Vorhofflimmern, Netzhaut-Scan

Vorhofflimmern: Netzhaut-Scan erkennt Risiko vier Jahre frĂŒher

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 09:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DĂŒnnere Netzhautschichten standen Jahre vor spĂ€terem Vorhofflimmern mit einem höheren Risiko in Verbindung, ersetzen laut Forschern aber kein EKG.

Netzhaut-Scan zeigt erhöhtes Risiko fĂŒr spĂ€teres Vorhofflimmern
Detailaufnahme des menschlichen Augenhintergrunds mit komplexen GefĂ€ĂŸstrukturen und Netzhautgewebe. Illustration mit AI erstellt.

VerĂ€nderungen an den feinen Strukturen des Augenhintergrunds könnten kĂŒnftig neue Hinweise auf kardiovaskulĂ€re Risiken liefern. Eine Untersuchung des University College London (UCL) und des Moorfields Medical Center, die am 17. September 2026 in der Fachzeitschrift PLOS Digital Health publiziert wurde, zeigt einen Zusammenhang zwischen der Dicke bestimmter Netzhautschichten und dem Auftreten von Vorhofflimmern.

Bei Betroffenen erwiesen sich die Makula-Ganglienzellen sowie die sogenannte mGCIPL-Schicht als messbar dĂŒnner. Bemerkenswert ist dabei der zeitliche Vorlauf: Bei Personen, die im Verlauf der Beobachtung erkrankten, zeigte sich die VerdĂŒnnung im Schnitt bereits vier Jahre vor einer stationĂ€ren Krankenhauseinweisung.

Umfangreiche Datenbasis aus zwei großen Kohorten

FĂŒr die Forschungsarbeit analysierte das Team hochauflösende Netzhautscans von rund 90.000 Menschen. Die Daten stĂŒtzten sich auf zwei getrennte Erhebungen: die AlzEye-Kohorte mit 50.651 Personen sowie die UK Biobank mit 39.539 Teilnehmenden.

In beiden Gruppen spiegelte sich die strukturelle VerĂ€nderung des Gewebes wider. Bei bereits diagnostiziertem Vorhofflimmern fiel die mGCIPL-Schicht in der AlzEye-Kohorte im Durchschnitt um 1,96 Mikrometer dĂŒnner aus als bei Vergleichspersonen. In den DatensĂ€tzen der UK Biobank betrug die gemessene Differenz durchschnittlich 1,19 Mikrometer.

Statistische Risiken im Langzeitverlauf

Die Auswertung der prospektiven Verlaufsdaten verdeutlicht das Potenzial fĂŒr eine frĂŒhzeitige RisikoabschĂ€tzung. Aus einer Gruppe von 39.013 Personen, die zu Beginn der Messungen keine kardialen Rhythmusstörungen aufwiesen und im Schnitt ĂŒber einen Zeitraum von 10,3 Jahren begleitet wurden, entwickelten 838 Teilnehmer im spĂ€teren Verlauf ein Vorhofflimmern. Diese Diagnosen traten im Mittel etwa vier Jahre nach der initialen Netzhautaufnahme auf.

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Was Ihr Auge ĂŒber Ihr Herz verrĂ€t, ist erstaunlich: Forscher fanden heraus, dass bestimmte Netzhautschichten bei Menschen mit Vorhofflimmern messbar dĂŒnner sind — im Schnitt bereits vier Jahre vor einer Krankenhauseinweisung. Das bedeutet nicht, dass ein Augenscan das EKG ersetzt. Aber es bedeutet, dass Sie die Zeichen frĂŒher kennen sollten. Kostenlosen Herz-Ratgeber anfordern

Statistisch ging eine Abnahme der Schichtdicke um eine Standardabweichung mit einer um 27 Prozent höheren Rate an spĂ€teren Diagnosen einher. DĂŒnnere Netzhautschichten markieren somit ein erhöhtes relatives Risiko fĂŒr das Auftreten der Herzrhythmusstörung.

ErgĂ€nzendes Screening statt Ersatz fĂŒr das EKG

Trotz der statistischen Signifikanz ordnen die Wissenschaftler die Ergebnisse vorsichtig ein. Die Untersuchung belegt eine Korrelation, liefert jedoch keinen kausalen Nachweis fĂŒr den Krankheitsverlauf. Zur eindeutigen Feststellung von Vorhofflimmern bleibt die Elektrokardiographie (EKG) weiterhin der diagnostische Standard.

Der leitende Autor der Untersuchung, Siegfried Wagner, stellte klar, dass die Bildgebung des Auges etablierte EKG-Verfahren keinesfalls ersetzen soll.

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Vorhofflimmern verlĂ€uft oft jahrelang ohne spĂŒrbare Symptome — und bleibt genau deshalb so gefĂ€hrlich. Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Die neue Netzhaut-Forschung liefert einen weiteren Baustein, um Risikopersonen frĂŒher zu erkennen. Unser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Fragen Sie bei Ihrem nĂ€chsten Arzttermin stellen sollten. Herz-Risiko-Checkliste jetzt sichern

Hauptautor Josef Huemer vom UCL und dem Moorfields Medical Center verwies hingegen auf die Perspektiven fĂŒr die FrĂŒherkennung: KĂŒnftig könnten standardmĂ€ĂŸige Kontrolluntersuchungen der Augen dazu beitragen, gefĂ€hrdete Patientengruppen frĂŒhzeitig zu identifizieren, um sie anschließend einer gezielten kardiologischen AbklĂ€rung zuzufĂŒhren.

Vorhofflimmern gilt als eine der hĂ€ufigsten Herzrhythmusstörungen und betrifft allein in Deutschland schĂ€tzungsweise rund zwei Millionen Menschen. Da die Erkrankung oft ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume ohne spĂŒrbare Symptome verlĂ€uft, gewinnen nicht-invasive Screening-AnsĂ€tze in der prĂ€ventiven Medizin zunehmend an Bedeutung.

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