Wearables, Apple

Wearables: Nur Apple verschlüsselt Gesundheitsdaten Ende-zu-Ende

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine EFF-Untersuchung zeigt: Nur Apple verschlüsselt Gesundheitsdaten standardmäßig. Viele Hersteller informieren Nutzer nicht über Behördenzugriffe.

Wearable-Studie: Große Sicherheitslücken bei Gesundheitsdaten
Nahaufnahme einer Smartwatch, die verschlüsselte Gesundheitsdaten anzeigt, mit einem stilisierten Vorhängeschloss und einem unscharfen Serverraum im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine neue Untersuchung von zehn großen Herstellern tragbarer Technik zeigt gravierende Sicherheitslücken beim Schutz von Gesundheitsdaten. Nur Apple bietet aktuell eine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für in der Cloud gespeicherte Gesundheitsdaten. Die Daten der meisten Nutzer sind damit per einfacher Vorladung zugänglich.

Transparenzdefizite in der gesamten Branche

Die Analyse der Electronic Frontier Foundation (EFF) vom 15. Juli 2026 offenbart eklatante Unterschiede im Umgang mit behördlichen Datenanfragen. Von zehn untersuchten Unternehmen veröffentlichen lediglich Apple und Google regelmäßige Transparenzberichte über die Häufigkeit und Art von Anfragen der Strafverfolgungsbehörden. Noch überschaubarer ist die Liste der Firmen, die ihre Nutzer aktiv informieren, wenn Behörden auf ihre Daten zugreifen: Nur Apple, Google und Whoop haben entsprechende Richtlinien.

Immerhin: Der Ring-Hersteller Oura hat im Juni 2026 seine Datenschutzrichtlinie aktualisiert und verspricht nun ebenfalls, Nutzer über Datenanfragen zu informieren. Doch namhafte Konkurrenten wie Garmin, Amazfit, Coros, Hume und Polar haben nach wie vor keine entsprechenden Benachrichtigungspflichten. Fünf der befragten Unternehmen reagierten während der gesamten Untersuchung nicht auf Anfragen der EFF.

Die Verwundbarkeit dieser Daten wird durch eine regulatorische Lücke noch verschärft: Der Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA), der in den USA den Schutz von Gesundheitsdaten regelt, gilt nicht für Verbraucher-Fitnessgeräte. Überwachungsfirmen wie Penlink vermarkten Wearable-Daten daher offen als Ermittlungsressource für Polizeibehörden.

KI-Training und die Frage nach der Einwilligung

Parallel zu den Sicherheitsbedenken kommt es zwischen Herstellern und Nutzern zunehmend zu Konflikten über die Datennutzung. Im Juli 2026 erhielten Samsung-Health-Nutzer eine Mitteilung, die ihre Zustimmung zur Nutzung von Gesundheitsdaten für KI-Training neuer Coaching-Funktionen verlangte.

Die ersten Formulierungen von Samsung sorgten für Verunsicherung: Wer die KI-Option ablehne, dem drohe die Löschung sämtlicher Gesundheitsdaten und das Ende der Cloud-Synchronisation. Das Unternehmen ruderte später zurück und stellte klar, dass nur spezifisch für das KI-Training erhobene Daten gelöscht würden – die normale Synchronisation bleibe erhalten.

Dieser Vorfall fällt in eine Zeit intensiver klinischer Expansion bei Samsung. Erst Anfang 2026 startete das Unternehmen die Blutdruckmessung für Galaxy-Watch-Nutzer in den USA und ging eine Partnerschaft mit der deutschen klinischen Forschungseinrichtung Alcedis ein, um Wearable-Daten in die Onkologie- und Kardiologieforschung zu integrieren.

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Datenschutz bei Gesundheits-Apps: Licht und Schatten

Auch bei reinen Softwarelösungen zeigt sich ein gemischtes Bild. Eine Untersuchung der Mozilla Foundation vom Juli 2026 bewertete sechs populäre Zyklus-Tracking-Apps und stellte erhebliche Unterschiede im Datenumgang fest. Die App Euki schnitt am besten ab, da sie Daten ausschließlich lokal auf dem Gerät speichert. Kritisiert wurde dagegen die App Stardust, die reproduktive Gesundheitsdaten an Drittanbieter weitergibt.

Während Plattformen wie Flo inzwischen anonyme Modi eingeführt haben, übertragen andere weiterhin Geräteidentifikatoren an Werbenetzwerke. Die Ergebnisse reihen sich ein in eine Geschichte von Datenschutzvorfällen in der Branche – etwa den 400-Millionen-Dollar-Vergleich zwischen Google und Fitbit aus dem Jahr 2022 wegen fragwürdiger Standortverfolgung.

Der Kampf um Verschlüsselung spitzt sich zu

Die Debatte um den Zugriff auf Gesundheitsdaten ist Teil eines größeren rechtlichen Ringens um digitale Privatsphäre. Apple hat der US-Justizbehörde im Laufe des Jahres 2026 mehrere Vergleichsangebote unterbreitet, um eine Kartellrechtsklage aus dem Jahr 2024 beizulegen. Während Apple bereits Zugeständnisse bei NFC-Zugang und Messaging-Standards gemacht hat, bleiben die Datenpraktiken der Apple Watch ein zentraler Streitpunkt.

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International drohen neue Gesetze, die bestehende Schutzmechanismen aushöhlen könnten. In Kanada sieht der Gesetzesentwurf C-22 („Lawful Access Act“) vor, dass Messenger-Dienste und Telekommunikationsfirmen Metadaten ein Jahr lang speichern und Überwachungsfunktionen einbauen müssen. Datenschutzorganisationen und Technologieunternehmen wie Signal und Apple haben angekündigt, dass solche Auflagen sie zwingen könnten, ihre Privatsphäre-Funktionen zu entfernen oder den Betrieb in der Region ganz einzustellen.

Das Ausmaß des behördlichen Interesses an Mobilfunkdaten ist enorm: Ein Bericht von Upturn dokumentierte fast 50.000 Fälle zwischen 2015 und 2019, in denen Polizeibehörden forensische Werkzeuge zur Datenextraktion aus Mobilgeräten einsetzten – oft mit Durchsuchungsbefehlen, die eine vollständige Datensammlung erlauben, ohne dass nicht relevante persönliche Informationen gelöscht werden müssen.

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