Wechseljahre, Erschöpfung

Wechseljahre: 83 Prozent berichten Erschöpfung, Angst und Schlafprobleme

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen dokumentieren verbreitete seelische Belastungen; kognitive Testergebnisse unterscheiden sich zwischen den Menopausestadien jedoch nur gering.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden mit sanftem Licht und ungemachtem Bett. Illustration mit AI erstellt.

Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren können erhebliche psychische und kognitive Beschwerden auslösen. Berichte verdeutlichen, dass Phänomene wie Angstzustände, Schlafstörungen und Erschöpfung häufig auftreten, jedoch oft nicht unmittelbar als seelische Belastung im Kontext der hormonellen Umstellung erkannt werden. Stattdessen werden die Symptome in vielen Fällen fälschlicherweise als gewöhnliche Stressreaktionen interpretiert.

Häufige Symptome bereits in der Perimenopause

Psychische Beschwerden beginnen vielfach schon Jahre vor der letzten Regelblutung in der sogenannten Perimenopause, die häufig in der zweiten Hälfte der Vierziger einsetzt. Typische Anzeichen sind Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Angstzustände, Konzentrationsprobleme, Schlafprobleme sowie anhaltende Erschöpfung.

Eine internationale Studie aus dem Jahr 2026 im Fachjournal Menopause, an der 17.494 Frauen ab 35 Jahren aus 158 Ländern teilnahmen, unterstreicht die Verbreitung dieser Belastungen: 83 Prozent der Befragten gaben Fatigue an, ebenso viele litten unter körperlicher und geistiger Erschöpfung.

Zudem berichteten 80 Prozent über Gereiztheit, 77 Prozent über depressive Stimmungen, 76 Prozent über Schlafprobleme und 71 Prozent über Hitzewallungen.

Eine Metaanalyse im Fachjournal Scientific Reports, die 21 Studien mit 24.523 Frauen auswertete, zeigte bei Frauen in der Perimenopause eine um 59 Prozent höhere Chance auf Angstsymptome im Vergleich zur Prämenopause.

Bei postmenopausalen Frauen lag diese Wahrscheinlichkeit um 63 Prozent höher als vor den Wechseljahren, während die Wahrscheinlichkeit in der Postmenopause im Vergleich zur Perimenopause um 21 Prozent niedriger ausfiel.

Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Daten stark variierten und aufgrund des Querschnittsdesigns keine Kausalität belegen. Während die Weltgesundheitsorganisation Angst als mögliches Symptom der Wechseljahre anerkennt, führt das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) dies nicht an.

Medizinische Abklärung und psychologische Unterstützung

Experten raten dazu, über Wochen anhaltende Schlafprobleme, Ängste oder Niedergeschlagenheit ärztlich abklären zu lassen. Eine Depression gilt als behandlungsbedürftig, wenn gedrückte Stimmung, Antriebsmangel und Interessenverlust über mindestens zwei Wochen anhalten.

Für akute seelische Notlagen stehen der Notruf sowie Krisentelefone zur Verfügung. Als therapeutische Ansätze gelten kognitive Verhaltenstherapie, Psychoedukation, Entspannungstechniken, Bewegung sowie bei Bedarf Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken.

Für Frauen über 45 Jahren mit typischen Anzeichen ist im Allgemeinen kein Hormontest erforderlich. Im Alter zwischen 40 und 45 Jahren kann eine Bestimmung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) sinnvoll sein. Gleichzeitig müssen Differenzialdiagnosen wie Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel oder Anämie berücksichtigt werden.

Bei anhaltenden Beschwerden wie schweren Schlafstörungen, Panikattacken oder deutlichen Konzentrationsproblemen wird ein multidisziplinäres Vorgehen unter Beteiligung von Gynäkologie, Endokrinologie und Psychiatrie angeraten.

Anzeige

Wer sich mit hormonell bedingten Konzentrationsproblemen oder Vergesslichkeit befasst, findet in diesen 11 praktischen Alltagsübungen wirksame Methoden, um die geistige Fitness nachhaltig zu stärken. Kostenlosen Ratgeber für mehr mentale Fitness herunterladen

Ein Bericht der American Psychological Association (APA) vom August 2026 betonte ebenfalls, dass Stimmungsschwankungen und kognitive Schwierigkeiten die Übergangsphase begleiten können. Die Organisation forderte einen besseren Zugang zu evidenzbasierter psychologischer Versorgung, stellte jedoch klar, dass es sich dabei um Orientierungshilfen und nicht um formale Leitlinien handle.

Kognitive Phänomene und neurobiologische Befunde

Sogenannter „Brain Fog“ und kognitive Beschwerden beschäftigen viele Frauen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2026 mit über 14.000 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren zeigte, dass solche Symptome in der Perimenopause und danach gehäuft beschrieben werden. Allerdings unterschieden sich die tatsächlichen Leistungen in kognitiven Tests zwischen den verschiedenen Stadien der Menopause nur minimal.

Anzeige

Um die geistige Leistungsfähigkeit trotz hormoneller Umstellungen langfristig zu erhalten, empfehlen Experten gezielte Übungen und eine angepasste Ernährung. Dieser kostenlose Guide liefert Ihnen wertvolle Tipps für ein waches Gedächtnis und bessere Konzentration. 7 Geheimnisse für geistige Fitness jetzt kostenlos entdecken

Neurobiologische Studien liefern differenzierte Einblicke. Eine in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Forschenden des Amsterdam UMC ergab, dass der Übergang von der Prä- zur Postmenopause nicht mit einem signifikanten Verlust des gesamten oder kortikalen Volumens an grauer Substanz im Gehirn einhergeht.

Demgegenüber stellte eine Auswertung von Daten der britischen Biobank in Psychological Medicine fest, dass postmenopausale Frauen ohne Hormonersatztherapie langsamere Reaktionszeiten und Volumenminderungen in spezifischen Regionen wie dem Hippocampus zeigten, während die Gedächtniswerte vergleichbar blieben.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70420264 |