Wechseljahre, Milliarden

Wechseljahre: 9,4 Milliarden Euro Schaden jÀhrlich durch berufliche Belastungen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Bericht zeigt Defizite in Medizin und Arbeitswelt; Ministerium und Antidiskriminierungsstelle benennen geplante Schritte und Forderungen.

Menopause: Ministerium bilanziert VersorgungslĂŒcken und politische Vorhaben
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die gesundheitliche Versorgung von Frauen in der Lebensphase der Menopause rĂŒckt verstĂ€rkt in den Fokus der Gesundheitspolitik. Nach einem einjĂ€hrigen Dialogprozess, der im November 2025 von der damaligen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken initiiert worden war und vier FachgesprĂ€che zu Forschung, Versorgung, Arbeitswelt und Information umfasste, zieht das Bundesgesundheitsministerium Bilanz.

SchĂ€tzungen des Ministeriums zufolge betreffen die Wechseljahre rund neun Millionen Frauen in Deutschland, von denen etwa ein Drittel unter ausgeprĂ€gten Beschwerden leidet. StaatssekretĂ€rin Dr. Christiane Schenderlein hob hervor, dass diese Lebensphase keine Krankheit sei, sondern ein natĂŒrlicher Vorgang, und Frauengesundheit kein gesellschaftliches Randthema bleiben dĂŒrfe.

WissenslĂŒcken in Ausbildung und klinischer Praxis

Ein zentrales Ergebnis der ministeriellen Bestandsaufnahme betrifft Defizite im medizinischen System. Laut dem Ergebnispapier bestehen im Versorgungssystem erhebliche WissenslĂŒcken ĂŒber den Zusammenhang zwischen hormonellen Umstellungen und klinischen Symptomen.

Eine Analyse der Fachzeitschrift Nature zeigte, dass hormonelle VerĂ€nderungen bereits ĂŒber zehn Jahre vor der letzten Menstruation auftreten können. Dennoch spiegelt sich dieses Wissen in der Lehre bislang kaum wider.

Mandy Mangler, ChefĂ€rztin fĂŒr GynĂ€kologie am Vivantes Klinikum, verwies darauf, dass an der Berliner CharitĂ© lediglich eine einzelne Vorlesung zur Menopause angeboten werde, da fĂŒr diesen Bereich kaum strukturelle Grundlagen vorhanden seien.

Um diese LĂŒcken zu schließen, plant das Bundesgesundheitsministerium, das Thema in der Reform der Ă€rztlichen Ausbildung zu verankern. Geschlechtersensible Medizin soll dabei als eigenes Fach etabliert werden. Allerdings liegt die Reform der Approbationsordnung seit Jahren auf Eis, weshalb eine rasche flĂ€chendeckende Umsetzung als unwahrscheinlich gilt.

ErgĂ€nzend strebt das Ministerium an, die Wechseljahresberatung in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen, Forschungsprojekte zu fördern und das Robert Koch-Institut bei der zusĂ€tzlichen Datenerhebung zur Frauengesundheit zu unterstĂŒtzen.

FĂŒr den Dialogprozess hatten das Gesundheits- und das Forschungsministerium im Jahr 2026 erstmals Fördermittel fĂŒr medizinische Vorhaben bereitgestellt.

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Der volkswirtschaftliche Schaden durch berufliche Belastungen in den Wechseljahren wird auf jĂ€hrlich rund 9,4 Milliarden Euro geschĂ€tzt — und Frauen ab 50 sind die am schnellsten wachsende Altersgruppe unter den ErwerbstĂ€tigen. Wer heute keine wechseljahresfreundlichen Arbeitsbedingungen schafft, riskiert Fehlzeiten und Diskriminierungsklagen. Kostenlosen HR-Leitfaden jetzt anfordern

Belastungen am Arbeitsplatz und volkswirtschaftliche Dimension

Parallel dazu hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Handlungsempfehlungen des Gremiums fĂŒr Wechseljahre und Diskriminierung unter der Leitung von Miriam Stein und Franzi von Kempis vorgelegt. Der rund 30-seitige Bericht konstatiert ein mangelndes Problembewusstsein in der Arbeitswelt. Frauen ab 50 Jahren stellen die am schnellsten wachsende Altersgruppe unter den ErwerbstĂ€tigen dar.

Laut Stein liegt das statistische Durchschnittsalter bei Beginn der Wechseljahre bei 51 bis 52 Jahren, wobei rund 85 Prozent der betroffenen Frauen Symptome wahrnehmen; danach folgen durchschnittlich noch mindestens 15 Jahre im Berufsleben. Im Alterssegment zwischen 40 und 60 Jahren seien zudem 80 Prozent der Frauen erwerbstÀtig.

Die Antidiskriminierungsstelle beziffert die Zahl der Betroffenen auf rund elf Millionen Frauen. Jede dritte Betroffene berichtet von erheblichen beruflichen Belastungen bis hin zu ArbeitsausfÀllen. Der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden wird auf jÀhrlich rund 9,4 Milliarden Euro geschÀtzt.

Zur Entlastung fordert das Gremium wechseljahresfreundliche Arbeitsbedingungen, darunter flexible Arbeitszeitmodelle, Anpassungen der Raumtemperatur, geregelten Toilettenzugang und betriebsĂ€rztliche Angebote – ausdrĂŒcklich auch in PrĂ€senzberufen wie der Pflege, Gastronomie und Landwirtschaft. Stein verwies in diesem Zusammenhang auf historische Vorbilder wie betriebliche FrauenruherĂ€ume.

Forderungen nach gesetzlicher Absicherung und breiterer Forschung

Neben praktischen Arbeitsplatzanpassungen fordert die Bundesbeauftragte fĂŒr Antidiskriminierung, Ferda Ataman, eine ressortĂŒbergreifende nationale Strategie sowie eine gesetzliche Klarstellung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Es mĂŒsse rechtssicher geregelt sein, dass der Diskriminierungsschutz auch bei Benachteiligungen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden greife, etwa im Falle verweigerter VertragsverlĂ€ngerungen.

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Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fordert eine gesetzliche Klarstellung, dass Benachteiligungen wegen Wechseljahresbeschwerden unter den Diskriminierungsschutz fallen — etwa bei verweigerter VertragsverlĂ€ngerung. PrĂŒfen Sie jetzt, wo Ihr Betrieb rechtlich nachschĂ€rfen muss, bevor der erste Fall kommt. Argumentationshilfe fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrung sichern

Zudem mahnen die Fachleute an, dass eine gesonderte Abrechnungsziffer fĂŒr die medizinische Beratung fehle und Medizinstudium sowie Facharztausbildung das Thema unzureichend behandeln. Bei kĂŒnftigen Forschungsvorhaben mĂŒssten ĂŒberdies Gruppen berĂŒcksichtigt werden, die bislang kaum im Fokus standen, darunter Frauen mit Migrationsgeschichte, geringem Einkommen, Behinderungen sowie trans- und intergeschlechtliche Personen.

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