fehlalarmen und PraktikabilitÀt auf.
Klinische Studien zur mobilen RhythmusĂŒberwachung
Die Möglichkeiten und Grenzen kombinierter Sensorsysteme verdeutlicht die in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte randomisierte Studie CARE-DETECT.
Bei 150 Hochrisikopatienten in Finnland, die sich kardialen Eingriffen unterzogen hatten, verglich die Untersuchung eine Standardversorgung mit einer Interventionsgruppe. Diese nutzte einen Bettsensor namens EMFIT QS fĂŒr die nĂ€chtliche Ăberwachung sowie die Smartphone-App CardioSignal mit zwei tĂ€glichen Aufzeichnungen.
Innerhalb von drei Monaten wurden in der Interventionsgruppe sechs neue FÀlle von Vorhofflimmern registriert (7,7 Prozent), wÀhrend in der Kontrollgruppe kein Fall entdeckt wurde.
Gleichzeitig offenbarte das Projekt HĂŒrden: Der Bettsensor allein löste keine Detektion aus, erzeugte aber bei drei bestĂ€tigten FĂ€llen Alarme, wĂ€hrend die Smartphone-Anwendung das Vorhofflimmern in drei FĂ€llen zuerst anzeigte.
Der positive Vorhersagewert lag bei 15,4 Prozent, was bedeutet, dass etwa eine von sieben Warnungen zutraf und fast die HĂ€lfte aller Alarme falsch positiv ausfiel. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass der Ansatz in dieser Form derzeit nicht klinisch praktikabel sei und kĂŒnftige Forschung Fehlalarme weiter reduzieren mĂŒsse.
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Erfolgreichere Ergebnisse bei der Erkennung asymptomatischer Arrhythmien zeigte eine bei JACC Journals veröffentlichte Untersuchung des Amsterdam UMC. Ăber sechs Monate hinweg wurden 437 Personen ab einem Alter von 65 Jahren mit erhöhtem Schlaganfallrisiko beobachtet.
In der Gruppe von 219 Teilnehmenden, die eine Apple Watch rund zwölf Stunden pro Tag trugen, gab es 21 Diagnosen von Vorhofflimmern â 57 Prozent davon verliefen symptomlos. Im Kontrollarm mit 218 Personen und Standardversorgung wurden lediglich fĂŒnf Diagnosen gestellt, die ausnahmslos mit Symptomen einhergingen.
Der Kardiologe Michiel Winter wies darauf hin, dass die photoplethysmographische und elektrokardiographische Funktion helfe, unerkannte Arrhythmien schneller festzustellen, was potenziell das Schlaganfallrisiko und Kosten senken könne.
Optimierung von BehandlungsablÀufen und Notfallerkennung
Ăber das reine Screening hinaus belegen klinische Daten einen Nutzen mobiler Sensorik in der Therapieorganisation. Eine in JAMA Cardiology veröffentlichte Studie von Forschern des Karolinska Institutet und des Danderyd Hospital untersuchte das CORAI-Smartphone-Monitoring auf PPG-Basis im hĂ€uslichen Umfeld.
Bei den Teilnehmern mit einem Median-Alter von 70 Jahren und hoher Smartphone-Verbreitung sanken kurzfristig abgesagte Kardioversionen am selben Behandlungstag auf 4,8 Prozent in der Interventionsgruppe, verglichen mit 23,2 Prozent in der Kontrollgruppe.
VerspĂ€tete Absagen infolge einer spontanen Normalisierung des Herzrhythmus gingen von 18,2 Prozent auf 1,0 Prozent zurĂŒck, was einer relativen Risikoreduktion von 94,7 Prozent entspricht.
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FĂŒr akute NotfĂ€lle evaluierte das Radboud University Medical Center in Nijmegen im Rahmen der Studie DETECT-1b ein intelligentes PPG-Armband. Bei 49 Erwachsenen wurden im kontrollierten klinischen Setting vorĂŒbergehend lebensbedrohliche Arrhythmien induziert.
Bei 59 Episoden eines defibrillierbaren Herzstillstands erkannte das GerÀt 92 Prozent der FÀlle korrekt, darunter 100 Prozent bei Kammerflimmern und 90 Prozent bei pulsloser Kammertachykardie.
Ăber 125 Stunden Aufzeichnung fielen neun Fehlalarme an. Dr. Judith Bonnes merkte an, dass das Armband als digitaler Zeuge die Hilfeleistung beschleunigen könne, wenngleich die Alltagstauglichkeit auĂerhalb des klinischen Rahmens noch ungeprĂŒft bleibe.
Diagnosegrenzen und Debatte um das Screening
Neben Smartwatches und ArmbĂ€ndern zeichnen Handheld-EKG-GerĂ€te HerzaktivitĂ€ten binnen Sekunden auf und leiten Daten an Mobiltelefone weiter. Wie Fachmediziner betonen, sind mobile Einkanal-Systeme nĂŒtzlich fĂŒr das Erfassen sporadischer Symptome, erreichen aber nicht die Genauigkeit eines klinischen Zwölf-Kanal-EKGs und können weder Durchblutungsstörungen wie Herzinfarkte verlĂ€sslich erkennen noch Herzkrankheiten bei unauffĂ€lligen Messwerten sicher ausschlieĂen. Zudem reagieren sie empfindlich auf Bewegungsartefakte oder Feuchtigkeit.
Ein systematisches Review randomisierter Studien im Fachblatt BMC Cardiovascular Disorders hĂ€lt fest, dass medizinische Leitlinien opportunistische Kontrollen bei Routinekontakten ab 65 Jahren teils befĂŒrworten, ein flĂ€chendeckendes systematisches Screening jedoch umstritten bleibt.
Weiterhin ungeklÀrt ist, in welchem Ausmaà der breite Einsatz mobiler Sensoren bei bislang beschwerdefreien Personen die langfristige Schlaganfallrate und GesamtmortalitÀt tatsÀchlich senkt.
