Wearables, Darmschübe

Wearables erkennen Darmschübe bis 7 Wochen vor Symptomen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 15:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue CICR-NAM-Technologie gibt Vitamin B3 punktgenau im Darm frei und zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Darmerkrankungen sowie COVID-19.

Darmmikrobiom-Forschung: Vitamin B3 gezielt freisetzen
Wissenschaftliche Nahaufnahme einer medizinischen Tablette in einem modernen Labor zur Erforschung des Darmmikrobioms. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die medizinische Forschung setzt zunehmend auf das Darmmikrobiom. Ein vielversprechender Ansatz: die gezielte Freisetzung von Vitamin B3 in bestimmten Darmabschnitten. Aktuelle Studien zeigen das Potenzial für die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) und die Erholung nach Infektionen.

Technologie zielt auf den unteren Darm ab

Im Fokus steht die sogenannte CICR-NAM-Technologie (controlled-ileocolonic-release nicotinamide). Sie ermöglicht es, Vitamin B3 gezielt im unteren Dünndarm und Dickdarm freizusetzen. Entwickelt wurde das Verfahren von Forschern des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI), dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Unternehmen CONARIS.

Für den Transfer in die klinische Anwendung gab es im Juni 2026 den Innovations-Transfer-Preis der Prof. Dr. Werner-Petersen-Stiftung. Die Tabletten sind fünf Jahre stabil und lassen sich industriell herstellen. Ziel: Das Darmmikrobiom direkt an der betroffenen Stelle stabilisieren, ohne dass die Substanz bereits in den oberen Verdauungswegen aufgenommen wird.

Studie belegt Wirkung bei COVID-19

Die Wirksamkeit wurde bereits in einer großen Untersuchung belegt. Eine 2025 in Nature Metabolism veröffentlichte Studie mit 900 COVID-19-Patienten zeigte: Die körperliche Leistungsfähigkeit der Probanden erholte sich schneller. Zudem blieben typische Störungen des Darmmikrobioms aus.

Aktuell läuft die klinische Phase-II/III-Studie ORNATUS-1. Hier testen Forscher die Wirkung von CICR-NAM bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Ergänzende Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Blinddarm eine Rolle bei der Produktion von IgG-Antikörpern spielt – und diese den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen können.

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Diagnostik erkennt Schübe früher

Auch die Diagnostik macht Fortschritte. Eine im Frühjahr 2026 in Scientific Reports veröffentlichte Studie hob den Biomarker REG3? hervor. Er korreliert eng mit der Krankheitsaktivität bei Colitis ulcerosa. Daten der „IBD Forecast Study“ zeigen zudem: Wearables können Krankheitsschübe bis zu sieben Wochen vor den ersten Symptomen erkennen.

Der Einfluss des Darms reicht aber über gastroenterologische Erkrankungen hinaus. Eine im Juli 2026 in Science Translational Medicine veröffentlichte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Darmflora und Multipler Sklerose (MS). Ergebnis: Bestimmte Immuntherapien mobilisieren schützende B-Zellen aus dem Darm. Diese wandern ins zentrale Nervensystem. Höhere Konzentrationen dieser Zellen im Blut korrelieren mit besseren Behandlungsergebnissen.

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Neue Wirkstoffe gegen resistente Bakterien

Die Forschung an Transportproteinen eröffnet zudem neue Wege in der Infektionsmedizin. Wissenschaftler der Universitäten Münster und Athen klärten mittels Kryo-Elektronenmikroskopie die Struktur von Transporterproteinen auf. Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) berichtete im Juli 2026 über neue Wirkstoffkandidaten, die bakterielle ECF-Transporter blockieren.

Diese Wirkstoffe sollen resistente Bakterien wie Streptococcus pneumoniae „aushungern“, indem sie deren Nährstoffaufnahme unterbinden. In präklinischen Modellen ließ sich die Bakterienlast in der Lunge deutlich reduzieren – ohne bisher beobachtete Resistenzentwicklungen.

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