Vorhofflimmern, Herzstiftung

Vorhofflimmern: Herzstiftung empfiehlt frühe Ablation nach der Diagnose

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt eine frühe Ablation; Bewegung und Pulskontrollen ergänzen die Vorbeugung und Früherkennung.
Ein steriler, moderner Behandlungsraum in einer Klinik mit einem ausgeschalteten medizinischen Monitor. Illustration mit AI erstellt.

Bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern gewinnt ein rasches therapeutisches Handeln zunehmend an Bedeutung. Nach Empfehlung der Deutschen Herzstiftung sollte Betroffenen frühzeitig eine Katheterablation angeboten werden, um schwerwiegende Komplikationen wie einen Schlaganfall oder eine Herzschwäche zu vermeiden.

Die Rhythmusstörung ist in der Bevölkerung weit verbreitet: Über 1,6 Mio. Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern, wobei etwa jeder zehnte über 70-Jährige betroffen ist.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Früherkennung, da bis zu 50 % der über 1,6 Mio. Betroffenen in Deutschland vollkommen symptomlos sind. Dennoch entwickelt mehr als ein Drittel der Vorhofflimmer-Patienten langfristig eine Herzinsuffizienz.

Hohe Erfolgsquoten durch moderne Katheterverfahren

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung ist die Katheterablation nachweisbar effektiver als eine rein medikamentöse Therapie. Bei der Erstablation wird inzwischen überwiegend die neuere Pulsed Field Ablation (PFA) eingesetzt, die mit elektrischen Spannungsfeldern von bis zu 2000 Volt arbeitet.

Die Erfolgsquote nach einer einmaligen Ablation liegt bei 70–90 % bei paroxysmalem und bei 50–60 % bei persistierendem Vorhofflimmern. Von dem minimalinvasiven Eingriff profitieren besonders Patienten mit bereits eingeschränkter Pumpfunktion beziehungsweise Herzschwäche.

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Schlaganfallrisiko und medikamentöse Absicherung

Die Unterbrechung der störenden Reizleiterbahnen spielt auch für die Reduktion neurologischer Folgeschäden eine zentrale Rolle. Nach aktuellen Annahmen sind 20–30 % aller Schlaganfälle durch Vorhofflimmern bedingt.

Der ischämische Schlaganfall macht dabei 80–85 % aller Schlaganfälle aus. Ab einem Wert von 2 Punkten im Risiko-Score CHA2DS2-VA empfiehlt die Deutsche Herzstiftung den Schutz durch orale Gerinnungshemmer, konkret durch DOAK wie Dabigatran, Apixaban, Edoxaban oder Rivaroxaban.

Bei akuten Schlaganfall-Symptomen muss sofort der Notruf 112 verständigt werden. Ein Ruhepuls von über 100 Schlägen pro Minute oder ein anhaltend unregelmäßiger Herzschlag erfordern zudem eine ärztliche Abklärung.

Prävention durch Lebensstil und digitale Hilfsmittel

Neben medizinischen Interventionen ist die Lebensführung entscheidend für das Fortschreiten der Erkrankung. Bei etwa 60 % der Patienten mit langjährigem Vorhofflimmern liegt zugleich Bluthochdruck vor. Ein inaktiver Lebensstil erhöht das Vorhofflimmer-Risiko um das 2,5-Fache.

Regelmäßige moderate Aktivität kann das Erkrankungsrisiko im Vergleich zu inaktiven Personen senken – um ca. 10 % bei Frauen und um ca. 20 % bei Männern. Als Bewegungspensum werden 30 Minuten an mindestens fünf Tagen pro Woche empfohlen, was mindestens 150 Minuten wöchentlich entspricht.

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Dagegen steht ein extremes Ausdauertraining von mehr als 8 Stunden pro Woche bei Männern im Verdacht, möglicherweise langfristig ein erhöhtes Risiko zu begünstigen.

Bei der Überwachung kommen vermehrt digitale Sensoren zum Einsatz. Wearables mit 1-Kanal-EKG oder PPG erkennen Vorhofflimmern mit über 90 % Treffsicherheit. Fachärzte weisen jedoch darauf hin, dass diese Geräte lediglich als Frühwarnsystem dienen und eine ärztliche Diagnose mittels 12-Kanal-EKG keinesfalls ersetzen.

Zudem können sie weder einen Herzinfarkt noch lebensbedrohliche bösartige Rhythmusstörungen erkennen. Für Personen über 65 Jahre mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit sowie allgemein für alle über 75-Jährigen wird daher eine tägliche manuelle Pulsmessung empfohlen. Ein normaler Ruhepuls liegt im Bereich von 60–80 Schlägen pro Minute.

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